Mittwoch, 23. März 2011

Frankfurt

Hier wird an den Wolken gekratzt. Hier wird Geschäft gemacht. Hier berauscht man sich an der eigenen Wichtigkeit. Glasriesen überragen hochmütig ihre Fachwerkvorfahren, aber man schafft Atmosphäre. In die gigantische Skulptur aus Türmen und Straßen sind ein paar schicke Bars und Restaurants eingestreut. Ein bißchen Kultur, ein bißchen Lifestyle. Man hat ja "Lebensqualität".

Nadelstreifen sitzen in Straßencafés und bestätigen sich gegenseitig darin, bedeutend zu sein. Sie halten sich immer noch für die lockeren, schwingenden Linien, die sie mit 20 waren, und laufen doch streng parallel.

Man muß ein wenig suchen, um etwas Liebenswertes an Frankfurt zu finden. Es gibt es gleichwohl. Ein paar kleine Gemüsestände, an denen hessische Bauersfrauen ihr Waren und ihre von allem Business Glamour völlig unbeeindruckte Lebensweisheit feilbieten. Ein winziges, halbprofessionelles Theater in einem schäbigen Hinterhof. Ein Antiquariat, das ums Überleben kämpft und doch nicht aufgibt. Und der Dom, der nicht mehr als höchstes Gebäude dasteht, die Blasphemie der umgebenden Hochhäuser jedoch mit erhabener Gelassenheit ignoriert.

Seltsam, wieder hier zu sein. Seltsam, die alten Wege zu gehen. Das vergangene Leben ist hier so stark, daß es das gegenwärtige fast verblassen läßt. Ich habe Termine. Ich trage Nadelstreifen. Der Rausch der Wichtigkeit, dem auch ich mich hier einst hingab, ist immer noch bestechend.

Und doch - nach 24 Stunden fehlt mir Wien bereits.

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