Sonntag, 16. Oktober 2016

Diese dämlichste aller Fragen an den unglücklich Liebenden: "Und wie geht's dir?"

Wie es mir geht?
Kaum etwas ließe sich darauf ehrlich antworten, das nicht gleich in eine der Kategorien "Unter-Druck-setzen", "Ein-schlechtes-Gewissen-machen" oder einfach "Jammern" rutschen würde. Ich sage also: Fabelhaft. Ich sage Dir nicht, wie es mir geht. Denn um mich geht's grad nicht.

Wie es mir geht?
Ein namenloses Entsetzen hält mein Herz in eisigen Klauen. Kalter Ekel würgt immer wieder, nächtelang, die schrecklichsten Gewissheiten empor und wühlt in meiner Kehle. Eine Flut unerträglicher Bilder tost in meinem Kopf, und kein mühsam errichteter Damm tröstlicher Gedanken, festgeklopft von wohlmeinenden Freunden, hält ihr Stand. Mit ist schwindlig vor Schmerz und Lust, und mein verzweifeltes, hoffnungsloses Begehren, die Wut, der Neid, die bittere Enttäuschung zerfrißt mich langsam und mit gnadenloser Endgültigkeit.

Wie es mir geht?
Nicht toll. Aber beherrschbar. So wie ich immer all meine Gefühle beherrscht, meine Probleme bewältigt und meine Bedürfnisse den Deinen untergeordnet habe. Gut, das nach jahrelanger Übung endlich zu können. Denn Dir geht's ja gut. Das ist das Wichtigste.

Wie es mir geht?
Danke, gut.

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