Dienstag, 10. März 2026

Die Verekelung des Geistes

Veredeln solle sich der Geist, so das humanistische Ideal vergangener Epochen, die heute weiter weg erscheinen denn je. Denn von Veredelung der menschlichen Rasse mag man angesichts der zunehmenden Verrohung im Alltag der Politik gar nicht mehr sprechen. 

Stattdessen schlägt die Stunde der Autokraten und Oligarchen, und ihr Aufstieg wirkt fast so erschütternd wie die tumben Massen, die ihn bejubeln und deren Geschichtsvergessenheit nur von ihrem maliziösen Zynismus übertroffen wird. Das "Meisterwerk", als das Shakespeare den Menschen einst pries? Blanker Hohn. Die Aufklärung als Austritt aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit? Passé.

Verekelung trifft es wohl eher. Die niedersten Instinkte brechen sich gegen alles Mitgefühl, alle zivilisatorischen Errungenschaften Bahn; das Gemeine und Laute, das nur den Kampf kennt, die Durchsetzung der eigenen und Unterdrückung anderer Interessen, wird zum Maßstab des Erfolgs und der Anerkennung. Ob es plumpe Angeber sind, die dümmlich mit Luxus protzen, oder Tyrannen, die andere Länder überfallen - der (un)geistige Keim ist exakt derselbe - das erhitzte Zelebrieren der Durchsetzungsfähigkeit des Stärkeren gegen das vermeintlich Schwächere. Und sie sogenannten sozialen Medien befeuern diese Entwicklung mit algorithmischen Begünstigungen. Alles unterwirft sich der Gier, der Geltungssucht und der Grobheit.

Gewiß, es ist einfacher, im Rudel aufzugehen und mitzugrölen, zu jagen und zu hetzen, was man nicht versteht und daher nicht dulden kann. Gut zu sein, Empathie zu zeigen und Demut zu üben, zu teilen, zu verstehen, zu lieben - all das ist ungleich schwerer als der primitive Haß, die dumpfe Mißgunst, die gerade grauenvolle Blüten treibt. Deshalb hat man Jesus ja auch gekreuzigt: Eine Botschaft der Liebe - das ertragen wir Menschen offenbar nicht. Und also landen wir doch auf der Seite des Bösen, des ewigen machiavellistischen Kampfes und des Eigennutzes. Mein Großvater hätte gesagt: in den Fängen des Teufels.

Wir wissen aber, daß das niemals, niemals zu etwas Gutem führt. Daß niemand dabei gewinnen kann - nicht mal die Führer und Herrscher. Daß Spaltung und Haß jedesmal Zerstörung, Leid, Grauen und Verlust mit sich bringen. Und vor allem wissen wir, daß nicht alle Menschen so sind. Daß die Guten und Anständigen gottlob bei weitem mehr sind.

Wie wär's - lassen wir den faschistischen Unfug dieses Mal doch einfach! Verbreiten wir Liebe, Verständnis und Mitgefühl. Lösen wir Interessenkonflikte mit Kommunikation und Kompromissen. Und wehren wir uns gegen die, die den Frieden brechen. Veredeln wir mal wieder unseren social-media-bedröhnten Geist. Und machen wir die Welt zum Paradies.