Donnerstag, 24. Juli 2025

Die andere Art von Weisheit

Ein radikaler Perspektivwechsel tut zuweilen ganz gut. Sicher Geglaubtes anzuzweifeln, Phrasen zu hinterfragen und alte Gewohnheiten auf ihren tatsächlichen Wert hin zu überprüfen - all das kann uns zeigen, wo wir es uns allzu bequem gemacht haben, wo die Routine unsere Entwicklung blockiert und Selbstgefälligkeit Wachstum behindert.

Nehmen wir etwa den Pumuckl, der ja bekanntlich in München wohnt und ein wahrer Meister des Perspektivwechsels ist. Als rein lust- und impulsgetriebenes Wesen ist ihm Routine fremd; nichts bleibt gültig, und was ihn heute fasziniert, ist morgen vergessen, weil etwas ganz Neues seine Aufmerksamkeit fesselt. Darin liegt, allen kindlichen Verhaltensweisen zum Trotze, eine tiefe, reife Weisheit - daß nämlich ohnedies nichts Bestand hat und die Wichtigkeit, die wir unseren Überzeugungen und Erkenntnissen, unserem festgefahrenen Weltbild zumessen, allzu vergänglich ist und unendlich viele andere Möglichkeiten ausblendet. Und anders als Kindern ist dem Pumuckl das völlig klar.

"Was soll denn der Kuckuck mit einem Tisch?" fragt er etwa, als der Meister Eder ein nicht gelingendes Werkstück ebendort hinwünscht, und hebt einen simplen Fluch damit auf eine fast philosophische Ebene, zugleich entlarvend, wie unsinnig die Formulierung ist, die wir ohne nachzudenken einfach verwenden.

Hier entsteht eine ganz andere Art von Weisheit als sie unsere ebenso selbstgefällige wie fragwürdige Erfahrung und Expertise uns je ermöglicht. Eine Weisheit, die kein Gestern und kein Morgen kennt, sondern nur den Moment, der immer wieder Neues bietet, Horizonte eröffnet und ungeahnte Entdeckungen verspricht.

Ja, der Pumuckl macht's vor - es sind die radikalen Perspektivwechsel, die ewige Neugier, die das Leben reizvoll machen und tumbe Routine verhindern. Und das tut zuweilen ganz gut.