Freitag, 14. Juli 2017

Liebe Polen - auf die Straße mit Euch!

Während wir uns im nachgipfeligen Deutschland noch in Glaubenskriegen darüber bekämpfen, ob Hamburg nun von linken Protestlern, falsch beflaggten Rechten oder unpolitischen Krawalltouristen zerlegt wurde, schafft unser Nachbarland und EU-Partner Polen mal eben die Rechtsstaatlichkeit ab. Gewaltenteilung? Das war einmal. Das Gespenst des Autoritarismus geht um in Europa, und jeder, der an die Demokratie, die Freiheit und die unbedingte Würde des Menschen glaubt, ist aufgefordert, seine Stimme gegen diese katastrophale Entwicklung zu erheben.

Liebe Polen, es ist diese Freiheit, diese Demokratie, die Ihr Euch vor 28 Jahren tapfer erkämpft habt, für die Ihr auf der Straße wart und Leib und Leben riskiert habt! Gebt sie jetzt nicht stillschweigend auf, nur weil man Euch einredet, Ihr wäret die Verlierer der Nachwendezeit, oder weil ihr vielleicht glaubt, Nationalismus und Unfreiheit seien wirksame Mittel gegen die russische Bedrohung! Ganz im Gegenteil - Putin ist nichts lieber als die Destabilisierung demokratischer Staaten und der sukzessive Verfall europäischer Werte.

Verlieren werdet Ihr also nur, wenn jetzt nichts geschieht! Und zwar so richtig. Kein autoritärer oder gar totalitärer Staat in der Menschheitsgeschichte hat jemals etwas Gutes gebracht, das Leben verschönert oder die Welt verbessert! Wie kann man nach den fatalen und fatalsten Erfahrungen gerade dieses Kontinents noch empfänglich sein für großmäuliges Nationalgepolter, Feindseligkeit, Ausgrenzung, Unterdrückung, Unfreiheit und Haß? Es bleibt unbegreiflich.

Liebe Polen - auf die Straße mit Euch! Alle Demokraten unseres wundervollen gemeinsamen Kontinents stehen hinter Euch!
Liebe Bundesregierung - wirf den diplomatischen Motor an! Fahre die ganze Macht europäischer Einigkeit auf! Eine solche Entwicklung darf nicht unwidersprochen bleiben und muß für die polnische Regierungspartei empfindliche Konsequenzen haben!
Liebe Alle - helft mit, die Freiheit zu erhalten! Verteidigt sie, lebt sie, verbessert sie! Tragt die Demokratie in Euren Herzen, tragt sie in den Alltag und erhebt sie zur Identität!

Noch ist Polen nicht verloren. Aber es braucht gerade dringender denn je den Geist von 1989.

Kommentare :

  1. Christian Baudissin14. Juli 2017 um 12:08

    Liebe Polen! Ja, wir brauchen Euch, und wir brauchen Euch frei und manchmal widerborstig, wie Ihr es auch sein könnt. Ich habe meinen Zamoyski gelesen und weiß um den Stellenwert eines großen, selbstbewussten Polens für Europa. Wem habt Ihr nicht alles die Stirn geboten, zu Hause und wenn ihr vertrieben wart, dann woanders?
    Etwa als polnische Exil-Piloten in RAF-Uniform deutsche Bomber von britischen Himmel holten und England gerettet haben ... und somit zum Untergang des Feindes der Freiheit erheblich beitrugen. Später habt Ihr den anderen Besatzer demoralisiert und vorgeführt ... 1989 und so weiter. Lasst Euch doch bitte nicht jetzt von national-populistischen Politkern einfangen, die das abbauen wollen, worauf Polen neben seinen Komponisten, Schriftstellern, Literaten, Kirchenführern und anderen Helden am meisten Stolz sein können – die Freiheit.
    Und liebe (restlichen) Europäer - auch wir sind gefragt, die Polen jetzt nicht allein zu lassen.

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