Montag, 24. Juli 2017

Dieser Tag

Meiner Frau zum Zweiten Hochzeitstage auf eine Kaffeehausserviette gedichtet

Schon ganze vierundvierzig mal
war dieser Tag verstrichen,
bevor ich hier im Marmorsaal
stand, Dich zu ehelichen!

Schon vierundvierzig mal verging
der Tag wie alle andern,
und nichts verhieß mir Deinen Ring
durch's Leben mit zu wandern!

Doch seit zum fünfunvierzigsten
Mal jener Tag sich jährte,
besitzt er Glanz und Festlichkeit,
die seither ewig währte!

Nun ist er unser und wird stets
zu freudigem Gedenken
uns Anlaß sein, denn darum geht's:
Was wir uns täglich schenken.

Freitag, 14. Juli 2017

Liebe Polen - auf die Straße mit Euch!

Während wir uns im nachgipfeligen Deutschland noch in Glaubenskriegen darüber bekämpfen, ob Hamburg nun von linken Protestlern, falsch beflaggten Rechten oder unpolitischen Krawalltouristen zerlegt wurde, schafft unser Nachbarland und EU-Partner Polen mal eben die Rechtsstaatlichkeit ab. Gewaltenteilung? Das war einmal. Das Gespenst des Autoritarismus geht um in Europa, und jeder, der an die Demokratie, die Freiheit und die unbedingte Würde des Menschen glaubt, ist aufgefordert, seine Stimme gegen diese katastrophale Entwicklung zu erheben.

Liebe Polen, es ist diese Freiheit, diese Demokratie, die Ihr Euch vor 28 Jahren tapfer erkämpft habt, für die Ihr auf der Straße wart und Leib und Leben riskiert habt! Gebt sie jetzt nicht stillschweigend auf, nur weil man Euch einredet, Ihr wäret die Verlierer der Nachwendezeit, oder weil ihr vielleicht glaubt, Nationalismus und Unfreiheit seien wirksame Mittel gegen die russische Bedrohung! Ganz im Gegenteil - Putin ist nichts lieber als die Destabilisierung demokratischer Staaten und der sukzessive Verfall europäischer Werte.

Verlieren werdet Ihr also nur, wenn jetzt nichts geschieht! Und zwar so richtig. Kein autoritärer oder gar totalitärer Staat in der Menschheitsgeschichte hat jemals etwas Gutes gebracht, das Leben verschönert oder die Welt verbessert! Wie kann man nach den fatalen und fatalsten Erfahrungen gerade dieses Kontinents noch empfänglich sein für großmäuliges Nationalgepolter, Feindseligkeit, Ausgrenzung, Unterdrückung, Unfreiheit und Haß? Es bleibt unbegreiflich.

Liebe Polen - auf die Straße mit Euch! Alle Demokraten unseres wundervollen gemeinsamen Kontinents stehen hinter Euch!
Liebe Bundesregierung - wirf den diplomatischen Motor an! Fahre die ganze Macht europäischer Einigkeit auf! Eine solche Entwicklung darf nicht unwidersprochen bleiben und muß für die polnische Regierungspartei empfindliche Konsequenzen haben!
Liebe Alle - helft mit, die Freiheit zu erhalten! Verteidigt sie, lebt sie, verbessert sie! Tragt die Demokratie in Euren Herzen, tragt sie in den Alltag und erhebt sie zur Identität!

Noch ist Polen nicht verloren. Aber es braucht gerade dringender denn je den Geist von 1989.

Donnerstag, 13. Juli 2017

Plädoyer für das Leiken

Immer schon hat die sich deutsche Sprache fremdländische Worte zueigen gemacht - und eingedeutscht. Büste, Paket und Vase stammen etwa aus dem Französischen, Schachmatt ist persisch, Zucker ist arabisch - aber all diese Lehnwörter werden ihrer Aussprache und Schreibweise nach ohne weiteres als deutsche Vokabeln wahrgenommen.

Bei den zahllosen englischen Wörtern, den sogenannten Anglizismen, die unsere Sprache durchsetzen, findet diese Eindeutschung so gut wie nie statt - obwohl das angesichts der engen Verwandtschaft beider Sprachen naheliegend wäre. Dennoch gibt es da eine merkwürdige Scheu, und so schreibt man diese Begriffe eben auch im deutschen Kontext so, wie sie auf Englisch geschrieben werden. Schlimm wird das jedoch bei den Flexionsformen, die von oft abenteuerlicher Häßlichkeit sind.

Beispiel: der "Gefällt mir"-Klick bei Facebook, das "Like". Liket man nun oder liked (Vergangenheit!) man? Noch grausiger: Man hat etwas geliked. Dabei eignet sich besonders dieses Wort seinem Klang nach so sehr für eine verdeutschte Schreibweise: Leiken! Leiken, leikte, geleikt. Ist doch toll! Als wäre es nie anders gewesen! Bei checken funktioniert es doch auch - kein Mensch sagt, er habe eingechecked.

Also, hier steht es nun - mein Plädoyer (französisch) für das Leiken (englisch). Überlegt's Euch! ;-)