Freitag, 25. November 2016

Fürchten, hoffen, glauben - wie fühlt man sich mit einem PräsidentenTrump?

Es kommt mir vor wie eine (wenn nicht DIE) Geißel der Menschheit - das Ego von Machtmenschen. Irgendwie erscheint es als Zeichen der Zeit, daß Dinge nur noch getan, Karrieren nur noch gemacht und Positionen nur noch angestrebt werden, um eben dieses Ego zu befriedigen, nicht aber um der Zwecke und Ziele willen, die eigentlich mit einer Stellung, einem Amt oder einer Position verknüpft sein sollten. Und so wird man auch bei Donald Trump das Gefühl nicht los, es sei ihm bei seiner Kandidatur eher darum gegangen, etwas zu beweisen als darum, etwas zu bewirken, ja als wolle er ganz vorrangig sich selbst und dann vielleicht auch Amerika "great" machen.

Lustigerweise unterstellt man solchen Machtmenschen immer ein besonders großes Ego; die Rollen, die sie anstreben, so nimmt man gern an, müssen groß genug sein, damit das gewaltige Ego Platz hat. Ich erlaube mir hingegen eine ganz andere Vermutung: Ein Ego, ein Ich also, eine Persönlichkeit, die so gierig nach äußerer Größe sucht, ist doch in ihrem Urzustand, ihrer eigentlichen Wesensart wohl eher klein. Wer Ansehen und Bestätigung in einem solchen Übermaß braucht, mit dessen natürlicher Selbstachtung kann es aller zur Schau gestellten Arroganz und Überheblichkeit zum Trotze nicht weit her sein.

Was, so frage ich mich oft, bleibt von einem Menschen übrig, wenn man ihm alles nimmt, was ihn äußerlich definiert? Wer nicht der Versuchung erliegt, sich irgendwann mit seinem Werk zu verwechseln, wer allen Ansehens, allen Besitzes und aller gesellschaftlichen Bedeutung entkleidet immer noch durch und durch er selbst ist, sich anzunehmen und in Würde zufrieden zu bleiben vermag, DER hat ein großes Ego. Herrn Trump traue ich das nicht zu. Und eben das macht mir Sorgen. Zwar darf wohl den meisten Führungspersönlichkeiten unterstellt werden, daß es ihnen stets ein bißchen mehr um sich selbst als um die Sache geht; bei Trump jedoch erscheint diese Diskrepanz so gewaltig, daß sich die Frage nach seiner psychischen Zuverlässigkeit stellt. Bislang verbietet sich wohl ein unmittelbarer Vergleich mit Putin oder Erdogan, aber die geistige Disposition erscheint durchaus ähnlich.

Und so sind denn die Gefühle einem Präsidenten Trump gegenüber gemischt; hoffend geklammert an den Glauben an die amerikanische Demokratie und ihre Kontroll- und Regulationsmechanismen, bange gleichwohl der Wankelmütigkeit der Menschen und auch politischer Systeme gegenüber. Für den Moment bleibt kaum anderes als abzuwarten, zu beobachten, zu warnen und wachsam zu bleiben. Über den Großen Teich hinweg, und auch und ganz besonders in unserem eigenen Land.

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