Dienstag, 6. Januar 2026

Drei Könige

Drei weise Männer entdecken einen neuen Stern am Himmel und machen sich auf den Weg nach Bethlehem, um dem neugeborenen Erlöser der Welt zu huldigen - das ist die Geschichte der Heiligen drei Könige. 

Mich haben gerade diese Figuren der Weihnachtsgeschichte, die das Matthäus-Evangelium weder als Könige bezeichnet noch als drei an der Zahl spezifiziert, immer fasziniert. Die jahrhundertelange Hinformung der Legende zu Repräsentanten der damals bekannten Kontinente trägt einen viel höheren, bereichernderen Sinn in sich als der buchstäbliche Glaube daran, daß im goldenen Schrein im Kölner Dom die Knochen weiser Männer liegen, die einst vor der Krippe standen: 

Die ganze Welt trifft sich, in ihnen verkörpert, am Ausgangspunkt der Erlösung. 

Man muß nicht einmal religiös sein, um zu erkennen, wie zeitlos gültig dieses Bild gerade heute ist: Erlösung - wenigstens im Sinne der Problemlösung - findet diese Welt nur, wenn sie auf dem Boden einer nicht in Frage zu stellenden Grundüberzeugung zusammenkommt, die gemeinsamen Ziele erkennt und sie mit vereinten Kräften angeht. 

Der Imperialismus, die Gier und Machtsucht unserer Tage sind das Gegenteil davon. Mindere Charaktere setzen sich in den Kopf, ihre Reiche groß zu machen, und glauben, das mit Gewalt, Zerstörung und Erpressung erreichen zu können. Blöcke bilden sich, Feindschaft erwächst aus widersprüchlichen Interessen und Ansprüchen, Kriege suchen die Entscheidung, und niemand außer den Mächtigen gewinnt. 

Wie schön wäre es hingegen, wenn die heutigen drei Könige in Washington, Moskau und Bejing zusammenfänden und den Ausgangspunkt für eine Erlösung der Welt von ihren Übeln und Geißeln setzten! Wenn sie ihre Macht dem Wohlergehen der ganzen Menschheit widmeten und ein Paradies auf Erden schüfen, für das nicht notwendigerweise die religiöse Figur, aber doch die zentrale Liebesbotschaft Jesu die gemeinsame Grundlage bildet! Man würde sie vielleicht sogar Heilige nennen können. 

Aber das ist kaum zu erwarten. Laßt uns also selber Könige sein! Laßt uns in unserem Alltag und Umfeld Grenzen überwinden, Trennendes hintanstellen und uns auf Gemeinsamkeiten besinnen! Jeder anständige Mensch, ganz gleich welchen Glaubens, welchen Kulturkreises, welcher Herkunft und Hautfarbe, möchte Frieden und Liebe, und auf dieser Grundlage, die Jesus uns beibringt und sich in ihm verkörpert, läßt sich Erlösung auf Erden schaffen. 

P.S.: Ich habe mich gleichwohl entschieden, die Geschichte der Heiligen drei Könige inklusive ihrer physischen Präsenz im Kölner Dom zu glauben, einfach weil sie so schön ist und mich die Bilder meines Glaubens ästhetisch und moralisch befriedigen! Wenn etwas besonders schön ist, darf es auch wahr sein; ich jedenfalls empfinde nicht den geringsten Widerspruch zwischen kritisch-historischer Plausibilitätsbetrachtung und buchstabengetreuer Annahme des Überlieferten.