Donnerstag, 15. Juli 2010

Ein Augenblick

(Meiner besten Freundin)

Du sitzt mir gegenüber. Während sich die Dämmerung auf den Garten niedersenkt und der heiße Sommertag langsam einer kühlen Stille weicht, schaust Du mit konzentriertem Blick auf den Bildschirm Deines Rechners und arbeitest. Ab und zu nimmst Du mit steifen Fingern einen Zug von Deiner Zigarette und ziehst dabei leicht die Augenbrauen zusammen, ohne den Blick abzuwenden. Ich sehe Dich an, und Du bist schön.

Wenn man Dich in Zeitschriften oder im Fernsehen sieht, bist Du stets makellos, perfekt zurechtgemacht, sexy, jugendlich und unangreifbar. Eine Ikone, eine Kunstfigur mit massenhafter Anziehungskraft. Aber erst jetzt, in der scheinbaren Unvollkommenheit dieses Augenblicks, da Du ohne Schminke und ein bißchen übermüdet vor mir sitzt, offenbart sich mir die unendliche Schönheit Deiner Seele.

Ich möchte Dir ganz nah sein und Dich zum Teil meines Lebens machen.
Ich möchte alles wissen, was Du weißt, alles fühlen, was Du fühlst.
Ich möchte Dich halten, so fest es geht, bis wir miteinander verwachsen für alle Zeit.

Du bist schön. Das bleiche Licht des Bildschirms macht Deine Züge hart und verrät das Schwinden der Jugend... Und doch warst Du mir nie schöner als in diesem Moment, da wir einander so nah sind im Schöpfergeiste, daß sich unsere Seelen küssen...

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