Montag, 14. Februar 2011

Herzenslogik

Manche Menschen haben Widerhaken. Sie graben sich wie ein Parasit ins Herz, verletzen es, saugen es aus und bereiten unerträgliche Schmerzen, und je mehr man sich windet und an ihnen reißt, um sie loszuwerden, desto tiefer fleischen sie sich ein. Und wenn man nach Jahren glaubt, sie endlich, wenn auch unter einigen Qualen, herausgeeitert zu haben, kommen sie erneut an, berühren hier und da die wunden Stellen und verschaffen sich instinktsicher Aufmerksamkeit, gerade bevor sie endgültig in Vergessenheit geraten würden.

Das wäre an sich nicht schlimm. Ein geheiltes und abgehärtetes Herz kann solchen Versuchungen widerstehen. Es kennt die Strategie und die Gefahr des Parasiten und weiß sich also aus leidvoller Erfahrung wirksam zu schützen.

Die Frage ist nur, ob es das auch will.

Denn ein abgehärtetes Herz fühlt und spürt nicht mehr viel. Gewiß, es ist gereift, erfahren, geschützt und immun, und so kann ihm an sich nichts Schlimmes mehr widerfahren. Aber es ist auch leer und gefühllos, und dafür ist es nun mal nicht gemacht. Und so beginnt es tatsächlich, sich heimlich nach dem Parasiten zu sehnen, nach dem Schmerz, nach dem Gefühl leidvoller Erfülltheit und dem täglichen Kampf ums Überleben... Denn so quälend dergleichen ist - es IST zumindest.

Und also bemerkt das harte, sehnende Herz zu seinem fassungslosen Erstaunen, daß es ein kleines bißchen enttäuscht ist, wenn der Parasit, die Abhärtung erkennend, aufhört, sich um neuerliches Eindringen zu bemühen... und es wünscht sich, er würde sich noch ein bißchen mehr Mühe geben, einfach nur, um wieder irgendetwas spüren zu können...

Seltsame Sache, so ein Herz. Von Logik keine Spur. Sehnsüchtig nach dem Gefühl, und sei es auch ein schmerzendes. Vielleicht, so denkt es nicht ganz unberechtigt, bewirkt ja die Abhärtung, daß der Parasit, aufs Neue hereingelassen, nicht mehr böse wehtun, sondern nur noch angenehm kribbeln kann... Aber wissen kann es das nicht.

So bleibt das Herz eben immer Herz. Und das ist - gut so?

Kommentare :

  1. Das Schwierigste am Leben ist es, Herz und Kopf dazu zu bringen, zusammenzuarbeiten. In meinem Fall verkehren sie noch nicht mal auf freundschaftlicher Basis.
    ─ Woody Allen

    :*

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  2. Und doch: ohne die dunklen Tage könnten die hellen nicht auffallen!

    Wenn der Schmerz nicht wäre, wäre auch die Freude nicht!

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  3. es stimmt, dass ohne kontrast nichts erkennbar ist. aber, muß man es selbst erleben oder ist es denkbar, dass es nur noch helle und hellere tage gibt (paradies)?
    es reicht einmal schmerz, um zu erfahren, dann genügt die erinnerung daran, um zu wissen, dass es sich um helle tage handelt, oder?

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