Der Wal bewegt die Gemüter. Und ich finde es großartig, wie viele Menschen sich für das Leben dieses Tieres einsetzen und gegen die halbherzigen Rettungsbemühungen der Politik aufbegehren. Falls hier ein abgekartetes Spiel stattfände, wäre das in der Tat empörend.
Zugleich frage ich mich, ob denn all diese Sofaaktivisten nach wie vor ihren Aufschnitt, ihr Schweineschnitzel oder ihre Bratwurst genießen können. Denn wenn man wirklich ein mitfühlendes Herz für das Leiden der Tiere hat, dann geht das nicht.
Schweine, hochintelligente, außerordentlich soziale und extrem empfindungsfähige Tiere, werden in Deutschland täglich zu Zehntausenden geschlachtet. Über 44 Millionen im Jahr. Stress, Todesangst, Schreie und Blut, entsetzliches Leid, oft schon in der Haltung. Kühen, nicht ganz so schlau wie Schweine, aber ebenso gesellig und lebenswillig, ergeht es nicht anders. 1,4 Millionen von ihnen sterben jährlich im Schlachthaus.
Diese Tiere wollen auch leben. Sie wollen spielen und beieinander sein. Gutes Futter haben und genug Platz. Und doch erleben sie einen täglichen Holocaust*. Und kaum jemanden kümmert es; dagegen setzen sich nur wenige ein und werden als Spinner belächelt oder linksgrün-versifft beschimpft.
Wie gesagt - ich finde es gut, daß der Wal Mitgefühl erfährt. Aber kümmern wir uns doch zugleich bitte da ums Tierleid, wo es jeden Tag hunderttausendfach geschieht. Und worauf wir mit unserem Kauf- und Konsumverhalten durchaus Einfluß haben. Alles andere hat einen Geschmack von Doppelmoral.
*Ich weiß, das Wort provoziert, und nichts liegt mir ferner als eine Relativierung der entsetzlichen Verbrechen des Nationalsozialismus! Mir geht es darum, daß wir uns klar machen, wie bewußt sich auch Tiere der Todesgewißheit sind, wie viel Angst und Panik sie erleben und wie tief sie zu leiden imstande sind.