Donnerstag, 24. November 2011

Sinnhauch

Ein Hauch von Sinn hat mich gestreift.
Zart wehte mich die Ahnung an,
daß alles seinen Zweck doch hat,
sein Ziel und seinen Weg zum Glück
in diesem Erdenleben.
Ein Sinnhauch, warm und glückvoll war's,
nach kalter Leere, die da war -
ich schauderte. Wie‘s üblich ist
bei solchem herzenswarmen Wind.
Und glaubt‘ es kaum. Und staunte stumm,
daß mir dies Wunder widerfuhr.
Doch war es Trug. Ein Hauch. Mehr nicht.
Der selbstgefällig bald verflog,
den Nächsten zu umwehen.
Glaubte von sich, er gab sich hin.
Und ließ mich sinnlos stehen.


(Anmerkung des Autors:
Das Wort "Sinnhauch" ist eine freundliche Leihgabe der wunderbaren Autorin Susanne Bohne. Ihr gleichnamiges eBook kann hier direkt erworben werden.) 

Donnerstag, 3. November 2011

Der Segen der Vergänglichkeit

Das Leben ist schwer. Ich habe nie vermocht, es zu meistern. Und je älter ich wurde, desto schwerer erschien es mir. Mein Halt, mein einziger Trost ist die Gewißheit, daß dieses Leben eines Tages zu Ende und am Tag darauf vergangen sein wird.

Dabei gab es eine Zeit, da ich fest glaubte, es werde leichter. Mit dem Heranwachsen, der Entwicklung über Kindheit und Jugend hinaus wachse auch die Selbstbestimmung, die Anerkennung der Mitmenschen und die Fähigkeit, alle Herausforderungen des Lebens zu bestehen. Jede Phase meines Daseins auf dieser Erde war hauptsächlich davon geprägt, daß ich ihre Überwindung herbeisehnte in dem irrigen Glauben, danach komme eine, die ich erträglicher finden würde. Als Kleinkind haßte ich es, nicht laufen zu können – ohne daß ich konkrete Erinnerungen daran hätte, aber das Gefühl der Demütigung, die ich ob dieser Tatsache empfand, hallt deutlich in mir nach. Und also begegnete ich dieser Einschränkung mit Verweigerung. Ich krabbelte nicht, sondern bewegte mich einfach solange nicht vom Fleck, bis ich, zum Erstaunen meiner Mutter, eines Tages aufstand und ging.

Auch das Pflaster, das man mir über mein gesundes rechtes Auge klebte, als ich zwei Jahre alt war, um das bei meiner Geburt beschädigte linke zu trainieren, empfand ich als Demütigung, behinderte es doch meine klare Sicht und damit die Wahrnehmung meiner Welt, die ich mir doch gerade erst zu erschließen begonnen hatte. Kaum hatte ich eine Möglichkeit entwickelt und war an der Schwelle zu etwas Neuem angekommen, schränkte man sie mir ein. Ein Muster, das sich für den Rest meines Lebens erhalten und wie ein roter Faden durch mein Erdendasein ziehen sollte. Und also stolperte ich Kind durch die elterliche Wohnung, rannte an und sah meine Umwelt als verschwommenes, allenfalls impressionistisch anmutendes Bild. Ich glaube, schon damals ist mir mein Realitätssinn abhanden gekommen, und die Welt, das Leben und meine Mitmenschen begannen, mir surreal und ungreifbar vorzukommen.

Also harrte ich der Überwindung dieser Phase. Was nützte mir das Laufenkönnen, wenn ich nichts sah. Und tatsächlich, eines Tages begriffen sogar meine Eltern, daß an meinem Auge nichts zu heilen war, weil es nicht einfach schwach, sondern irreparabel beschädigt war. So wie meine Seele. Man nahm das Pflaster ab, und ich sah. Scharf, klar. Erschreckend. Jedes Detail. Jedes Staubkorn. Jede Regung in den Gesichtern der Erwachsenen, und jede Lüge in ihren Herzen. Und es widerte mich an. Fast meine ich mich zu erinnern, daß ich mir die impressionistisch verwaschene Welt der Pflastertage zurückwünschte. Vergänglichkeit in die Vergangenheit. Eine ewige Sehnsucht.

Ich wurde drei, vier, und das, was andere Menschen Realität nannten, war mir eine banale Lästigkeit. Im Kindergarten schlief ich, um nicht mit anderen, banaleren Kindern spielen zu müssen. Jeden Morgen kam ich an und wanderte schnurstracks durch den Saal ins Büro, wo mir die Kindergärtnerinnen, nachdem sie verstanden hatten, wie aussichtslos ihre Integrationsversuche waren, ein großes Kissen und eine Decke unter den Schreibtisch gelegt hatten. Ich ging dorthin und wartete nur darauf, daß der Vormittag verginge. Im süßen Schlaf Zeit vergehen lassen – welch angenehmer und einziger Lebenssinn.

Die Schule bot solche Rückzugsmöglichkeiten nicht mehr. Die Realität, der ich mich bis dahin erfolgreich entzogen, ja verweigert hatte, war nun unausweichlich. Und also gab ich einen Teil meines Widerstandes auf, um es mir nicht schwerer zu machen als nötig, und das erste Stückchen meiner autonomen, weltfernen Seele starb. Die schulische Realität war leicht, und ich bekam ausgezeichnete Noten. Ich wollte das auch – nicht aus Ehrgeiz, oder weil ich mich im Bewertungssystem der Realität möglichst weit oben positionieren wollte, sondern weil es mir Vergnügen machte, der Realität ihre eigene Belanglosigkeit dadurch vor Augen zu führen, daß ich sie so spielend leicht beherrschen konnte. Meine guten Noten waren meine Art, der Wirklichkeit zu zeigen, wie wenig ich von ihr hielt. Und so schrieb ich nebenbei meine ersten kindlichen Gedichte unter der Schulbank, als würzige kleine Pilze auf dem allzu faden Nährboden dessen, was den meisten anderen Kindern als Lebenswirklichkeit genügte und von ihnen vorbehaltlos als solche akzeptiert wurde. Sehr anregend war das alles indes nicht, und ich versprach mir eine erhebliche Erweiterung meiner Möglichkeiten durch die Überwindung der Grundschule und den Besuch des Gymnasiums. Welch ein Irrtum.

Denn kaum war ich auf dem Gymnasium, begriff ich, daß auch hier nicht mehr als Realität zu erwarten war. Zwar entführte man uns in die reiche Welt des Lateinischen und seiner Geschichten, brachte uns die erstaunlichen Wunder der Physik bei und zeigte uns erste kleine Odien des wunderbaren, riesigen Schatzes deutscher Literatur... aber anstatt dieser geistigen Welt eine heilige, unangetastete Existenz zu gewähren, zerhackte man sie in Lerninhalte, fragte sie in kleinlichen Tests ab und quetschte sie in das Bewertungssystem eben jener Realität, der sie doch ihrer phantastischen Natur nach nicht nur entzogen, sondern sogar übergeordnet waren. Ich fand das enttäuschend, ja empörend, und von diesem Moment an machten mir gute Noten auch als Mittel zur Bloßstellung der Realität keine Freude mehr. Und nichts wünschte ich mir mehr als diese kleinliche Sphäre schematischer Beurteilung zu überwinden. Wie gut, dachte ich, daß diese Phase vergeht. 

Mein Herz brach. Zum ersten Mal. Mit 17 verliebte ich mich glühend in ein Mädchen, das sich durchaus nicht für mich interessierte. Während sich ringsumher Pärchen bildeten und erste unbeschwerte Erfahrungen gemacht wurden (auch sie hatte plötzlich einen Freund, für den meine Träume wahr wurden), ließ mich die eine große, unerfüllte Liebe nicht los, und ich blieb allein. Mit meinem Schmerz. Er vergeht, dachte ich. Irgendwann vergeht der Schmerz. Aber das tat er nicht. Liebesschmerz ist überhaupt das Einzige im Leben, was nicht vergeht. Oder zumindest erst mit dem Tod. Vielleicht warte ich daher so sehnsuchtsvoll auf ihn. Jedenfalls hatte mich die Realität des Lebens nun vollends eingeholt – Schmerz und Enttäuschung.

Ich studierte, und mein Vater zahlte für meinen Unterhalt exakt den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestsatz. Immer wieder machte er Geld zum Druckmittel für meine Fügsamkeit, waren ihm als Musterbeispiel eines der allgemein akzeptierten Realität angepaßten Menschen meine weltfernen Exzentrizitäten doch zutiefst verhaßt und wohl auch peinlich. Seine ganz eigene Realitätsferne gestand er weder mir noch sich selbst ein... Als ich mir von den paar Mark, die ich mir zu ersparen vermocht hatte, einen 20 Jahre alten, rostigen Jaguar kaufte, anstatt einen ebenso alten rostigen Golf zum selben Preis oder gar ein Fahrrad zu erwerben, kürzte er mir zur Strafe den Wechsel mit dem Argument, wenn ich genug Geld habe, als Student einen Jaguar zu fahren, könne er mir ja durchaus etwas abziehen. Ich fand das unlogisch. Aber ich hatte keinerlei Gegenwehr zur Hand. Es geht vorbei, dachte ich mir. Die Phase der Abhängigkeit geht vorbei, und dann kannst Du machen, was Du willst.

Tatsächlich ging sie vorbei, diese Phase väterlicher Demütigung, und in den letzten 15 Jahren haben wir quasi nicht mehr miteinander geredet. Mir fehlt dabei nichts. Es ist alles gesagt. Es ist vergangen. Und das ist gut so. Ich tat, was ich wollte. Studierte ein weiteres Fach... heiratete schließlich und geriet dadurch in einen Lebenszustand, der seinem Wesen nach nicht auf Vergänglichkeit, sondern auf Bestand ausgelegt war. Vielleicht ist Bestand etwas, wovor mir graut, obschon ich mich zuweilen danach sehne. Vielleicht war ich die Vergänglichkeit von Lebensphasen so sehr gewöhnt, ja schätzte sie so hoch, daß ich nach 14 Jahren aus diesem Lebensbund ausbrach. Auswanderte gar. Nach Wien. Warum auch immer. Dies war das erste Mal, daß ich selbst, mehr oder minder bewußt, die Vergänglichkeit einer Phase herbeigeführt habe.

Dort lebte ich nun. Wartend auf etwas Neues, das ich nicht zu beenden hätte, sondern daß von allein verginge. Das Neue, das vergehen konnte, wurde gleichsam zu meinem Ideal. Ich begann ständig Neues, und zwar Affären oder Beziehungen zu Frauen, berauschte mich an den erregenden Anfängen und ließ sie wieder vergehen, wenn ihr Reiz im Lichte der alltäglichen Realität zu verblassen begann, das auch über den entrücktesten, romantischsten Verhältnissen irgendwann aufscheint. Ich ließ sie vergehen, wenn sie das wahre Leben zu berühren begannen, Perspektiven verlangten oder gar Pläne machten. Um wieder Neues zu beginnen. So süchtig war ich nach dem kurzen Zyklus des Erlebens, der unbedingten Haltlosigkeit, der Ungebundenheit an jede gültige Realität, daß ich zuweilen vier, fünf Verhältnisse gleichzeitig hatte, jedes voll und ganz gewollt und empfunden, aber doch nur um seiner Vergänglichkeit willen so innig erlebt. Vergänglichkeit macht sicher vor der Realität. Was man vergehen lassen kann, wird einen niemals binden, verpflichten oder auf dem Boden der Wirklichkeit festnageln können. Vergänglichkeit schützt vor Verantwortung. Dachte ich. Aber das war natürlich Unsinn.

Ich brach Herzen, zerstörte Hoffnungen und verletzte Seelen. Viele. Daß ich selbstverständlich Verantwortung für sie zu tragen gehabt hätte, war mir egal. Warum? Ich selbst war aufs Schrecklichste verletzt worden, und der Schmerz verging nicht. Er vergeht nie, der Liebesschmerz. Höchstens im Tod. Ich kam nach Wien, viel Vergangenes hinter mir lassend, und begegnete ihr. Dem Menschen, mit dem ich endlich etwas Unvergängliches zu beginnen bereit war. Nie habe ich so geliebt, nie war ich so entschlossen. Aber sie wollte mich nicht. Lockte mich, und stieß mich fort. Spielte mit mir, hielt mich hin, küßte mich – mehr nie – und stieß mich wieder fort. Spottete über meine Liebe, entfachte sie aber aufs Neue, wenn ich sie vergehen zu lassen begann. Erhörte einen anderen. Einen Unwerten, für den meine Träume wahr wurden. Und mein angebrochenes Herz wurde zerstört. Seither schien mir nur das Vergängliche, das Kurze, Innige, jeder Alltagsrealität entzogene erträglich, der Schein, das Spiel. Und ich brach Herzen.

Soll ich Ihnen nun vom Wunder meiner Heilung berichten? Von dem Menschen, der mich durch echte, reine Liebe herausholte aus dieser Scheinwelt? Dem Menschen, für den mein zerstörtes Herz seit Jahren und Jahren den ersten echten Schlag tat? Den ich lieben konnte und ewig und unvergänglich haben wollte? Es ist müßig. Was so plötzlich, so unerwartet meinem Leben Halt und Sinn zu geben schien, ist auch schon wieder vergangen. Das Leben... ich habe es nie zu meistern vermocht. Wann immer ich eine Chance auf Rettung, auf Heilung, auf eine nicht nur erträgliche, sondern gar erfüllende, beglückende Realität gehabt hätte, habe ich etwas getan, um sie zu verhindern. Aus Dummheit, aus Reflex, aus Routine... ich weiß es nicht. So bleibt eben alles vergänglich. Nur der Schmerz nicht. Ich wollte, er wäre vergänglich, so wie es all die guten Sachen sind. Diese Vergänglichkeit wäre ein Segen.

Aber es gibt sie nicht. Der Schmerz vergeht erst im Tod.

Sonntag, 23. Oktober 2011

Jahr. Eins.

Zufall. Begegnung.
Verständnis. Nähe. Gefühl.
Zärtlichkeit. Zweifel.
Anzüglichkeit. Sehnsucht.
Hindernisse. Meteorit.
Distanz. Verletzung.
Traumata. Kompensation.
Pause.
Annäherung. Zweifel.
Blaues Licht.
Verschmelzung.
Innigkeit. Liebe.
Zeit. Raum. Bürden.
Lügen. Ehrlichkeit.
Abbruch 1.
Abbruch 2.
Abbruch 3.
Zweifel. Nähe. Zweifel.
Chancen. Los.
Liebe. Last. Lust.
Wollen. Können. Zweifel.
Spiralen. Kreise.
Jahrestage.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Netzgezappel 2.0

Am 24. August 1995, seinem 25. Geburtstag, setzte sich ein Trierer Jurastudent hin und schrieb all jene Gedanken nieder, die er glaubte, sich zu seinem silbernen Jubiläum auf Gottes schöner Erde machen zu müssen. Soeben finde ich dieses umfangreiche, handschriftliche Elaborat zufällig beim Aufräumen wieder, und also nehme ich mir ein paar Minuten Zeit und lese, was mein fünfundzwanzigjähriges Ich mir und der Welt mitzuteilen hat.

Ich muß schon sagen – was für ein zorniger junger Mann mir da seine Weisheiten entgegenschleudert! Es scheint ihm durchaus an Lebensmut und Zuversicht zu mangeln, und so läßt er sich denn seitenweise darüber aus, wie schlecht die Welt, wie labil ihre Systeme und wie ungerecht ihre Verteilung sei, wie viel gerechter gar die Zeit nach dem Krieg war, da es immerhin allen gleichermaßen schlecht gegangen sei. Den größten Ehrgeiz entwickelt er indes dabei, auf eine für die breite Bevölkerung recht neuartige Sache namens Internet zu schimpfen. Den Untergang jeder persönlichen Kommunikationskultur, aller sozialen Kompetenzen und des zwischenmenschlichen Empfindens an sich beschwört er in donnernden Worten, die Abstumpfung und Manipulierbarkeit der Massen, die bald, so eine der unterhaltsamsten Formulierungen, als Endverbraucher wie wehrlose Fische im weltweiten Netz zappeln würden, jeden Abstandes, jeder Kritik und jeder Individualität enthoben und auf ein gleichsam kollektives, elitären Interessen dienendes Bewußtsein reduziert.

Ich lasse das Manuskript sinken und sehe mich in meiner Wiener Wohnung um. Auf dem Sofa liegt ein iPad, ein iPhone lädt am Netzteil, ein anderes habe ich in der Hosentasche. Im nächsten Zimmer steht das MacBookPro, 24 Stunden am Tag online und meistens mit geöffneter Facebook-Seite. Nicht mein einziges soziales Netzwerk; ich habe auch Nutzerkonten bei Xing, LinkedIn, InterNations, MySpace, MeinVZ, twitter, foursquare und vermutlich noch ein paar, die ich schon vergessen habe.

Hm. Zappele ich? Habe ich meine Individualität, meine Sozialkompetenz, meine freie Meinungsbildung und meine Kritikfähigkeit verloren? Bin ich zum willenlosen, marketingtechnisch gerasterten Objekt wirtschaftlicher oder gar politischer Manipulation geworden?

Also, ganz ehrlich – ich glaube nicht, daß es so ist! Meine persönliche Entwicklung erfuhr ihre bedeutendsten Einflüsse, ihre gewaltigsten Umwälzungen ganz und gar im physisch-realen Leben. Meine engsten Freundschaften würden problemlos auch ohne soziale Medien funktionieren und werden durch die technischen Kommunikationsmöglichkeiten allenfalls bereichert. Vermutlich ist die Skepsis, die der weltweiten Vernetzung in ihrer Frühphase entgegen gebracht wurde, den soziokulturellen Bedenken nicht unähnlich, mit denen man seinerzeit der Einführung des Telefons begegnete, und mitnichten hat Alexander Graham Bells Neuerung das Briefeschreiben oder gar die persönliche Begegnung verdrängt.

Meiner Erfahrung nach hat das Internet und nunmehr auch das Web 2.0 ganz im Gegenteil menschliche Begegnungen ermöglicht, die zuvor, wenn nicht ausgeschlossen, so doch erheblich schwerer gewesen wären. Einige "Schrauber" zum Beispiel, die mir auf Grundlage eines gemeinsamen Interesses bei meinen Oldtimern mit Rat und Tat zur Seite standen, hätte ich ohne die einschlägigen Internetforen sicher nicht kennengelernt, und gerade die Möglichkeit der virtuellen Vernetzung erregt bei den meisten Menschen irgendwann den Wunsch nach der persönlichen Begegnung. Wir sind eben doch soziale Wesen.

Und so zappele ich heute gern im weltweiten Netz, als lebendiges, höchst individuelles Fischlein, und freue mich, wann immer ich möchte am Gezappel der anderen Fische teilhaben zu können. Die Hemmschwelle der Mitteilsamkeit sinkt fraglos, und Privatsphäre muß wohl neu definiert werden. Aber man ist ja nicht ohne Einfluß darauf, was die Mitwelt oder die Betreiber der einschlägigen Netzwerke über einen erfahren. Hin und wieder ein paar ausgewählte Freunde per foursquare wissen zu lassen, wo man gerade ist, scheint mir kaum geeignet, die abendländische Sozialkultur zu erschüttern.

Fröhliches Zappeln allerseits also, und willkommen in der Gegenwart!

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Kur perëndon dielli


"'Tis better to have loved and lost than never to have loved at all." (Alfred Lord Tennyson)

Wenn die Sonne untergeht und Dunkelheit sich auf das Leben niedersenkt, werden die Menschen traurig, und die Klagen beginnen. Von verwaisten Stränden hört man sie, aus tiefen Tälern, leeren Parks und vereinsamten Betten. Das Licht sei fort, die Wärme verschwunden, so jammern die Menschen, die den Tag erlebt haben.

Ich wandele durch die Düsternis, höre die Rufe und staune. Sonne?, frage ich leise, Ihr habt die Sonne gesehen? So ganz hoch und rund am Himmel? Ihr habt sie für Euch aufgehen sehen, steigen und wachsen, rot glühend zunächst und dann immer gleißender? Bis sie Euch ganz durchwärmt und erleuchtet hat? Ihr kennt den Tag, sein Erwachen, seinen Lauf bis zum Höhepunkt und das langsame, früh erkennbare und doch erst spät eingestandene Sinken? Ihr kennt die glückliche Erfüllung Eurer Hoffnung, es möge eine Sonne kommen, die Erregung, die man erlebt, wenn sie sich dann tatsächlich am Horizont zeigt und Lust, endlich ganz in ihr zu leben, zu lieben und zu schwelgen? Die paradiesische Freude, einen heißen Mittag lang sorgloseste Wonnen zu erleben im sicheren Glauben, sie werden nie enden?

Beneidenswert. Wie berauschend, wie über alle Maßen zum Jubeln muß der Tag sein! Wie wunderbar zu erleben, daß alles wahr wird, was man sich erträumt, und sei es auch nur für eine kurze, glückvolle Weile... Wie unvorstellbar schön ist wohl der erste Kuß des Morgenrots, das Schwellen des Lichts und die glühende Verschmelzung von Tag und Leben im Zenith... 

Ich weiß davon nichts. Um mich ist ewige Nacht. Gewiß, ganz selten erhellt sich auch meine Welt in zartem Morgenrot. Die Sonne schiebt ihren scharfen Rand ein paar Millimeter über den Horizont, aber kaum hat der erste glühende Strahl mein Herz mit Hoffnung erfüllt, zieht sie sich rasch wieder zurück, gerade so als habe man sie bei etwas Undenkbarem ertappt. Und so bleibt es dunkel um mich. Das Sonnenglück - es bleibt mir fremd. Wie gern nähme ich das Sinken in Kauf, dürfte ich nur einmal die wonnevollen Höhen erleben. Aber man gewöhnt sich dran.

Seid also dankbar. Ihr kennt den Tag, und jeder Nacht folgt für Euch ein neuer Sonnenaufgang, ein neues Glück. Ich, in meiner Dunkelheit, glaube an ewiges Licht. Ihr habt eine echte Chance.

Montag, 26. September 2011

Narrentanz

Seht her - der Hofnarr ist da! Wie drollig er sich bewegt, pulsierend am ganzen Leibe. Wie er sich windet und tanzt! Die ulkigsten Verrenkungen führt er vor, nur um zu gefallen. Schaut ihn an - er zerreißt sich geradezu für uns! Daß man sich so verbiegen kann! Da geht ein Lachen durch den Saal, daß es eine Freude ist. Ein wenig lassen wir ihn noch tanzen. 

Mach weiter, Narr! Laß nicht nach! Allzu komisch bist Du anzuschauen, und niemand könnte sagen, was unterhaltsamer ist - Dein Tanz oder das Schwinden Deiner Würde. Aber wer weiß - vielleicht darfst am Ende ein wenig von unserem Tische naschen. Vielleicht daran Platz nehmen für immer. Ausgeschlossen ist es nicht. Streng' Dich halt an!

Nein, so ist es nicht genug! Den Sprung hast Du gestern schon gezeigt! Und dieses Kunststück auch! Gib Dir mehr Mühe, Narr! Tanze! Beschenke uns mit Deinen Possen! Wirst Du Dich wohl bemühen?!

Du brichst Dir was! Nur weil wir Dich treten? Tanz weiter, Du Narr! Wir treten Dich, so oft wir wollen. Bewerfen Dich mit Messern. Weil Du uns gehörst und uns gehören willst. Wenn Du brichst, dann für uns. Für uns bist Du nur, was Du vorführst.

Nun wird's uns fad. Der Tanz stört das Gespräch. Längst locken andere Lustbarkeiten. Seht mal, den Bettler dort! Da, am Ende des Tisches! Er nimmst sich dreist von unseren Speisen, und wir haben es nicht bemerkt. Ohne Tanz, ohne Verdienst und Rücksicht hat er sich einfach bedient. Brav so, guter Mann! Nimm den ganzen Braten! Der Narr, er ist uns lästig.

Nun geh, Narr. Wir haben es uns überlegt. Du bist nun nicht mehr lustig. Hebe Deinen zerbrochenen Leib hinweg von uns und wisch' Dein Blut vom Boden auf. Der Braten ist ohnedies schon gegessen.

Montag, 12. September 2011

Jazzkeller, irgendwo in Wien

Schwarzgeklimper Kratzgitarre Rauchgefidel.
Rote Lampen versprühen schräge Töne
durch Schwaden grasiger Kultur.
Kunst ist das hier, einbrennsam
dem Offenen, klatschend sphärisch
erhobene Reisverschlußträger.

Freitag, 9. September 2011

Heißes Wasser

Ich öffne den Wasserhahn. In der Therme knistert hektisch der Zündfunke, und dann geschieht, was lange nicht ging: Mit einem dumpfen Fauchen entflammt das Gas, und langsam wird das ins Waschbecken sprudelnde Wasser warm. Ich kann mir ein breites Lächeln nicht versagen, als ich dem Installateur danke und ihn verabschiede.

Duschen also! Zwei Wochen, nachdem die Sanierungsarbeiten an den Gasleitungen des Hauses begonnen haben, endlich wieder heiß duschen. Ich ziehe den Vorhang zurück und steige in die Badewanne. Lasse das Wasser fließen, und das leise Fauchen des entflammenden Gases in der Therme bestätigt mir, daß es kein schöner Traum war. Es wird warm.

Ein leichtes Schaudern überläuft mich im ersten Moment, und meine Haut scheint sich zu sträuben, aus Gewohnheit vielleicht, als der erste Wasserguß auf mich niederregnet. Aber sogleich von der Wärme besänftigt, verfließt das Schaudern und weicht einem wohligen Geborgenheitsgefühl... "Duscho moja!" denke ich in einem höchst albernen deutsch-kroatischen Wortspiel und schließe die Augen vor Genuß und Wonne...

Sich ganz durchwärmen zu lassen von der prasselnden Flut, die Haare zu waschen, langsam und schäumend, und auch angesichts schrumpelnder Fingerkuppen noch ein paar Minuten länger zu verweilen, während Schwall um Schwall warmer Wasserstrahlen den Körper streichelt... welch ein Glück! Ja, das hat mir gefehlt. Und ich gleite ab, lasse mich berieseln, und in mir entstehen Bilder, wachsen Ideen... ein Traumland, das sich mir in der Geborgenheit aus Wärme und Plätschern erschließt... und ich weiß, was ich mit dem Tag anfangen werde.

Kalt geduscht hinterher, das muß sein, erfrischt und duftend ans Werk. Es geht mir gut. Daß man das jeden Tag haben kann, ist Luxus. Die Entbehrung hat mir das verdeutlicht. Tatsächlich ist sogar kaltes Wasser Luxus. Ich freue mich daran, bin glücklich über diese kleine, allzu selbstverständliche Alltäglichkeit. "Danke für die Mitteilung!" schrieb eine Freundin in jener gewohnt sarkastischen Art, für die ich sie so mag, auf meine Meldung bei Facebook, daß ich nun wieder heißes Wasser habe. Ich fand, es war eine Nachricht wert.

Dienstag, 16. August 2011

Ein Traum

Mir träumte, ich sei auf einem Fest zugegen. Im Hause eines Schulfreundes. Tatsächlich hatte er dieses Haus nie, aber wie so oft im Traum erkenne ich es unmißverständlich als seines. Es ist ein großes, modernes Haus mit einem Schwimmbecken und umlaufenden Arkaden, in denen Buffets und Theken aufgebaut sind. Es ist Abend, und die ganze Szene wird feierlich erhellt von kleinen Lampen, Fackeln, Lichterketten und der Beleuchtung des Beckens.

Mein Freund ist gerade nicht da, und so betrachte ich mir die anderen Gäste. Es dauert eine Weile, bis ich begreife, was mir schon die ganze Zeit so seltsam vorkommt. Alle Anwesenden sind Ex-Freundinnen von mir, ehemalige Beziehungen, Affären, Romanzen oder speziell privilegierte Freundschaften. Ob viele Jahre oder nur ein paar Stunden - mit jeder der anwesenden Frauen hatte ich mal was. Männliche Begleitungen gibt es auch, aber sie tauchen nicht auf. Stattdessen scheinen alle Damen davon auszugehen, noch mit mir zusammen und folglich in meiner Begleitung auf dem Fest zu sein. Daß ich nicht jeder von ihnen meine volle Aufmerksamkeit widme, strafen sie mit eisigen Blicken, obschon ihnen klar sein müßte, daß ich nicht mit allen zugleich hergekommen sein kann.

Eine kurze Weile blicke ich von einer zur anderen. Ja, sie sind alle da. Manche haben nur meine Lust, wenige zudem mein Herz berührt. Manchen offenbarte ich meine Seele, manchen nur meine Körperlichkeit. Manche haben überrascht, manche enttäuscht. Aber sie sind alle da. Von jeder weiß ich, wie sie unter ihrem Cocktailkleid aussieht, wie sie riecht, wie sie schmeckt, wie sie sich bewegt, was sie erregt und wie sie seufzt.

Und dann merke ich, daß ich nach Dir suche, nur nach Dir, denn Du, ausgerechnet Du bist nicht da. Und so dränge ich mich durch die Schar, laufe treppauf, treppab, schaue in jedes Zimmer und suche nur Dich, nur Dich... Dich zu finden, zu halten, zu küssen und zu lieben, ist das Einzige, was mich interessiert. Aber Du bist nicht da.

Wie auch? Es ist ein Traum. Du aber bist meine Wirklichkeit. So traumhaft Du bist - in einem Traum hast Du nichts verloren. Denn Du bist echt. Und in der Wirklichkeit habe ich Dich gefunden.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Bundeshymne

Derzeit wird die Änderung der österreichischen Bundeshymne diskutiert. Statt der Zeile "Heimat bist du großer Söhne" soll es nunmehr heißen "Heimat großer Töchter, Söhne".
Da neben dieser schrecklichen sexistischen Diskriminierung noch weit mehr Formulierungen einer zeitgemäßen Aktualisierung bedürfen (werden durch die Nennung der Berge doch die Täler und durch die Erwähnung der Dome die Synagogen diskriminiert; ebenso die armen Wiesen und Parkplätze, die hinter den besungenen Äckern zurücktreten, oder die vielen fleißigen Werkzeuge, die im Text sprichwörtlich unter den Hammer kommen!), erlaube ich mir folgenden Vorschlag einer politisch korrekten Version des Textes. Auf Versmaß und Reim wurde zunächst keine Rücksicht genommen; das kann man bestimmt noch bißchen glätten.

Territorial-politische Einheit pluralistischer Landschaftsformationen,
territorial-politische Einheit an einem Abschnitt eines europäischen fließenden Binnengewässers,
territorial-politische Einheit polymorpher Bodenstrukturen
und vielfältiger Baulichkeiten zur Ausübung religiöser Überzeugungen und Rituale,
territorial-politische Einheit jeder Art von Werkzeug und anderer Produktionsmittel
mit tendenziell kalkulierbarer temporaler Perspektive!
Soziokultureller Hintergrund bist Du normüberschreitender Abkömmlinge,
Einwohnerschaft mit überdurchschnittlicher Begabung für ästhetisch als ansprechend Tolerierbares,
international positiv rezipiertes Österreich.

Donnerstag, 7. Juli 2011

Der Zweifelturm

Welch imposantes Konstrukt doch der Zweifelturm ist! Kaum ein berühmteres Bauwerk scheint es auf Erden zu geben, denn jeder, wirklich jeder kennt ihn! Seine Form ist unverkennbar: Auf vier gewaltigen Füßen ruhend, die in einem großflächigen Quadrat angeordnet sind, reckt er sich, immer schmaler werdend, in die Höhe. Drei der Füße stehen auf dem Fundament tiefer Zweifel an den Mitmenschen - dem Zweifel an ihrer Wahrhaftigkeit, ihrer Fähigkeit und ihres Nutzens. Der vierte Fuß ist auf den stärksten Grund gebaut - den Selbstzweifel.

Der Zweifelturm ist eine luftige und doch komplexe Stahlfachwerkonstruktion, ein Meisterwerk unserer gedanklich-emotionalen Ingenieurskunst, rostanfällig durchaus und ohne Wartung eines Tages einsturzgefährdet, aber nichts pflegen wir ja bekanntlich so liebevoll wie unsere Zweifel, und also darf angenommen werden, daß der Turm in alle Ewigkeit steht. Vier riesenhafte, nach innen geneigte und die Gesamtform damit verjüngende Bögen spannen sich zwischen den Füßen und tragen die erste Plattform, auf der stehend man seinen Zweifeln noch ganz nah ist und sozusagen vollständig auf ihnen ruht.

Von dort streben die vier Schenkel weiter nach oben und verbinden sich bald zur zweiten Plattform, die der sich verjüngenden Form des Bauwerks wegen schon viel kleiner und von den grundlegenden Zweifeln weiter entfernt ist. Wer möchte, kann von hier in einen anderen Aufzug umsteigen und bis in die Spitze hinauffahren.

Oberhalb der zweiten Plattform haben sich die vier Schenkel des Zweifelturms zu einer hohen Turmspitze vereinigt, die, sich nur noch gelinde verjüngend, in Richtung Himmel strebt. Wer es wagt, seinen Aufstieg hier fortzusetzen, hat die Chance, sich von seinen Zweifeln sehr weit zu entfernen, dem Himmel ein gutes Stück näher zu kommen und die schweren, drückenden Fundamente und Bögen am Fuß des Turms zu vergessen, ja, ein bißchen frei zu werden.

Natürlich weiß man nach wie vor, auf welchem Bauwerk man sich befindet, und worauf es fußt. Und ohne diese Konstruktion hätte man die luftigen Höhen der Turmspitze nicht erreicht. Niemand vermag, einfach so in einem zweifelsfreien Himmel zu schweben. Aber nicht am Boden zu verharren und stattdessen seine Zweifel zu nutzen, um über sie hinwegzuklettern - das ist das Geheimnis der grandiosen Aussicht, der neuen und weiteren Perspektive auf die Welt, auf das Leben, die man von der obersten Plattform genießt.


Sonntag, 3. Juli 2011

Eine Nachtmar

Es ist Nacht. Ich wache auf vom leisen Murmeln in meinem Kopf. So beginnt es immer. Angst beschleicht mich, denn ich weiß schon, was jetzt kommt – die schlimmste, die grausamste Plage von allen: meine eigenen Gedanken. Nacht für Nacht suchen sie mich heim, bösen Geistern gleich, die zu ewigem Spuk verdammt sind, um mich zu quälen.

Schon zieht sich die düsterste Stimmung über mir zusammen, schon umwogen mich leidvolle, schmerzliche Gedanken wie ein Meer aus schwarzem Gift, aus dem es böse flüstert:
„Du kriegst nicht, was Du Dir ersehnst...“
Und eine kalte Verzweiflung, ein namenloses Leid breitet sich in meiner Brust aus und lähmt meine Glieder.

Ängstlich pocht mein Herz, als wolle es sich freiklopfen von den Übeln, die es kalt umwehen. Die immer gleichen, schrecklichen Bilder erheben sich aus dem Dunkel, die Bilder von ihr und ihm, dem meine Träume erfüllt wurden, dessen Begehren über meine Liebe triumphiert hat, und lauter wird das Flüstern, höhnisch und bedrängend:
„Sie ist nicht Dein... sie war es nie und wird’s nie sein... Er aber hat sie. Er darf sie spüren, teilt ihr Leben... und auf die intimste, wonnevollste Weise darf er sich mit ihr vereinen...“
„Nein!“ wispere ich, „nein, bitte nicht...“
Aber er küßt sie und genießt sie trotzdem, und sie läßt es geschehen. Manchmal lächelt sie mich dabei böse an.

Übelkeit verschnürt meine Kehle... und doch lassen sie mich nicht los, die Gedanken, die Bilder... Sie umschweben mich, sie durchzucken mich, immer heftiger wird ihr erbarmungsloser Wirbel, und wie eine geschickt gelegte Fessel ziehen sie sich enger um mich zusammen, je mehr ich mich gegen sie wehre. Alle Freude, alle Hoffnung und Zuversicht weicht von mir; alles Gute in meinem Leben scheint im giftschwarzen Meer zu versinken, verschluckt von hämischen Wellen, die jetzt mit ihrer geliebten, süßen Stimme säuseln:
„Zuckersternchen... Du warst einfach nicht richtig.“
Es tut so weh, und ich kann nichts dagegen tun. Mein eigener Kopf peinigt mich, herzlos, weil Köpfe nun mal keine Herzen sind, und ohne Schonung.

Irgendwann schlafe ich ein. Nicht aus Ruhe, sondern aus Verzweiflung. Ich flüchte in den Schlaf. Manchmal wache ich nach solchen Nächten auf und frage mich, ob ich auf eine bizarre Art süchtig nach meinem eigenen Leid bin. Alles, was mich quält, ist in mir. Meine Erinnerungen, meine zerstörten Hoffnungen, meine enttäuschten Träume und unerfüllten Sehnsüchte. Sie erwachen jede Nacht, lösen sich aus mir heraus und führen ihren grauenvollen Tanz vor mir auf. Aber sie sind in mir. Ich sollte sie beherrschen, nicht umgekehrt. Vielleicht gelingt es mir ja heute nacht.

Vielleicht.

Donnerstag, 30. Juni 2011

Das Böhnchen II

Ein Böhnchen liegt am Meeresgrund
und fühlt sich dort nicht wohl.
Um sich nur Kälte, Dunkelheit.
Das Leben scheint ihm hohl.

So mag das Böhnchen nicht mehr sein,
und drum, mit letzter Kraft,
erhebt es sich vom nassen Grund
und geht auf Wanderschaft.

Es kriecht sich frei, es schwimmt empor
in helle Wasserhöh'n,
und wie es Licht und Wärme spürt,
wird's Leben wieder schön.

Und endlich wird es angespült
ans trockenwarme Land,
und wie vor langer Zeit schon mal
befindet's sich am Strand.

Doch will es dort nicht bleiben, nein!
Vom Meer und seinem Trug,
seiner Verführung, seinem Schein
hat's Böhnchen längst genug.

So wandert's weiter, tief ins Land,
durch Felder, Wiesen, Wald
und macht erst vor der steilen Wand
der blauen Berge halt.

Jetzt oder nie!, so sagt es sich
und fängt zu klettern an -
ein steiler Weg, von dem's nicht weiß,
ob es ihn schaffen kann.

Und sieh!, es fällt ihm spielend leicht!
Berauscht durch seinen Mut
kommt bald es auf dem Gipfel an
und fühlt sich frei und gut.

Nie hätte es am Meeresgrund
gedacht, daß es das schafft!
Auf seines Lebens Gipfel steht
es nun aus eig'ner Kraft!

Und hinter diesem Berg im Licht
liegt morgenfrisches Land,
ein Paradies, das es durch nichts
als starken Willen fand.

So lohnt es sich zuweilen schon,
vom Boden aufzusteh'n
und gegen alle Zweifel doch
den steilen Weg zu geh'n!

Freitag, 24. Juni 2011

Niemals

"Niemals!" sagte man mir neulich, "Um kein Geld der Welt!" Und damit war das Thema beendet, ein Thema freilich, das mich ohnehin nicht wirklich interessiert hat. Geärgert hat mich die Aussage trotzdem.

Denn es gibt ein paar Schlüsselwörter, die mich von jeher bis aufs Blut reizen und mit denen ich absolut nicht umgehen kann. "Niemals" gehört dazu. Genau wie "Du sollst" oder alles, was mit "dürfen" zu tun hat. Ich ertrage einfach die kategorische Begrenzung von Möglichkeiten nicht, und seien diese auch rein theoretisch. Mögliche Verläufe mit der kalten, starren Axt des unverrückbaren Prinzips abzuhacken und ihnen damit nicht nur als praktisches Geschehen, sondern sogar als gedankliches Konstrukt das Existenzrecht abzusprechen, erscheint mir wie ein grausames Gemetzel an allem, was denkbar ist, an der unendlichen Vielfalt von Möglichkeiten, von Ideen und Phantasien, aus der ja auch die Kunst, die Literatur ihre Inhalte schöpft...

Es ging mir schon als kleines Kind so - nicht ganz einfach für meine Eltern. Ich haßte von jeher Verbote, gleich, welchen Gegenstand sie betrafen. Und zwar nicht, weil ich alles, was mir verboten ward, tun wollte. Keinesfalls! Es leuchtete mir durchaus ein, daß manches besser nicht zu tun sei. Aber ich wollte nichts nicht dürfen. Was ich durfte, habe ich in der Regel ohnehin nicht getan; es hatte seinen Reiz allein darin, es tun zu dürfen. Die Umsetzung war, gemessen an der theoretischen Möglichkeit, fast banal und unwichtig. Aber verboten sein sollte nichts, und nichts sollte von vornherein, kategorisch und "um kein Geld der Welt" ausgeschlossen sein.

Das macht mich bis heute extrem unruhig. Ich empfinde es als äußerst arrogant, etwas derart absolut auszuschließen, maßt man sich damit doch an, all die tausend unberechenbaren Faktoren, alles Unerwartete und alles Überraschende, das dem Leben an sich und jeder einzelnen Situation immer wieder plötzlich eine völlig neue Wendung geben kann, unfehlbar beurteilen zu können und von vornherein als undenkbar, nichtig und wertlos für die Gestaltung des Zukünftigen abzustempeln. Dergleichen erregt meinen instinktiven Widerstand und macht eine praktische Verbotsübertretung viel wahrscheinlicher als die Verwirklichung von etwas an sich Erlaubtem, einfach nur, um der gebannten Möglichkeit auf rebellische Weise doch noch ihr Recht zu geben.

Die Vielfalt der Möglichkeiten, die Pluralität des Denkbaren, so glaube ich, ist es doch letztlich, die das Leben reizvoll und einigermaßen lebenswert macht. Nicht nur, aber auch.

Dienstag, 21. Juni 2011

Das Hohelied der Lücke

(Frei nach 1. Kor 13, 1-7)

Ich rede mit Menschen- und mit Engelszungen, doch ich habe die Liebe nicht, und also bin ich ein tönendes Erz, eine klingende Schelle. Ich rede prophetisch, kenne alle Geheimnisse und habe alle Erkenntnis, und ich habe den Glauben, daß ich Berge versetzen kann, doch ich habe die Liebe nicht, und also bin ich nichts. Und gäbe all meine Habe den Armen und ließe meinen Leib verbrennen, ich habe doch die Liebe nicht, und also ist mir's nichts nütze.

Die Liebe, so steht es geschrieben, sei langmütig und freundlich, die Liebe eifere nicht, die Liebe treibe nicht Mutwillen, sie blähe sich nicht auf, sie verhalte sich nicht ungehörig, sie suche nicht das Ihre, sie lasse sich nicht erbittern, sie rechne das Böse nicht zu, sie freue sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freue sich aber an der Wahrheit; sie vertrage alles, sie glaube alles, sie hoffe alles, sie dulde alles.

Ja. Muß schön sein.

Freitag, 17. Juni 2011

Einziger Sinn

(Ein literarischer Kuß)

Was ist's, das haltend mich noch kettet an dies Leben?
Die Seelen sind's, die mir verwandt. Die mir verbunden, liebend zugetan!
Das Wissen um die Bande, die mich halten - nicht grausam ist's, doch tröstend Sinn mir spendend.
Und nie, geliebte Freundin, möchte ich Deiner mehr entbehren, bist Du doch der rettenden Seelen mir die nächste.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Dichterleben

Bleischwer hingen die Wolken über der Stadt; der Regen war längst überfällig. Ernst-Rüdiger saß am Fenster und zerknüllte ein eng beschriebenes Blatt Papier.
"Potzblitz!" murmelte er, "das Gedichtlein, der Liebsten Herz zu erweichen, will mir nicht recht gelingen!"
Dann stand er auf, öffnete das Fenster und sprang hinaus. Und zusammen mit Ernst-Rüdigers Kopf schlug endlich auch der erste Regentropfen auf dem Pflaster auf.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Zwei Erkenntnisse

oder: Warum man so leicht verlieren kann...

1.
Einem allzu festen Griff
Entwindet sich das Glück,
Löst sich auf, verfliegt im Wind
Und kehrt nie mehr zurück.

2.
Einem allzu schwachen Griff
Entschlüpft alsbald das Glück,
Macht sich frei und fliegt davon,
Kehrt niemals mehr zurück.

Montag, 23. Mai 2011

Geburtstagsgedanken

Da ist er nun, der 23. Mai. Was fällt mir dazu ein...?

Heute vor 62 Jahren wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Ich denke oft an dieses Land, besonders, seit ich nicht mehr dort zu Hause bin, hinausgeschwemmt, verstoßen sogar irgendwie und mit allen Versuchen, mich zu bewähren, gescheitert.

Aber Heimat bleibt es mir doch, das Land, das mich genährt, geprägt und sozialisiert hat, in dem mir geholfen wurde, wenn ich in Not war, und dem ich so beklagenswert wenig zurückzugeben vermochte.

Zugegeben - es ist eine schwierige Heimat. Das Land hat Geld, und doch nie genug. Es ist wohlständig und neigt doch zur Unzufriedenheit. Seine Konfliktkultur ist unterentwickelt, und sein Wille, mit Pioniergeist die anstehenden Probleme anzugehen, ist weit weniger ausgeprägt als seine Bereitschaft, sich über halb leere Gläser zu beschweren. Und wenn dann etwas gut zu laufen beginnt, scheint eine Art ungläubige Panik um sich zu greifen, die blind macht für vieles Gute. Nein, Entwicklungen dankbar anzunehmen und zu nutzen ist nicht die Stärke dieses Landes.

Egal. Es bleibt die Heimat, der ich vieles verdanke, und der für immer mein Herz gehört. Vielleicht läßt sie sich aus der Ferne besser lieben, leichter, unkomplizierter, weil kein gemeinsames Leben mehr tägliche Bewährung erfordert. Aber aufhören werde ich nie.

Samstag, 21. Mai 2011

Ein bißchen Zeit

"Gib mir noch ein bißchen Zeit!" hatte sie ihm geschrieben. Sie hatten sich seit ihrer Trennung an jenem schrecklichen Dienstag nun schon ein paar Wochen nicht mehr gesehen, und auf seinen Vorschlag, sich mal wieder zu treffen, antwortete sie nun: "Gib mir noch ein bißchen Zeit, die brauche ich noch, dann machen wir das!"

Natürlich hatte er sofort zugestimmt. Daß er sie gern wiedergesehen hätte, war Ausdruck seiner Sehnsucht nach ihr, seines unbedingten Wunsches, ihre Beziehung vielleicht doch noch zu retten. Zwei Jahre waren sie zusammen gewesen, zwei schwierig-wundervolle Jahre. Er liebte sie. Allen Hindernissen und Mißverständnissen zum Trotze hätte er es gern noch einmal versucht. Aber sie bat ihn um ein bißchen Zeit.

Was sie von ihm verlangte, so dachte er, war nicht nur eine Schonfrist für verletzte Gefühle, nicht nur eine Phase, in der Fehler verstanden, enttäuschte Hoffnungen verarbeitet und mögliche Wunden geheilt werden sollten, damit man es in Zukunft besser machen könne. Nein. Für sie war es eine Zeit, um den Abstand zu vergrößern und die Trennung so manifest zu machen, daß ein Wiedersehen mit ihm keinerlei Versuchung mehr darstellte. Es war ihre Chance, sich von ihm zu entfernen und ihn als Kapitel in ihrem Leben endgültig abzuhaken. Sie würde ihn erst wiedersehen wollen, wenn sie sicher war, daß er ihr Herz nicht mehr zu berühren vermochte, und daß sie klar und entschieden und dauerhaft über ihn hinweg wäre.

Was sie von ihm verlangte, war nicht mehr und nicht weniger als ihr die Gelegenheit zu geben, seinen innigsten Wunsch für immer unerfüllbar zu machen, jeden Rückfall zu verhindern und ihre Liebe langsam und gründlich sterben zu lassen. Dann, erst dann würde sie ihn wiedersehen.

Er liebte sie. Und also gab er ihr die Zeit, um die sie ihn bat.

Donnerstag, 5. Mai 2011

Ein freier Mensch

Freiheit! Das positivste Wort der Welt. Nun ja, außer Liebe vielleicht. Wer käme darauf, in der Freiheit eine Last zu sehen? Ich bin frei, ein freier Mensch. Frei, selbstbestimmt. Ungebunden. Allein. Ein bißchen einsam. Haltlos schwebend in der Grenzenlosigkeit meiner Möglichkeiten.

Ja, ich kann tun und lassen, was ich will. Ausgehen, "liebe Freundinnen" treffen, trinken, nach Hause kommen, wann und mit wem ich möchte... schauspielern oder echt sein, arbeiten oder in den Urlaub fahren, rote Hosen tragen oder nachts um zwei einen Liter Vanilleeis essen. Ich kann schlafen oder aufstehen, ich kann gehen oder bleiben, ich kann lachen, weinen, reden, schweigen, und niemanden geht's etwas an. Ich bin frei.

Es geht niemanden etwas an. Was immer ich tue oder lasse, ja mein ganzes Leben geht niemanden etwas an. Tja... Was niemanden etwas angeht, daran nimmt irgendwann auch niemand mehr Anteil.

Wie trügerisch der Götterfunke leuchtet. Freiheit. Ein Wort, hinter dem wir allzu gern unsere Bindungsangst verstecken... Ein Klischee, mit dem wir rechtfertigen, uns auf nichts einzulassen, uns nicht durch das enge Nadelöhr der Einschränkung zu quetschen aus Angst vor dem Glück, das dahinter lauern könnte...

Freiheit? Ich pfeife auf die Freiheit, wenn ich in Dir gefangen sein darf.

Samstag, 30. April 2011

Verwundert

"Warum bin ich denn besonders?" fragte das Wunder.
"Weil Du Du bist!" sagte der Mensch.
"Das wußte ich schon immer." sagte der Traum.

Donnerstag, 28. April 2011

Erste Nacht

Blaues Licht drängt durch die verschlungenen Stäbe seines Käfigs und behaucht die Landschaft aus weichen Bergen mit einer eiswarmen Dämmerung, die rote Seide schwarz färbt.
Vom kalten Gipfel stürzen sieben trockene Felsen zerstäubend ins taufeuchte Tal und verfließen entmachtet in der Dunkelheit. 
Alles verschmilzt zu einem Paradies.

Mittwoch, 20. April 2011

Verzicht und Entbehrung

Bis heute geben die 40 Tage vor Ostern, in denen Jesus einst die schrecklichsten Entbehrungen in der Wüste auf sich nahm, um rein und frei zu werden für die große Aufgabe, die vor ihm lag, vielen Menschen einen Anlaß, sich ein wenig einzuschränken. Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten - das sind wohl die gängigsten Annehmlichkeiten, auf die in der Fastenzeit verzichtet wird.

Ich finde das gut, denn freiwilliger Verzicht ist nicht mehr eben populär in unserer Gesellschaft. Kaum jemandem, der vieles nicht hat, wird geglaubt, daß er es auch nicht will, denn Haben ist Sein, und Besitz ist Bedeutung. Und wenn man den Menschen zuhört, vernimmt man zuvörderst ein Weinen und Wehklagen, ein Jammern und Beschweren, ein einziges langes Hadern mit all dem, was man nicht hat. Was uns fehlt, so möchte man meinen, bestimmt unser Selbstverständnis und unser Lebensgefühl viel intensiver als das, was vorhanden ist.

Schade eigentlich. Dabei kann uns die Fastenzeit (und eine auch auf den Rest des Jahres ausgeweitete Verzichtskultur) nicht nur zeigen, wieviel wir eigentlich gar nicht brauchen, sondern auch die Freude und das Bewußtsein dafür zurückgeben, was wir bereits haben und wie gut es uns im Großen und Ganzen noch geht.

Mir fällt Verzicht mittlerweile nicht mehr schwer. Ich habe umständehalber eine Weile lang gar keine andere Wahl gehabt als auf vieles, oft sogar auf das Nötigste zu verzichten, und es hat meinem Selbstverständnis keineswegs geschadet. Und so freue ich mich heute mehr denn je über Kleinigkeiten, eine Kugel Eis, eine iTunes-Karte, eine Taxifahrt... und lebe und genieße intensiver als im einstigen Wohlstand.

(Mein fliederfarbener Rolls-Royce fehlt mir trotzdem, ich gebe es zu. Der war einfach cool. ;-))

Freitag, 15. April 2011

Seelengefängnis

Die Liebe entmöglicht,
zerzweifelt im kalten Gefängnis
stahlscharfer Gedanken...
Wo Glaube fehlt,
Gelassenheit und Langmut
verliert die Seele ihre Flügel,
entsagt glückvollen Lebenshöh'n
und bleibt gefangen
immerdar.

Sonntag, 10. April 2011

Jenseits

Daß es kein Jenseits gibt, sagst Du? Wie traurig für Dich.

Ja, ich habe auch mal daran gezweifelt. Besonders, nachdem gerade in dem Jenseits, das ich zu kennen glaubte, zwei Paradiese auf einmal zerbrachen. Recht geschah mir. Wer wäre so dumm zu glauben, daß er in zwei Paradiesen gleichzeitig leben kann?

Aber heute weiß ich es wieder besser. Es gibt ein Jenseits. Zwei Engel haben es mir gezeigt. Das zerbrochene Paradies wächst neuerlich zusammen. Ewige Bande schmieden sich, und das Machbare scheint auf einmal genau so unendlich wie das Denkbare.

Es gibt ein Jenseits. Ich war dort, und es war begeisternd. Nun hat mich die Erde wieder. Ein Engel winkt mir kurz nach.

Mittwoch, 6. April 2011

20 Jahre U3

An den U3-Stationen sind heute putzige Hostessen vor orange-roten Bannern postiert, die leckere Mürbeteigplätzchen verteilen und mit einem zauberhaften Lächeln die Aufmerksamkeit der Fahrgäste auf die Tatsache lenken, daß die Linie U3 heute ihren 20. Geburtstag feiert.

Wiens schnelles Kellergeschoß ist noch nicht sehr alt. Jünger als ich sogar. Oh Himmel. Doch auch mit moderner Technik bleibt der Bau einer U-Bahn für mich ein Faszinosum. Wie sich gefräßige Maschinen in den kühlen Boden unter der Stadt, aufgeschichtet in Jahrhunderten aus Müll, Schutt, Asche und Erde, graben und tiefe Gänge in den Grund treiben können, der lange grabesstill dalag und seine mittelalterlichen Geheimnisse barg, ist ebenso spannend wie das, was dabei zutage tritt - unter dem Stephansplatz etwa fand man eine vollständig erhaltene Kapelle, um die man die neu entstehende U1/U3-Station respektvoll herumbaute. Durch ein dickes Glasfenster kann man nun also in den Kirchenraum schauen, der jahrhundertelang verschüttet und vergessen war.

Mir persönlich ist die U3 die liebste Linie, weil sie mich fast von meiner Haustür zu meinem Kaffeehaus führt, zum Stephansplatz zudem, zum Rochusmarkt, zur Mahü, zum Westbahnhof und zur Ottakringer Brauerei. Sehr nützlich, all das. Und natürlich wegen der weltweit einzigartigen und legendären Ansage "Tscheensch tu Sitti Ehrport Treen" in der Station Wien Mitte.

Herzlichen Glückwunsch also, U3, und allzeit gute Fahrt!

Dienstag, 5. April 2011

So wie ich es tue

(Eine Reminiszenz an Melissa Etheridge)

Lebt er dafür, Dich zu küssen
Und Dich täglich zu vermissen?
Lebt er, um Dein Glück zu mehren,
Oder nur für sein Begehren?

Lebt er, Sterne Dir zu schenken,
Jeden Tag an Dich zu denken?
Lebt er, Freude Dir zu machen?
Ist sein Glück Dein helles Lachen?

Lebt er, um Dich zu beschützen
Oder um Dich auszunützen?
Lebt er, alles zu vermeiden,
Was Dich weinen macht und leiden?

Lebt er, um Dich ganz zu schätzen?
Würde er Dich je verletzen?
Lebt er, weil sein ganzes Streben
Deinem Glück gilt, Deinem Leben?

Lebt er, um an schweren Tagen
Dich zu trösten und zu tragen?
Lebt er, um für Deine Sorgen
Zuversicht Dir auszuborgen?

Lebt er, auch die unbequemen
Seiten an Dir anzunehmen?
Lebt er, um Dich zu verstehen,
Jeden Weg mit Dir zu gehen?

Lebt er sehnend, ohne Ruhe?
Liebt er Dich, wie ich es tue?

Freitag, 1. April 2011

April, April

Wenn man sich das Treiben der kleinen Persönlichkeiten in großen Ämtern von Politik und Wirtschaft so anschaut, möchte man meinen, unsere Gesellschaft verliere sukzessive alle ihr einstmals zur Grundlage gemachten Werte. Die Hemmschwelle, aus schamlosem Opportunismus heute das eine und morgen das andere zu sagen, sinkt bedenklich, und Verbindlichkeit wird mehr und mehr zu einer Verhaltensnorm für altmodische Trottel, die sich den angeblich täglich wechselnden Erfordernissen nicht rückgratlos anzupassen imstande (oder willens) sind. Je offensichtlicher das System aus Gier und Eitelkeit versagt, desto großmäuliger geriert es sich, und die anmaßend behauptete Unfehlbarkeit seiner Träger nimmt im gleichen Maße zu wie ihre immer schlechter kaschierte menschliche Insuffizienz. Es wird gelogen, verdrängt, verteidigt und zur Not auch diffamiert.

Kurz: Für viele scheint jeder Tag der erste April zu sein, an dem man bedenkenlos alles behaupten und alles versprechen kann, um es dann, als sei es ein lustiger Scherz, ein kleines Versehen oder schlechterdings gar nicht so gemeint gewesen, wieder zurückzunehmen. Immer öfter erlebe auch ich, daß im geschäftlichen Bereich Versprechungen gemacht und Projekte in Aussicht gestellt werden, die von Anfang an unrealistisch waren. Es gilt nicht mehr als schlimm, sich über Vereinbarungen und Regeln hinwegzusetzen, Zahlungsfristen zu überschreiten oder Aufträge zurückzuziehen, nachdem man das Konzept abgegriffen hat.

All das empfinde ich als sehr abstoßend, und ich frage mich, ob solche Dampfplauderer sich in ihrer Substanzlosigkeit und Unverbindlichkeit wirklich wohlfühlen. Verläßlichkeit und Regeln braucht man schließlich nicht nur, damit das System menschlichen Zusammenlebens an sich funktioniert, sondern doch auch für sich selbst und jenen inneren Halt, den man im Opportunismus gewiß nie findet.

In diesem Sinne - fröhlichen 1. April! Ich hoffe, ab morgen steht wieder jeder zu dem, was er sagt.

Mittwoch, 23. März 2011

Frankfurt

Hier wird an den Wolken gekratzt. Hier wird Geschäft gemacht. Hier berauscht man sich an der eigenen Wichtigkeit. Glasriesen überragen hochmütig ihre Fachwerkvorfahren, aber man schafft Atmosphäre. In die gigantische Skulptur aus Türmen und Straßen sind ein paar schicke Bars und Restaurants eingestreut. Ein bißchen Kultur, ein bißchen Lifestyle. Man hat ja "Lebensqualität".

Nadelstreifen sitzen in Straßencafés und bestätigen sich gegenseitig darin, bedeutend zu sein. Sie halten sich immer noch für die lockeren, schwingenden Linien, die sie mit 20 waren, und laufen doch streng parallel.

Man muß ein wenig suchen, um etwas Liebenswertes an Frankfurt zu finden. Es gibt es gleichwohl. Ein paar kleine Gemüsestände, an denen hessische Bauersfrauen ihr Waren und ihre von allem Business Glamour völlig unbeeindruckte Lebensweisheit feilbieten. Ein winziges, halbprofessionelles Theater in einem schäbigen Hinterhof. Ein Antiquariat, das ums Überleben kämpft und doch nicht aufgibt. Und der Dom, der nicht mehr als höchstes Gebäude dasteht, die Blasphemie der umgebenden Hochhäuser jedoch mit erhabener Gelassenheit ignoriert.

Seltsam, wieder hier zu sein. Seltsam, die alten Wege zu gehen. Das vergangene Leben ist hier so stark, daß es das gegenwärtige fast verblassen läßt. Ich habe Termine. Ich trage Nadelstreifen. Der Rausch der Wichtigkeit, dem auch ich mich hier einst hingab, ist immer noch bestechend.

Und doch - nach 24 Stunden fehlt mir Wien bereits.

Mittwoch, 16. März 2011

Lob und Dank

Lob ist in der Regel eine erfreuliche Sache. Von manchen Menschen gelobt zu werden, sollte einem jedoch den nackten, brechreizenden Ekel in die Kehle treiben. Menschen, deren Ansichten und Handlungen frevelhaft und grausam sind, in ihrem Tun so weit zu bestärken, daß sie sich zu höhnischem Dank animiert fühlen, ist widerwärtig und sollte eigentlich tiefe Selbstzweifel und eine radikale Abkehr von allem bewirken, was ein solches "Lob" begründet.

"Man konnte sich auf keine gemeinsame Linie einigen" - das Tagungsergebnis der G8-Außenminister ist skandalös und zynisch. Als stünde die einzige gebotene "Linie" auch nur ansatzweise in Frage - Kampf dem Tyrannen und Rettung eines unterdrückten, unter Lebensgefahr um seine Freiheit ringenden Volkes. Stattdessen erklärt man schwammig, man werde den Druck verstärken und tut - nichts.

Es ist widerwärtig, und ich schäme mich als Mensch und als Deutscher dafür, daß "meine" Bundeskanzlerin in ihrer feigen Wirtschaftshörigkeit dem Despoten in Libyen Anlaß zu Lob und Dank gegeben hat. Ein solches Verhalten ist m.E. Beihilfe zum Völkermord, und wenn kein juristisch belegbares Verbrechen vorliegt, dann doch wenigstens ein moralisches.

Und allmählich frage ich mich, ob der Tatbestand des Artikels 20 Abs. 4 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland nicht längst erfüllt ist.

Samstag, 12. März 2011

Drei kleine Worte

Ich sehne mich so sehr danach,
Dir endlich "Ich Dich auch" zu sagen.
Doch wo der erste Satz nicht fällt,
Kommt auch die Antwort nicht zum tragen.

Freitag, 11. März 2011

Morgen

Das Morgen sorge für sich selbst, sagte neulich jemand. Heute sei es eben so und so, und was morgen sei, wisse man nicht. Das Morgen sorge für sich selbst. Sprach's und schwieg.

Mag sein. Ich bin kein Planer. Wahrlich nicht. Die paar Pläne, die ich überhaupt je hatte, sind grandios gescheitert. Ich mag und akzeptiere die Überraschungen, die das Leben jeden Tag bereithält. Aber das Morgen deshalb ganz und gar für sich selbst sorgen lassen? Nein.

Heute ist es so und so. Ganz recht. Aber schon heute können wir die Wege beschreiten, die wir morgen gehen möchten. Heute können wir uns um das bemühen, was wir uns für morgen ersehnen. Heute ist das Leben nur einen Tag länger als morgen.

Es kommt wie es kommt - gerade als Rheinländer weiß man das. Ja, irgendwie sorgt das Morgen für sich selbst. Aber damit sollte man sich nicht jeden Tag trösten, während das allzu kurze Leben verstreicht.

Wenn wir heute darauf warten, daß sich unsere Sehnsüchte morgen von alleine erfüllen, kommen wir nicht weiter. Und das wäre ja schade. Vielleicht scheitern wir. Vielleicht wird das Morgen nicht so, wie wir es erhoffen. Aber versuchen sollten wir es. Heute schon.

Dienstag, 8. März 2011

Blendwerk

Ein „Top Event“ mal wieder. Irgendwas mit „Elite“ und „hochkarätig“ hatte auf der Einladung gestanden. Unter Aufzählung diverser Vorstandsposten und Ehrenämter wird mir ein Mann als „Herr Mag. Dr. Soundso“ vorgestellt, den ich kurz zuvor dabei beobachtet habe, unsagbar feindselig mit seiner Frau umgegangen zu sein, und ich denke mir nur: Was für ein erbärmliches Arschloch.

Und abermals stelle ich fest, daß mich Titel, Ämter und Karrieren per se nicht beeindrucken. Vermutlich, weil mich immer nur der Mensch als solcher interessiert, dessen Persönlichkeit und Charakter durch Weihen und Würden allein keinerlei Aufwertung erfahren. Gewiß, akademische Grade und Titel indizieren einen spezifischen Bildungsweg und damit eine funktionale Qualifikation für bestimmte Positionen innerhalb des sozialen Systems, und daß diese Art Qualifikation für viele Aufgaben vonnöten ist, bleibt unbestritten.

Aber uns ist offenbar der Sinn dafür abhanden gekommen, die funktionale Pyramide, zu der sich eine Gesellschaft gemäß den Qualifikationen und Aufgaben ihrer Mitglieder zwangsläufig formt, von der menschlichen zu unterscheiden, die sich völlig unabhängig von der sozialen Stellung (und damit nach außen hin sehr viel schwerer erkennbar) aus charakterlicher Integrität und ethischen Werten, sprich: daraus ergibt, ob jemand einfach ein guter Mensch ist. Wer seine menschliche Insuffizienz mit sozialem Status übermalt, verdient kaum Bewunderung.

Der Mann genießt sein Ansehen und die Fragen der Speichellecker um ihn herum. Seine Frau steht steinern lächelnd neben ihm. Er hat einiges beizutragen zum Thema des Tages. Schließlich ist er in der Position dazu. Ich halte ihn immer noch für ein Arschloch.


P.S.: Damit man mich nicht falsch versteht: Ohne Zweifel gibt es auch Menschen, die ihren hervorragenden Charakter und ihre außerordentliche Persönlichkeit bemerkenswerten Karrieren nutzbar machen und innerhalb der funktionalen Pyramide weit aufsteigen, ohne in der menschlichen abzusinken. Ihnen gilt meine ganze Bewunderung. Aber bei ihnen ist das Erlangen von Titeln und Ämtern dann eben keine persönlichkeitsbildende (oder gar
-ersetzende) Maßnahme, sondern allenfalls Folge und Beiwerk ihres Lebensweges und hat somit mehr ästhetische als moralische Bedeutung.

Samstag, 26. Februar 2011

Somnul amorului

Mă uit la tine cum dormi, iubirea mea. Dormi atât de adânc, profund şi liniştit. Un somn binemeritat după atâtea sforţare. Cât te-ai mai străduit, cât de aprig ai luptat! Totul, ai dat totul, dar nimic nu s-a legat. Eşti epuizată, atât de epuizată încât nu mai eşti capabilă de nici-o mişcare. Odihneşte-te.

Mi-e dor de tine, iubirea mea. Atât timp cât dormi nu te pot simţi, nu te pot lăsa să te desfăşori în mine şi nici nu te pot împărtăşi cu altcineva. Atât timp cât dormi, nu poţi fi impulsul mișcărilor mele, nici motiv de speranţă şi nici spor pentru străduinţa eternă. Dar inţeleg că acum trebuie să dormi. Te-ai sfârşit cu totul.

Din când în când, iubirea mea, trece cineva prin vizită căruia aş vrea să te prezint. Dar nu vreau să te deranjez din somnul tău binemeritat. Câţiva dintre vizitarorii noştri au încercat să te trezească sărutându-te gingaş. Ar fi vrut să te cunoască. Dar nu le-a reuşit. Liniştit şi fără să te abaţi, respiri încontinuu. Eşti în viaţă, dar dormi atât de profund, aşa profund...

Aşa că dormi mai departe, iubirea mea. Odihneşte-te şi reînnoieşte-te. Într-o bună zi va veni cineva în vizită, care te va săruta şi care va reuşi să te trezească... cineva de departe de tot. Din orizontul strălucitor al viitorului sau din adâncimile trecutului. Cine stie. Tu te vei trezi şi vei trăi mult mai puternică decât până acum şi nu vei mai obosi nici odată.

Dar până atunci, iubirea mea – dormi...


(And on goes my language collection: Romanian by Irina-Ruxandra Alexandru)

Freitag, 25. Februar 2011

Usnula ljubav

Gledam te dok spavaš, ljubavi moja. Tvoj san je tako čvrst. Tako dubok i spokojan. Neka ti je dopušteno posle svih napora. Kako si se samo trudila, kako ogorčeno borila. Sve, sve od sebe si dala, a ništa ti se nije vratilo. Ti si iscrpljena, tako teško iscrpljena i ne osećaš ništa više. Ispavaj se.

Nedostaješ mi, ljubavi moja. Dok spavaš ja živim bez tebe. Dok spavaš ja ne mogu da te osetim, da se u potpunosti prepustim tvom dejstvu i da te dalje dam. Dok spavaš, ti ne možeš da budes osnova mojih postupaka, razlog za nadu i podsticaj mojih večitih napora. Ali ja razumem da ti sada moraš da spavaš. Ti si se u potpunosti istrošila.

S vremena na vreme dodje po neka poseta koju bih ti rado predstavio, ljubavi moja. Ali ne želim da prekidam tvoj san, zaslužila si ga. Neki od nasih posetilaca su pokusali da te nežnim poljupcima probude. Želeli su da te dožive. Ali nisu uspeli. Tvoj dah je tako ravnomeran i spokojan. Ti živis, ali spavas tako duboko, duboko…

Nastavi da spavaš onda, ljubavi moja. Odmori i obnovi se. Jednoga dana će neko doći ko će moći da te poljupcem probudi. Iz daleka. Sa svetlog horizonta buducnosti ili iz dubina proslošti. Ko zna. Ti ćeš se probuditi i živeti jača nego ikada i nikada se vise nećeš umoriti.

Do tada, ljubavi moja, spavaj…


(While we are at it - Serbian by Jelena Todoric)

Donnerstag, 24. Februar 2011

Love Asleep

I watch you sleeping, my love. You sleep so soundly, so quietly. Granted it shall be to you after all the efforts you have made. How you strived, how desperately you fought! Of everything you gave, nothing ever came back to you. You are exhausted, so deeply exhausted, not capable of the slightest movement. Sleep now.

I am missing you, my love. As long as you’re asleep I have to live without you. As long as you’re asleep I can’t feel you, can’t be immersed in you, and can’t pass you on. As long as you’re asleep you cannot be the foundation for my actions, not the reason for my hopes, and not the spur for my eternal endeavour. But I apprehend that now you must sleep. You did burn yourself out completely.

Every now and then we have visitors that I would like to introduce to you, my love. But I do not want to disturb you in your well-deserved sleep. Some of our visitors have tried to awake you with tender kisses. They would have loved to experience you. But they could not make it. Steady goes your breath, and unperturbed. You are alive but fast asleep...

Sleep on then, my love. Recuperate and revive. One day, someone will come to visit us capable of waking you with a kiss. From far away. From the agleam horizon of the future or the depths of the past. Who knows. You shall awake, stronger then ever shall you live and tire no more.

Until then, my love – sleep...


This is the English version of my very favourite text "Liebesschlaf" for all those who keep asking me if there were any of my works available in English. I hope you'll like it! :-)

Mittwoch, 23. Februar 2011

Liebesschlaf

Ich sehe Dir beim Schlafen zu, meine Liebe. Du schläfst so fest. So tief und ruhig. Es sei Dir gegönnt nach all den Anstrengungen. Wie sehr hast Du Dich bemüht, wie verzweifelt gekämpft! Alles, alles hast Du gegeben, und nichts kam zurück. Du bist erschöpft, so tief erschöpft und zu keiner Regung mehr fähig. Schlaf Dich aus.

Du fehlst mir, meine Liebe. Solange Du schläfst, lebe ich ohne Dich. Solange Du schläfst, kann ich Dich nicht empfinden, nicht ganz und gar wirken lassen in mir und auch nicht weitergeben. Solange Du schläfst, kannst Du nicht Grundlage meines Handelns sein, nicht Anlaß zur Hoffnung und nicht Antrieb zum ewigen Bemühen. Aber ich verstehe, daß Du nun schlafen mußt. Du hast Dich ganz und gar verausgabt.

Hin und wieder kommt Besuch, den ich Dir gern vorstellen würde, meine Liebe. Aber ich möchte Dich nicht stören in Deinem verdienten Schlaf. Ein paar unserer Besucher haben versucht, Dich mit zarten Küssen zu wecken. Sie hätten Dich gern erlebt. Aber es gelang ihnen nicht. Ruhig und unbeirrt geht Dein Atem. Du lebst, aber Du schläfst so tief, so tief...

So schlafe denn weiter, meine Liebe. Erhole und erneuere Dich. Eines Tages wird uns jemand besuchen kommen, der Dich wachzuküssen vermag. Von weit her. Vom leuchtenden Horizont der Zukunft, oder aus den Tiefen der Vergangenheit. Wer weiß. Du wirst erwachen, und stärker denn je wirst Du leben und nie wieder ermüden.

Bis dahin, meine Liebe - schlaf...

Dienstag, 22. Februar 2011

Frischluftberuf

Auf der Straße in der Ferne
unter einer Gaslaterne
steht – zuweilen sogar gerne –
eine wartende Person.

Diese wartet bis die Kunden,
die den Weg zu ihr gefunden,
bald mit ihr im Haus verschwunden
sind für festen Lohn.

Drinnen spielt sie ihre Rolle,
zeigt, was man erwerben solle,
fragt den Kunden, was er wolle,
(meistens weiß sie’s schon!)

Ist das Ob und Wie entschieden,
einigt man sich schnell hienieden,
beide Seiten sind zufrieden,
ziehen froh davon.

Nun? Wer also ist die eine?
Die Person, die ich hier meine?
Wofür steht sie sich die Beine
krumm auf dem Perron?

Klar beschrieb’s der Wortekrakler:
Ohne Zweifel oder Wackler
ist‘s der Immobilienmakler!
Der kriegt Provision.

Donnerstag, 17. Februar 2011

Der Versuch

Sie habe es versucht, sagte sie, und glaubte es sogar selbst. Doch ihr Versuch war nicht echt gewesen. Sie hatte ihm keine Lebenswirklichkeit gegeben. Ein ferner Gedanke in einem fernen Land, den sie verwarf, bevor sie ihn lebte. Eine Theorie, die sie nie zur Praxis werden ließ. Das war alles.

Und so kehrte sie zurück und versuchte nichts mehr. Sie habe es ja versucht, sagte sie und lächelte. Aber wer weiß, was noch passiert?, ergänzte sie. Endgültig sei schließlich nichts. Stand auf und ging. Lächelnd.

Sie meinte es ehrlich. Sie glaubte wirklich, den Gedanken versucht zu haben, wo sie doch nur den Versuch gedacht hatte. Der Unterschied war ihr nicht bewußt. Eines Tages würde sie ihn begreifen. Und wer weiß, was dann noch passieren würde?

Endgültig ist schließlich nichts.

Montag, 14. Februar 2011

Herzenslogik

Manche Menschen haben Widerhaken. Sie graben sich wie ein Parasit ins Herz, verletzen es, saugen es aus und bereiten unerträgliche Schmerzen, und je mehr man sich windet und an ihnen reißt, um sie loszuwerden, desto tiefer fleischen sie sich ein. Und wenn man nach Jahren glaubt, sie endlich, wenn auch unter einigen Qualen, herausgeeitert zu haben, kommen sie erneut an, berühren hier und da die wunden Stellen und verschaffen sich instinktsicher Aufmerksamkeit, gerade bevor sie endgültig in Vergessenheit geraten würden.

Das wäre an sich nicht schlimm. Ein geheiltes und abgehärtetes Herz kann solchen Versuchungen widerstehen. Es kennt die Strategie und die Gefahr des Parasiten und weiß sich also aus leidvoller Erfahrung wirksam zu schützen.

Die Frage ist nur, ob es das auch will.

Denn ein abgehärtetes Herz fühlt und spürt nicht mehr viel. Gewiß, es ist gereift, erfahren, geschützt und immun, und so kann ihm an sich nichts Schlimmes mehr widerfahren. Aber es ist auch leer und gefühllos, und dafür ist es nun mal nicht gemacht. Und so beginnt es tatsächlich, sich heimlich nach dem Parasiten zu sehnen, nach dem Schmerz, nach dem Gefühl leidvoller Erfülltheit und dem täglichen Kampf ums Überleben... Denn so quälend dergleichen ist - es IST zumindest.

Und also bemerkt das harte, sehnende Herz zu seinem fassungslosen Erstaunen, daß es ein kleines bißchen enttäuscht ist, wenn der Parasit, die Abhärtung erkennend, aufhört, sich um neuerliches Eindringen zu bemühen... und es wünscht sich, er würde sich noch ein bißchen mehr Mühe geben, einfach nur, um wieder irgendetwas spüren zu können...

Seltsame Sache, so ein Herz. Von Logik keine Spur. Sehnsüchtig nach dem Gefühl, und sei es auch ein schmerzendes. Vielleicht, so denkt es nicht ganz unberechtigt, bewirkt ja die Abhärtung, daß der Parasit, aufs Neue hereingelassen, nicht mehr böse wehtun, sondern nur noch angenehm kribbeln kann... Aber wissen kann es das nicht.

So bleibt das Herz eben immer Herz. Und das ist - gut so?

Mittwoch, 9. Februar 2011

Der Geist der Freiheit

(Ein Versuch in Schillerschem Pathos)

Erzittert, Tyrannen, und wisset: Der Mensch ist frei, und läge er auch in Ketten. Fürchtet, Ihr Unterdrücker, den Geist der Freiheit, der machtvoll sich erhebt und Euch hinwegwehen wird vom Angesicht der Erde. So rettet denn, wenn Ihr's für wert erachtet, Euer nacktes Leben, und betet, dem gerechten Zorne Eurer Völker zu entgehen. Eure Untaten sind Eure Schande, nicht minder denn die Eurer Freunde, welche, in Euch den eigenen Vorteil schützend, jene Freiheit dreist verrieten, die so wortreich sie beschworen.

Am schwarzen Himmel der Unterdrückung verkündet ein roter Dämmerstreifen eine neue Zeit, und wenn dereinst die goldene Sonne der Freiheit über der ganzen Welt erstrahlt, werdet Ihr ins Dunkel der Vergessenheit sinken.

Freitag, 4. Februar 2011

Das Böhnchen

Ein Böhnchen sitzt am Strand und sieht
aufs weite Meer hinaus.
Wie schön schaut doch der Lichtertanz
dort auf den Wellen aus.

Ein tausendfaches Glitzerspiel,
ein blendend schöner Traum,
so hell, so frei, so leicht und kühn -
das Böhnchen faßt es kaum.

Eins dieser Lichter will es sein
und schweben so wie sie,
getragen werden, sonnenhell,
und sorgenfrei wie nie.

So springt es auf, dem Wasser zu,
ergibt sich ganz dem Meer,
der Sonne und dem Wellenspiel,
als ob's für immer wär'.

Es schwebt im Glück, in Leichtigkeit,
es blinzelt in das Licht,
es schwimmt ganz oben und bemerkt
noch sein Verhängnis nicht.

Denn durch die zarte Bohnenhaut
dringt langsam Wasser ein.
Es saugt sich voll und wird ganz schwer,
fast wie ein Kieselstein.

So sinkt das Böhnchen bald hinab
ins dunkeltiefe Blau,
entschwindet rasch dem Sonnenlicht,
und seiner Glitzerschau...

Und traurig liegt's am Meeresgrund
und fragt sich, was geschah,
und warum ihm sein kleines Glück
so kurz vergönnt nur war.

Es hat den falschen Traum gelebt,
und das war nicht gesund.
Damit ein Böhnchen lebt und wächst,
gehört's auf festen Grund.

Donnerstag, 3. Februar 2011

Selbstfindung

Allzu gern wird die heutzutage so ungemein populäre Suche nach dem Selbst mit der Suche nach einem Stärkegefühl verwechselt. Die für insuffizient gehaltenen, in Wirklichkeit aber so wichtigen Eigenschaften des eigenen Wesens wie etwa Sensibilität, Verletzlichkeit, Angst und Sehnsucht zu verdrängen und mit kühl lächelndem Hochmut oder einem oberflächlichen Leben zu überspielen, mag verlockend sein, führt jedoch gerade nicht zu einer umfassenden Selbsterkenntnis, zur Erkenntnis also all dessen, was man ist und was man hat, sondern zum genauen Gegenteil. Denn indem man sich seinen zentralen Persönlichkeitsmerkmalen verschließt und sie verdrängt und leugnet, weil man Angst vor ihren Folgen und Auswirkungen im täglichen Leben hat, verliert man sich, anstatt sich zu finden.

Das Durchschnittliche gibt der Welt – und auch dem einzelnen Menschen – den Bestand, das ist wohl wahr, und an sich selbst durchschnittliche, massentaugliche Eigenschaften zu kultivieren, auch wenn sie nicht der eigenen Persönlichkeit entsprechen, ist zuweilen leicht und bequem. Selbsterkenntnis und Identität ergeben sich jedoch nicht aus dem, was man sein WILL, denn dann wären sie lediglich SelbstERfindung. Sie ergeben sich aus dem, was man IST, ob es einem paßt oder nicht.

Und auch das reicht noch nicht aus, ein echtes, lebendiges Selbstgefühl zu entwickeln. Denn solange die Eigenschaften des Charakters nur erkannt, nicht aber auch akzeptiert und gelebt werden, bleiben sie eine unbefriedigende Theorie. Das echte, lebendige Selbst ergibt sich erst daraus, wie diese unsere ureigensten Eigenschaften innerhalb anderer, externer Lebensbereiche wirken und funktionieren, denn erst die Beziehungen, auf die wir uns einlassen, und die Zusammenhänge, in die wir uns stellen, geben ihnen (und also uns) eine Form und eine wahrnehmbare Gestalt. Die Eigenschaften, zu denen wir uns bekennen, unsere von uns selbst akzeptierte und ins Leben hinausgetragene Identität ist Außerordentliche an uns, das der Welt und dem Leben Wert gibt.

Sonntag, 30. Januar 2011

Halber Tod

Namenloser Schmerz. Das Leben erstarrt. Alle Hoffnung zerstört, alle Freude vergangen. Und während kalte Übelkeit das Gedärm durchfriert und das Herz zu eisigen Splittern zerspringt, vernebelt dumpfe Sinnlosigkeit den fassungslosen Blick. Düster, kalt, leer. Ein Versinken in wattigem Nichts.

Schwindlig vor Leid fällt die Seele ins Koma. Nichts fühlen, nichts denken. Längst rollen keine Tränen mehr aus den brennenden Augen. Ein halber Tod. Alle Wege sind gegangen, alle Kämpfe gekämpft. Was bleibt, ist Ohnmacht.

So geht es zu Ende.

Freitag, 28. Januar 2011

In der Schwebe (2)

Das Warten ist das Einfachste. Die Leichtigkeit, mit der man sich Entwicklungen hingibt, die man mit der Kraft seiner Liebe und seines Glaubens zärtlich beeinflußt... wie bei einer Seifenblase, die man in die Luft haucht, und die schillernd und schwerelos umherwabert, immer in der Gefahr, an einem Stein zu zerplatzen oder einem allzu scharfen Gedanken... Und also ist es an uns, sie feinfühlig abzufangen, sie hier und da in eine neue Richtung zu pusten und uns an ihrem Flug zu erfreuen, solange er eben dauert.

Sie schwebt, anmutig, leicht und frei, und wenn die Luft mild ist und wir gut aufpassen, schwebt sie hoch hinauf in ungeahnte Dimensionen... Vielleicht wird sie in einer günstigeren Umgebung, irgendwo auf Wolke sieben, wo kein Gedanke je hingelangt, weich aufgefangen, zugelassen, wird fest und echt wie Kristall, so daß sie glänzt bis ans Ende der Welt. Vielleicht platzt sie auch irgendwann. Diese Gefahr ist nie zu bannen. Aber bis dahin ist sie so schön, so beglückend, daß sich das Warten nicht nur lohnt, sondern eine Freude an sich ist.

Seifenblasen sind fragil. Die meisten vergehen. Wenn wir sie aber absichtlich zum Platzen bringen, bevor ihr Flug beendet ist, weil wir denken, es sei ja doch unvermeidlich, nehmen wir uns selbst die Chance auf glückvolle Momente, wie sie auch und gerade in der Schwebe zu erleben sind.

Freitag, 21. Januar 2011

In der Schwebe (1)

Das Warten ist das Schwerste. Die Ohnmacht, mit der man Entwicklungen ausgesetzt ist, die man nicht mehr beeinflussen kann. Wie bei einem Pfeil, der, einmal abgeschossen, sein Ziel trifft, oder eben nicht - nichts bleibt uns als seinen Flug bangend und hoffend zu verfolgen.

Ruhiger Mut, heitere Gelassenheit - sich darein zu finden ist wohl die Kunst in solchen Lebensphasen. Der Pfeil fliegt, ob wir uns nun grämen, zerfleischen, mit dem Fuß aufstampfen oder eben gleichmütig den Ausgang erwarten. Den eigenen Wunsch nicht zum Maß dessen zu erheben, was geschieht, macht frei.

Leicht gesagt. Viel leichter als gelebt. Denn erstens liegt es nicht in unserer Natur, daran zu glauben, daß wir die Dinge nicht mehr beeinflussen können. Unserem kindisch-trotzigen Willen dichten wir noch während des Fluges eine gestaltende Kraft an und hadern weniger mit dem Schicksal als mit unserer vermeintlichen Schwäche, wenn er sich nicht verwirklicht. Und zweitens mag eine Ungewißheit gelassen-heiter zu ertragen sein. Dutzende hingegen überfordern und verdüstern unser Gemüt.

Wir brauchen einen Halt. Wir brauchen berechtigten Anlaß zur Hoffnung. Wir ersehnen kleine Zeichen, die uns Mut machen, die zumindest eine Tendenz andeuten, ein liebes Wort, einen Spalt in der Tür, ein Zwischenlob. Vielleicht sogar brauchen wir beizeiten Zeichen, die unsere Hoffnung dämpfen, damit wir uns auf eine Enttäuschung einstellen und vorbereiten können. Und es ist menschlich und absolut berechtigt, daß wir solche Zeichen wollen. Der ganz und gar orientierungslose Schwebezustand ist es, den wir nicht ertragen.

Vieles ist in der Schwebe. Immerzu. Und im Moment ganz besonders. Berufliches, Privates. 2011 - ein Schwebejahr. Es fällt mir nicht leicht, damit umzugehen, und meine Sehnsucht nach eindeutigeren Zeichen wächst. Aber ich werde nicht mit dem Fuß aufstampfen. Nein, nein. Ich bin ruhigen Mutes. Heiter und gelassen. Ich blicke den vielen Pfeilen nach, die ich nach bestem Können und mit klaren Zielen abgeschossen habe. Und ich glaube daran, daß sie treffen. Bis ihr Flug beendet ist.

Und auf einen blicke ich ganz besonders gespannt.

Mittwoch, 19. Januar 2011

Winter

Ja, es ist Januar. Winterzeit. Und doch wurde mir gerade unendlich viel Wärme gegeben. Als ich schon glaubte, alles sei erfroren - mein Herz, meine Hoffnung, meine Seele, mein Leben - bestrahlte die Sonne einer herbststurmerprobten Liebe meine vereiste Welt und machte das Erstarrte neuerlich sich regen...

Der Winter währt nicht ewig. Was erstorben scheint, gewinnt neues Leben; was erkaltet wirkt, reckt wohlig sich nach Wärme, und wo die Zuversicht fast eingegangen wäre, wird sie neu genährt. Die Kälte wird vergehen, und das Leben erneut sich seine Bahn brechen, bunter vielleicht und unendlicher in seiner Vielfalt denn je zuvor. Jeder Zweig des Lebensbaumes tropft sich vom Eise frei, drängt zartgrüne Triebe durch die nasse Rinde zum gierigen Verzehr von Licht und Luft, und das Tauwasser versickert entmachtet im Boden. Nicht einmal Glaube ist nötig, um daran festzuhalten, sondern lediglich Geduld, denn der Verlauf, so quälend langsam er sich unserer sehnsuchtsvollen Wahrnehmung darstellen mag, ist unaufhaltsam.

Meine liebe beste Freundin, dies ist die dritte Jahreszeit, die ich Dir widme, und ich tue es in tiefer Dankbarkeit dafür, daß Du mein Eis stets zu schmelzen vermagst, bevor es mich ganz einschließt. Ich möchte Dich nicht missen, zu keiner Zeit des Jahres, und jedem, der zu erfrieren droht, wünsche ich einen Sonnenmenschen wie Dich.

Ljubim te.

Samstag, 15. Januar 2011

Grundsätzlichkeiten

Zuweilen trifft man Menschen, die auf, wenn nicht alle, so doch viele Fragen mit "Grundsätzlich ja!" antworten.

Es verwirrt zunächst ein bißchen, weil man eindeutigere Aussagen erwarten oder doch zumindest vorziehen würde. Beim gebrannten Kind setzt also zunächst die Wirkung der negativen Konnotation ein, die diese Antwort hat - "grundsätzlich ja" kann eben auch bedeuten: "Aber hier und jetzt sicher nicht!"

Schließlich jedoch versöhnt man sich mit dem Grundsatz, denn - soviel begreift man gerade noch rechtzeitig - mehr als ein solcher ist er ja nun mal nicht. "Grundsätzlich" bedeutet, daß im Einzelfall durchaus alle wünschenswerten Möglichkeiten gegeben sind. "Grundsätzlich ja" ist immerhin eine positive Entscheidung im Allgemeinen, ein generelles Ja, das im Besonderen nur dann eine Ausnahme erfährt, wenn gewichtige Gründe dies nahelegen.

"Grundsätzlich ja" ist kein "Hier-und-jetzt-Ja". Aber es ist immerhin weit davon entfernt, ein "Nein" zu sein. Damit kann ich vorderhand sehr gut leben.

Donnerstag, 13. Januar 2011

Schicksal

Warum es Probleme gibt? Weil es echt ist.
Nur die Illusion funktioniert reibungslos. Wer sie wählt, hat - für eine Weile - keine Probleme. Außer der heimlichen Sehnsucht nach dem Echten.
Das Schicksal fällt nicht meteoritengleich vom Himmel. Es bietet sich an und will durch die Überwindung von Schwierigkeiten verdient werden.
Darin allein liegt Kühnheit, und wer sie wagt, gewinnt alles. Für immer.

Dienstag, 11. Januar 2011

Alles auf Anfang

Nur wenige Lebensläufe weisen einen schnurgeraden, schnörkellosen Verlauf ohne Rückschläge, Zweifel, Niederlagen, Abwege und Sackgassen auf. Und mal ehrlich - diese Lebensläufe sind auch denkbar langweilig. Das Leben ist nun mal nicht bis ins Kleinste berechenbar. Wir vertrauen einem Menschen, und er enttäuscht uns. Wir bitten um Geduld und werden verlassen. Wir beginnen zu lieben und werden verletzt. Wir hoffen auf einen Erfolg, und er bleibt aus. Und zuweilen treffen uns Schläge, die uns zu Boden schmettern und fast zerstören. Sie treffen uns an unseren empfindlichsten Stellen, an Stellen vielleicht, die gerade erst wieder verheilt sind, und reißen klaffende Wunden genau dahin, wo wir sie am schmerzhaftesten spüren. Fassungslos, starr vor Entsetzen und gelähmt vor Schmerz stürzen wir ins Nichts. So ist das Leben zuweilen.

Aber das ist in Ordnung. Man kann jederzeit mit allem neu beginnen. Man kann sich Menschen, die einem wehgetan haben, fürderhin vom Leib halten; man kann nach einem Mißerfolg ein paarmal durchatmen und dann anfangen, sich der nächsten Aufgabe zu stellen, vielleicht eine oder zwei Stufen tiefer, aber man kann neu beginnen. Für eine Herausforderung, an der man scheitert, war man eben noch nicht reif genug, und ein Mensch, der einen wissentlich verletzt, war unsere Freundschaft, unsere Liebe niemals wert.

Niemals aufgeben. Zurück ins Rennen. Ein Mantra, das sich zugegebenermaßen leichter aussprechen als umsetzen läßt, aber doch eine unverzichtbare Voraussetzung des Überlebens. Dazu gehört wohl auch, sich nicht vom unabänderlichen Vergangenen lähmen zu lassen, so sehr uns die Niederlage auch schmerzt. Was war, interessiert nicht die Bohne. Überwinden, vergessen, zur Not auch verdrängen, aber keinesfalls sollte Geschehenes mehr Macht über unser Handeln, unseren Mut und unsere Offenheit, kurz: unser Leben haben als das, was an wunderbaren Möglichkeiten noch vor uns liegt.

Dieses Jahr fordert mich heraus, und ich habe meine erste herbe Enttäuschung bereits hinter mir. Aber ich mache weiter. Ich versuche es wieder und wieder.

Alles auf Anfang.

Mittwoch, 5. Januar 2011

Neue Wege

In einem stillen,
tiefen Bach er-
säuft' ich
meine Liebe.
Versuchte es
zumindest.
Doch schwamm sie
obenauf, anstatt
gurgelnd hinab
zu sinken,
ward munter gar vom
tiefen Bach er-
faßt und neuen
Ufern zugespült.
Wohin genau,
das weiß ich nicht.
Ich folge ihr
und warte.