Mittwoch, 5. Oktober 2011

Kur perëndon dielli


"'Tis better to have loved and lost than never to have loved at all." (Alfred Lord Tennyson)

Wenn die Sonne untergeht und Dunkelheit sich auf das Leben niedersenkt, werden die Menschen traurig, und die Klagen beginnen. Von verwaisten Stränden hört man sie, aus tiefen Tälern, leeren Parks und vereinsamten Betten. Das Licht sei fort, die Wärme verschwunden, so jammern die Menschen, die den Tag erlebt haben.

Ich wandele durch die Düsternis, höre die Rufe und staune. Sonne?, frage ich leise, Ihr habt die Sonne gesehen? So ganz hoch und rund am Himmel? Ihr habt sie für Euch aufgehen sehen, steigen und wachsen, rot glühend zunächst und dann immer gleißender? Bis sie Euch ganz durchwärmt und erleuchtet hat? Ihr kennt den Tag, sein Erwachen, seinen Lauf bis zum Höhepunkt und das langsame, früh erkennbare und doch erst spät eingestandene Sinken? Ihr kennt die glückliche Erfüllung Eurer Hoffnung, es möge eine Sonne kommen, die Erregung, die man erlebt, wenn sie sich dann tatsächlich am Horizont zeigt und Lust, endlich ganz in ihr zu leben, zu lieben und zu schwelgen? Die paradiesische Freude, einen heißen Mittag lang sorgloseste Wonnen zu erleben im sicheren Glauben, sie werden nie enden?

Beneidenswert. Wie berauschend, wie über alle Maßen zum Jubeln muß der Tag sein! Wie wunderbar zu erleben, daß alles wahr wird, was man sich erträumt, und sei es auch nur für eine kurze, glückvolle Weile... Wie unvorstellbar schön ist wohl der erste Kuß des Morgenrots, das Schwellen des Lichts und die glühende Verschmelzung von Tag und Leben im Zenith... 

Ich weiß davon nichts. Um mich ist ewige Nacht. Gewiß, ganz selten erhellt sich auch meine Welt in zartem Morgenrot. Die Sonne schiebt ihren scharfen Rand ein paar Millimeter über den Horizont, aber kaum hat der erste glühende Strahl mein Herz mit Hoffnung erfüllt, zieht sie sich rasch wieder zurück, gerade so als habe man sie bei etwas Undenkbarem ertappt. Und so bleibt es dunkel um mich. Das Sonnenglück - es bleibt mir fremd. Wie gern nähme ich das Sinken in Kauf, dürfte ich nur einmal die wonnevollen Höhen erleben. Aber man gewöhnt sich dran.

Seid also dankbar. Ihr kennt den Tag, und jeder Nacht folgt für Euch ein neuer Sonnenaufgang, ein neues Glück. Ich, in meiner Dunkelheit, glaube an ewiges Licht. Ihr habt eine echte Chance.

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