"Warum bin ich denn besonders?" fragte das Wunder.
"Weil Du Du bist!" sagte der Mensch.
"Das wußte ich schon immer." sagte der Traum.
Samstag, 30. April 2011
Donnerstag, 28. April 2011
Erste Nacht
Blaues Licht drängt durch die verschlungenen Stäbe seines Käfigs und behaucht die Landschaft aus weichen Bergen mit einer eiswarmen Dämmerung, die rote Seide schwarz färbt.
Vom kalten Gipfel stürzen sieben trockene Felsen zerstäubend ins taufeuchte Tal und verfließen entmachtet in der Dunkelheit.
Alles verschmilzt zu einem Paradies.
Vom kalten Gipfel stürzen sieben trockene Felsen zerstäubend ins taufeuchte Tal und verfließen entmachtet in der Dunkelheit.
Alles verschmilzt zu einem Paradies.
Mittwoch, 20. April 2011
Verzicht und Entbehrung
Bis heute geben die 40 Tage vor Ostern, in denen Jesus einst die schrecklichsten Entbehrungen in der Wüste auf sich nahm, um rein und frei zu werden für die große Aufgabe, die vor ihm lag, vielen Menschen einen Anlaß, sich ein wenig einzuschränken. Alkohol, Zigaretten, Süßigkeiten - das sind wohl die gängigsten Annehmlichkeiten, auf die in der Fastenzeit verzichtet wird.
Ich finde das gut, denn freiwilliger Verzicht ist nicht mehr eben populär in unserer Gesellschaft. Kaum jemandem, der vieles nicht hat, wird geglaubt, daß er es auch nicht will, denn Haben ist Sein, und Besitz ist Bedeutung. Und wenn man den Menschen zuhört, vernimmt man zuvörderst ein Weinen und Wehklagen, ein Jammern und Beschweren, ein einziges langes Hadern mit all dem, was man nicht hat. Was uns fehlt, so möchte man meinen, bestimmt unser Selbstverständnis und unser Lebensgefühl viel intensiver als das, was vorhanden ist.
Schade eigentlich. Dabei kann uns die Fastenzeit (und eine auch auf den Rest des Jahres ausgeweitete Verzichtskultur) nicht nur zeigen, wieviel wir eigentlich gar nicht brauchen, sondern auch die Freude und das Bewußtsein dafür zurückgeben, was wir bereits haben und wie gut es uns im Großen und Ganzen noch geht.
Mir fällt Verzicht mittlerweile nicht mehr schwer. Ich habe umständehalber eine Weile lang gar keine andere Wahl gehabt als auf vieles, oft sogar auf das Nötigste zu verzichten, und es hat meinem Selbstverständnis keineswegs geschadet. Und so freue ich mich heute mehr denn je über Kleinigkeiten, eine Kugel Eis, eine iTunes-Karte, eine Taxifahrt... und lebe und genieße intensiver als im einstigen Wohlstand.
(Mein fliederfarbener Rolls-Royce fehlt mir trotzdem, ich gebe es zu. Der war einfach cool. ;-))
Freitag, 15. April 2011
Seelengefängnis
Die Liebe entmöglicht,
zerzweifelt im kalten Gefängnisstahlscharfer Gedanken...
Wo Glaube fehlt,
Gelassenheit und Langmut
verliert die Seele ihre Flügel,
entsagt glückvollen Lebenshöh'n
und bleibt gefangen
immerdar.
und bleibt gefangen
immerdar.
Sonntag, 10. April 2011
Jenseits
Daß es kein Jenseits gibt, sagst Du? Wie traurig für Dich.
Ja, ich habe auch mal daran gezweifelt. Besonders, nachdem gerade in dem Jenseits, das ich zu kennen glaubte, zwei Paradiese auf einmal zerbrachen. Recht geschah mir. Wer wäre so dumm zu glauben, daß er in zwei Paradiesen gleichzeitig leben kann?
Aber heute weiß ich es wieder besser. Es gibt ein Jenseits. Zwei Engel haben es mir gezeigt. Das zerbrochene Paradies wächst neuerlich zusammen. Ewige Bande schmieden sich, und das Machbare scheint auf einmal genau so unendlich wie das Denkbare.
Es gibt ein Jenseits. Ich war dort, und es war begeisternd. Nun hat mich die Erde wieder. Ein Engel winkt mir kurz nach.
Ja, ich habe auch mal daran gezweifelt. Besonders, nachdem gerade in dem Jenseits, das ich zu kennen glaubte, zwei Paradiese auf einmal zerbrachen. Recht geschah mir. Wer wäre so dumm zu glauben, daß er in zwei Paradiesen gleichzeitig leben kann?
Aber heute weiß ich es wieder besser. Es gibt ein Jenseits. Zwei Engel haben es mir gezeigt. Das zerbrochene Paradies wächst neuerlich zusammen. Ewige Bande schmieden sich, und das Machbare scheint auf einmal genau so unendlich wie das Denkbare.
Es gibt ein Jenseits. Ich war dort, und es war begeisternd. Nun hat mich die Erde wieder. Ein Engel winkt mir kurz nach.
Mittwoch, 6. April 2011
20 Jahre U3
An den U3-Stationen sind heute putzige Hostessen vor orange-roten Bannern postiert, die leckere Mürbeteigplätzchen verteilen und mit einem zauberhaften Lächeln die Aufmerksamkeit der Fahrgäste auf die Tatsache lenken, daß die Linie U3 heute ihren 20. Geburtstag feiert.
Wiens schnelles Kellergeschoß ist noch nicht sehr alt. Jünger als ich sogar. Oh Himmel. Doch auch mit moderner Technik bleibt der Bau einer U-Bahn für mich ein Faszinosum. Wie sich gefräßige Maschinen in den kühlen Boden unter der Stadt, aufgeschichtet in Jahrhunderten aus Müll, Schutt, Asche und Erde, graben und tiefe Gänge in den Grund treiben können, der lange grabesstill dalag und seine mittelalterlichen Geheimnisse barg, ist ebenso spannend wie das, was dabei zutage tritt - unter dem Stephansplatz etwa fand man eine vollständig erhaltene Kapelle, um die man die neu entstehende U1/U3-Station respektvoll herumbaute. Durch ein dickes Glasfenster kann man nun also in den Kirchenraum schauen, der jahrhundertelang verschüttet und vergessen war.
Mir persönlich ist die U3 die liebste Linie, weil sie mich fast von meiner Haustür zu meinem Kaffeehaus führt, zum Stephansplatz zudem, zum Rochusmarkt, zur Mahü, zum Westbahnhof und zur Ottakringer Brauerei. Sehr nützlich, all das. Und natürlich wegen der weltweit einzigartigen und legendären Ansage "Tscheensch tu Sitti Ehrport Treen" in der Station Wien Mitte.
Herzlichen Glückwunsch also, U3, und allzeit gute Fahrt!
Dienstag, 5. April 2011
So wie ich es tue
(Eine Reminiszenz an Melissa Etheridge)
Lebt er dafür, Dich zu küssen
Und Dich täglich zu vermissen?
Lebt er, um Dein Glück zu mehren,
Oder nur für sein Begehren?
Lebt er, Sterne Dir zu schenken,
Jeden Tag an Dich zu denken?
Lebt er, Freude Dir zu machen?
Ist sein Glück Dein helles Lachen?
Lebt er, um Dich zu beschützen
Oder um Dich auszunützen?
Lebt er, alles zu vermeiden,
Was Dich weinen macht und leiden?
Lebt er, um Dich ganz zu schätzen?
Würde er Dich je verletzen?
Lebt er, weil sein ganzes Streben
Deinem Glück gilt, Deinem Leben?
Lebt er, um an schweren Tagen
Dich zu trösten und zu tragen?
Lebt er, um für Deine Sorgen
Zuversicht Dir auszuborgen?
Lebt er, auch die unbequemen
Seiten an Dir anzunehmen?
Lebt er, um Dich zu verstehen,
Jeden Weg mit Dir zu gehen?
Lebt er sehnend, ohne Ruhe?
Liebt er Dich, wie ich es tue?
Freitag, 1. April 2011
April, April
Wenn man sich das Treiben der kleinen Persönlichkeiten in großen Ämtern von Politik und Wirtschaft so anschaut, möchte man meinen, unsere Gesellschaft verliere sukzessive alle ihr einstmals zur Grundlage gemachten Werte. Die Hemmschwelle, aus schamlosem Opportunismus heute das eine und morgen das andere zu sagen, sinkt bedenklich, und Verbindlichkeit wird mehr und mehr zu einer Verhaltensnorm für altmodische Trottel, die sich den angeblich täglich wechselnden Erfordernissen nicht rückgratlos anzupassen imstande (oder willens) sind. Je offensichtlicher das System aus Gier und Eitelkeit versagt, desto großmäuliger geriert es sich, und die anmaßend behauptete Unfehlbarkeit seiner Träger nimmt im gleichen Maße zu wie ihre immer schlechter kaschierte menschliche Insuffizienz. Es wird gelogen, verdrängt, verteidigt und zur Not auch diffamiert.
Kurz: Für viele scheint jeder Tag der erste April zu sein, an dem man bedenkenlos alles behaupten und alles versprechen kann, um es dann, als sei es ein lustiger Scherz, ein kleines Versehen oder schlechterdings gar nicht so gemeint gewesen, wieder zurückzunehmen. Immer öfter erlebe auch ich, daß im geschäftlichen Bereich Versprechungen gemacht und Projekte in Aussicht gestellt werden, die von Anfang an unrealistisch waren. Es gilt nicht mehr als schlimm, sich über Vereinbarungen und Regeln hinwegzusetzen, Zahlungsfristen zu überschreiten oder Aufträge zurückzuziehen, nachdem man das Konzept abgegriffen hat.
All das empfinde ich als sehr abstoßend, und ich frage mich, ob solche Dampfplauderer sich in ihrer Substanzlosigkeit und Unverbindlichkeit wirklich wohlfühlen. Verläßlichkeit und Regeln braucht man schließlich nicht nur, damit das System menschlichen Zusammenlebens an sich funktioniert, sondern doch auch für sich selbst und jenen inneren Halt, den man im Opportunismus gewiß nie findet.
In diesem Sinne - fröhlichen 1. April! Ich hoffe, ab morgen steht wieder jeder zu dem, was er sagt.
Mittwoch, 23. März 2011
Frankfurt
Hier wird an den Wolken gekratzt. Hier wird Geschäft gemacht. Hier berauscht man sich an der eigenen Wichtigkeit. Glasriesen überragen hochmütig ihre Fachwerkvorfahren, aber man schafft Atmosphäre. In die gigantische Skulptur aus Türmen und Straßen sind ein paar schicke Bars und Restaurants eingestreut. Ein bißchen Kultur, ein bißchen Lifestyle. Man hat ja "Lebensqualität".
Nadelstreifen sitzen in Straßencafés und bestätigen sich gegenseitig darin, bedeutend zu sein. Sie halten sich immer noch für die lockeren, schwingenden Linien, die sie mit 20 waren, und laufen doch streng parallel.
Man muß ein wenig suchen, um etwas Liebenswertes an Frankfurt zu finden. Es gibt es gleichwohl. Ein paar kleine Gemüsestände, an denen hessische Bauersfrauen ihr Waren und ihre von allem Business Glamour völlig unbeeindruckte Lebensweisheit feilbieten. Ein winziges, halbprofessionelles Theater in einem schäbigen Hinterhof. Ein Antiquariat, das ums Überleben kämpft und doch nicht aufgibt. Und der Dom, der nicht mehr als höchstes Gebäude dasteht, die Blasphemie der umgebenden Hochhäuser jedoch mit erhabener Gelassenheit ignoriert.
Seltsam, wieder hier zu sein. Seltsam, die alten Wege zu gehen. Das vergangene Leben ist hier so stark, daß es das gegenwärtige fast verblassen läßt. Ich habe Termine. Ich trage Nadelstreifen. Der Rausch der Wichtigkeit, dem auch ich mich hier einst hingab, ist immer noch bestechend.
Und doch - nach 24 Stunden fehlt mir Wien bereits.
Mittwoch, 16. März 2011
Lob und Dank
Lob ist in der Regel eine erfreuliche Sache. Von manchen Menschen gelobt zu werden, sollte einem jedoch den nackten, brechreizenden Ekel in die Kehle treiben. Menschen, deren Ansichten und Handlungen frevelhaft und grausam sind, in ihrem Tun so weit zu bestärken, daß sie sich zu höhnischem Dank animiert fühlen, ist widerwärtig und sollte eigentlich tiefe Selbstzweifel und eine radikale Abkehr von allem bewirken, was ein solches "Lob" begründet.
"Man konnte sich auf keine gemeinsame Linie einigen" - das Tagungsergebnis der G8-Außenminister ist skandalös und zynisch. Als stünde die einzige gebotene "Linie" auch nur ansatzweise in Frage - Kampf dem Tyrannen und Rettung eines unterdrückten, unter Lebensgefahr um seine Freiheit ringenden Volkes. Stattdessen erklärt man schwammig, man werde den Druck verstärken und tut - nichts.
Es ist widerwärtig, und ich schäme mich als Mensch und als Deutscher dafür, daß "meine" Bundeskanzlerin in ihrer feigen Wirtschaftshörigkeit dem Despoten in Libyen Anlaß zu Lob und Dank gegeben hat. Ein solches Verhalten ist m.E. Beihilfe zum Völkermord, und wenn kein juristisch belegbares Verbrechen vorliegt, dann doch wenigstens ein moralisches.
Und allmählich frage ich mich, ob der Tatbestand des Artikels 20 Abs. 4 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland nicht längst erfüllt ist.
Samstag, 12. März 2011
Drei kleine Worte
Ich sehne mich so sehr danach,
Dir endlich "Ich Dich auch" zu sagen.
Doch wo der erste Satz nicht fällt,
Kommt auch die Antwort nicht zum tragen.
Dir endlich "Ich Dich auch" zu sagen.
Doch wo der erste Satz nicht fällt,
Kommt auch die Antwort nicht zum tragen.
Freitag, 11. März 2011
Morgen
Das Morgen sorge für sich selbst, sagte neulich jemand. Heute sei es eben so und so, und was morgen sei, wisse man nicht. Das Morgen sorge für sich selbst. Sprach's und schwieg.
Mag sein. Ich bin kein Planer. Wahrlich nicht. Die paar Pläne, die ich überhaupt je hatte, sind grandios gescheitert. Ich mag und akzeptiere die Überraschungen, die das Leben jeden Tag bereithält. Aber das Morgen deshalb ganz und gar für sich selbst sorgen lassen? Nein.
Heute ist es so und so. Ganz recht. Aber schon heute können wir die Wege beschreiten, die wir morgen gehen möchten. Heute können wir uns um das bemühen, was wir uns für morgen ersehnen. Heute ist das Leben nur einen Tag länger als morgen.
Es kommt wie es kommt - gerade als Rheinländer weiß man das. Ja, irgendwie sorgt das Morgen für sich selbst. Aber damit sollte man sich nicht jeden Tag trösten, während das allzu kurze Leben verstreicht.
Wenn wir heute darauf warten, daß sich unsere Sehnsüchte morgen von alleine erfüllen, kommen wir nicht weiter. Und das wäre ja schade. Vielleicht scheitern wir. Vielleicht wird das Morgen nicht so, wie wir es erhoffen. Aber versuchen sollten wir es. Heute schon.
Dienstag, 8. März 2011
Blendwerk
Ein „Top Event“ mal wieder. Irgendwas mit „Elite“ und „hochkarätig“ hatte auf der Einladung gestanden. Unter Aufzählung diverser Vorstandsposten und Ehrenämter wird mir ein Mann als „Herr Mag. Dr. Soundso“ vorgestellt, den ich kurz zuvor dabei beobachtet habe, unsagbar feindselig mit seiner Frau umgegangen zu sein, und ich denke mir nur: Was für ein erbärmliches Arschloch.
Und abermals stelle ich fest, daß mich Titel, Ämter und Karrieren per se nicht beeindrucken. Vermutlich, weil mich immer nur der Mensch als solcher interessiert, dessen Persönlichkeit und Charakter durch Weihen und Würden allein keinerlei Aufwertung erfahren. Gewiß, akademische Grade und Titel indizieren einen spezifischen Bildungsweg und damit eine funktionale Qualifikation für bestimmte Positionen innerhalb des sozialen Systems, und daß diese Art Qualifikation für viele Aufgaben vonnöten ist, bleibt unbestritten.
Aber uns ist offenbar der Sinn dafür abhanden gekommen, die funktionale Pyramide, zu der sich eine Gesellschaft gemäß den Qualifikationen und Aufgaben ihrer Mitglieder zwangsläufig formt, von der menschlichen zu unterscheiden, die sich völlig unabhängig von der sozialen Stellung (und damit nach außen hin sehr viel schwerer erkennbar) aus charakterlicher Integrität und ethischen Werten, sprich: daraus ergibt, ob jemand einfach ein guter Mensch ist. Wer seine menschliche Insuffizienz mit sozialem Status übermalt, verdient kaum Bewunderung.
Der Mann genießt sein Ansehen und die Fragen der Speichellecker um ihn herum. Seine Frau steht steinern lächelnd neben ihm. Er hat einiges beizutragen zum Thema des Tages. Schließlich ist er in der Position dazu. Ich halte ihn immer noch für ein Arschloch.
P.S.: Damit man mich nicht falsch versteht: Ohne Zweifel gibt es auch Menschen, die ihren hervorragenden Charakter und ihre außerordentliche Persönlichkeit bemerkenswerten Karrieren nutzbar machen und innerhalb der funktionalen Pyramide weit aufsteigen, ohne in der menschlichen abzusinken. Ihnen gilt meine ganze Bewunderung. Aber bei ihnen ist das Erlangen von Titeln und Ämtern dann eben keine persönlichkeitsbildende (oder gar
-ersetzende) Maßnahme, sondern allenfalls Folge und Beiwerk ihres Lebensweges und hat somit mehr ästhetische als moralische Bedeutung.
Samstag, 26. Februar 2011
Somnul amorului
Mă uit la tine cum dormi, iubirea mea. Dormi atât de adânc, profund şi liniştit. Un somn binemeritat după atâtea sforţare. Cât te-ai mai străduit, cât de aprig ai luptat! Totul, ai dat totul, dar nimic nu s-a legat. Eşti epuizată, atât de epuizată încât nu mai eşti capabilă de nici-o mişcare. Odihneşte-te.
Mi-e dor de tine, iubirea mea. Atât timp cât dormi nu te pot simţi, nu te pot lăsa să te desfăşori în mine şi nici nu te pot împărtăşi cu altcineva. Atât timp cât dormi, nu poţi fi impulsul mișcărilor mele, nici motiv de speranţă şi nici spor pentru străduinţa eternă. Dar inţeleg că acum trebuie să dormi. Te-ai sfârşit cu totul.
Din când în când, iubirea mea, trece cineva prin vizită căruia aş vrea să te prezint. Dar nu vreau să te deranjez din somnul tău binemeritat. Câţiva dintre vizitarorii noştri au încercat să te trezească sărutându-te gingaş. Ar fi vrut să te cunoască. Dar nu le-a reuşit. Liniştit şi fără să te abaţi, respiri încontinuu. Eşti în viaţă, dar dormi atât de profund, aşa profund...
Aşa că dormi mai departe, iubirea mea. Odihneşte-te şi reînnoieşte-te. Într-o bună zi va veni cineva în vizită, care te va săruta şi care va reuşi să te trezească... cineva de departe de tot. Din orizontul strălucitor al viitorului sau din adâncimile trecutului. Cine stie. Tu te vei trezi şi vei trăi mult mai puternică decât până acum şi nu vei mai obosi nici odată.
Dar până atunci, iubirea mea – dormi...
(And on goes my language collection: Romanian by Irina-Ruxandra Alexandru)
Mi-e dor de tine, iubirea mea. Atât timp cât dormi nu te pot simţi, nu te pot lăsa să te desfăşori în mine şi nici nu te pot împărtăşi cu altcineva. Atât timp cât dormi, nu poţi fi impulsul mișcărilor mele, nici motiv de speranţă şi nici spor pentru străduinţa eternă. Dar inţeleg că acum trebuie să dormi. Te-ai sfârşit cu totul.
Din când în când, iubirea mea, trece cineva prin vizită căruia aş vrea să te prezint. Dar nu vreau să te deranjez din somnul tău binemeritat. Câţiva dintre vizitarorii noştri au încercat să te trezească sărutându-te gingaş. Ar fi vrut să te cunoască. Dar nu le-a reuşit. Liniştit şi fără să te abaţi, respiri încontinuu. Eşti în viaţă, dar dormi atât de profund, aşa profund...
Aşa că dormi mai departe, iubirea mea. Odihneşte-te şi reînnoieşte-te. Într-o bună zi va veni cineva în vizită, care te va săruta şi care va reuşi să te trezească... cineva de departe de tot. Din orizontul strălucitor al viitorului sau din adâncimile trecutului. Cine stie. Tu te vei trezi şi vei trăi mult mai puternică decât până acum şi nu vei mai obosi nici odată.
Dar până atunci, iubirea mea – dormi...
(And on goes my language collection: Romanian by Irina-Ruxandra Alexandru)
Freitag, 25. Februar 2011
Usnula ljubav
Gledam te dok spavaš, ljubavi moja. Tvoj san je tako čvrst. Tako dubok i spokojan. Neka ti je dopušteno posle svih napora. Kako si se samo trudila, kako ogorčeno borila. Sve, sve od sebe si dala, a ništa ti se nije vratilo. Ti si iscrpljena, tako teško iscrpljena i ne osećaš ništa više. Ispavaj se.
Nedostaješ mi, ljubavi moja. Dok spavaš ja živim bez tebe. Dok spavaš ja ne mogu da te osetim, da se u potpunosti prepustim tvom dejstvu i da te dalje dam. Dok spavaš, ti ne možeš da budes osnova mojih postupaka, razlog za nadu i podsticaj mojih večitih napora. Ali ja razumem da ti sada moraš da spavaš. Ti si se u potpunosti istrošila.
S vremena na vreme dodje po neka poseta koju bih ti rado predstavio, ljubavi moja. Ali ne želim da prekidam tvoj san, zaslužila si ga. Neki od nasih posetilaca su pokusali da te nežnim poljupcima probude. Želeli su da te dožive. Ali nisu uspeli. Tvoj dah je tako ravnomeran i spokojan. Ti živis, ali spavas tako duboko, duboko…
Nastavi da spavaš onda, ljubavi moja. Odmori i obnovi se. Jednoga dana će neko doći ko će moći da te poljupcem probudi. Iz daleka. Sa svetlog horizonta buducnosti ili iz dubina proslošti. Ko zna. Ti ćeš se probuditi i živeti jača nego ikada i nikada se vise nećeš umoriti.
Do tada, ljubavi moja, spavaj…
(While we are at it - Serbian by Jelena Todoric)
Nedostaješ mi, ljubavi moja. Dok spavaš ja živim bez tebe. Dok spavaš ja ne mogu da te osetim, da se u potpunosti prepustim tvom dejstvu i da te dalje dam. Dok spavaš, ti ne možeš da budes osnova mojih postupaka, razlog za nadu i podsticaj mojih večitih napora. Ali ja razumem da ti sada moraš da spavaš. Ti si se u potpunosti istrošila.
S vremena na vreme dodje po neka poseta koju bih ti rado predstavio, ljubavi moja. Ali ne želim da prekidam tvoj san, zaslužila si ga. Neki od nasih posetilaca su pokusali da te nežnim poljupcima probude. Želeli su da te dožive. Ali nisu uspeli. Tvoj dah je tako ravnomeran i spokojan. Ti živis, ali spavas tako duboko, duboko…
Nastavi da spavaš onda, ljubavi moja. Odmori i obnovi se. Jednoga dana će neko doći ko će moći da te poljupcem probudi. Iz daleka. Sa svetlog horizonta buducnosti ili iz dubina proslošti. Ko zna. Ti ćeš se probuditi i živeti jača nego ikada i nikada se vise nećeš umoriti.
Do tada, ljubavi moja, spavaj…
(While we are at it - Serbian by Jelena Todoric)
Donnerstag, 24. Februar 2011
Love Asleep
I watch you sleep, my love. You sleep so soundly. So deep and calm. Granted shall it be to you after all the efforts you have made. How you hard you tried, how desperately you fought! You gave everything, and nothing ever came back to you. You are exhausted, so deeply exhausted, no longer capable of the slightest movement. Sleep now.
I miss you, my love. As long as you’re asleep I have to live without you. As long as you’re asleep I cannot feel you, cannot be immersed in you, and cannot pass you on. As long as you’re asleep you cannot be the foundation of my actions, not the cause of my hopes, and not the spur for my eternal endeavour. But I apprehend that you must sleep now. You have exhausted yourself completely.
Every now and then we have visitors that I would like to introduce to you, my love. But I do not want to disturb you in your well-deserved sleep. Some of our visitors have tried to wake you with tender kisses. They would have loved to experience you. But they could not make it. Steady goes your breath, and unperturbed. You are alive but you sleep so deeply, so deeply...
Sleep on then, my love. Recuperate and revive. One day, someone will come to visit us who will be able to wake you with a kiss. From far away. From the agleam horizon of the future or the depths of the past. Who knows. You shall awaken, and stronger then ever shall you live and tire no more.
Until then, my love – sleep...
This is the English version of my very favourite text "Liebesschlaf" for all those who keep asking me if there were any of my works available in English. I hope you'll like it! :-)
I miss you, my love. As long as you’re asleep I have to live without you. As long as you’re asleep I cannot feel you, cannot be immersed in you, and cannot pass you on. As long as you’re asleep you cannot be the foundation of my actions, not the cause of my hopes, and not the spur for my eternal endeavour. But I apprehend that you must sleep now. You have exhausted yourself completely.
Every now and then we have visitors that I would like to introduce to you, my love. But I do not want to disturb you in your well-deserved sleep. Some of our visitors have tried to wake you with tender kisses. They would have loved to experience you. But they could not make it. Steady goes your breath, and unperturbed. You are alive but you sleep so deeply, so deeply...
Sleep on then, my love. Recuperate and revive. One day, someone will come to visit us who will be able to wake you with a kiss. From far away. From the agleam horizon of the future or the depths of the past. Who knows. You shall awaken, and stronger then ever shall you live and tire no more.
Until then, my love – sleep...
This is the English version of my very favourite text "Liebesschlaf" for all those who keep asking me if there were any of my works available in English. I hope you'll like it! :-)
Mittwoch, 23. Februar 2011
Liebesschlaf
Ich sehe Dir beim Schlafen zu, meine Liebe. Du schläfst so fest. So tief und ruhig. Es sei Dir gegönnt nach all den Anstrengungen. Wie sehr hast Du Dich bemüht, wie verzweifelt gekämpft! Alles, alles hast Du gegeben, und nichts kam zurück. Du bist erschöpft, so tief erschöpft und zu keiner Regung mehr fähig. Schlaf Dich aus.
Du fehlst mir, meine Liebe. Solange Du schläfst, lebe ich ohne Dich. Solange Du schläfst, kann ich Dich nicht empfinden, nicht ganz und gar wirken lassen in mir und auch nicht weitergeben. Solange Du schläfst, kannst Du nicht Grundlage meines Handelns sein, nicht Anlaß zur Hoffnung und nicht Antrieb zum ewigen Bemühen. Aber ich verstehe, daß Du nun schlafen mußt. Du hast Dich ganz und gar verausgabt.
Hin und wieder kommt Besuch, den ich Dir gern vorstellen würde, meine Liebe. Aber ich möchte Dich nicht stören in Deinem verdienten Schlaf. Ein paar unserer Besucher haben versucht, Dich mit zarten Küssen zu wecken. Sie hätten Dich gern erlebt. Aber es gelang ihnen nicht. Ruhig und unbeirrt geht Dein Atem. Du lebst, aber Du schläfst so tief, so tief...
So schlafe denn weiter, meine Liebe. Erhole und erneuere Dich. Eines Tages wird uns jemand besuchen kommen, der Dich wachzuküssen vermag. Von weit her. Vom leuchtenden Horizont der Zukunft, oder aus den Tiefen der Vergangenheit. Wer weiß. Du wirst erwachen, und stärker denn je wirst Du leben und nie wieder ermüden.
Bis dahin, meine Liebe - schlaf...
Dienstag, 22. Februar 2011
Frischluftberuf
Auf der Straße in der Ferne
Klar beschrieb’s der Wortekrakler:
unter einer Gaslaterne
steht – zuweilen sogar gerne –
eine wartende Person.
Diese wartet bis die Kunden,
die den Weg zu ihr gefunden,
bald mit ihr im Haus verschwunden
sind für festen Lohn.
Drinnen spielt sie ihre Rolle,
zeigt, was man erwerben solle,
fragt den Kunden, was er wolle,
(meistens weiß sie’s schon!)
Ist das Ob und Wie entschieden,
einigt man sich schnell hienieden,
beide Seiten sind zufrieden,
ziehen froh davon.
Nun? Wer also ist die eine?
Die Person, die ich hier meine?
Wofür steht sie sich die Beine
krumm auf dem Perron?
Klar beschrieb’s der Wortekrakler:
Ohne Zweifel oder Wackler
ist‘s der Immobilienmakler!
Der kriegt Provision.
Donnerstag, 17. Februar 2011
Der Versuch
Sie habe es versucht, sagte sie, und glaubte es sogar selbst. Doch ihr Versuch war nicht echt gewesen. Sie hatte ihm keine Lebenswirklichkeit gegeben. Ein ferner Gedanke in einem fernen Land, den sie verwarf, bevor sie ihn lebte. Eine Theorie, die sie nie zur Praxis werden ließ. Das war alles.
Und so kehrte sie zurück und versuchte nichts mehr. Sie habe es ja versucht, sagte sie und lächelte. Aber wer weiß, was noch passiert?, ergänzte sie. Endgültig sei schließlich nichts. Stand auf und ging. Lächelnd.
Sie meinte es ehrlich. Sie glaubte wirklich, den Gedanken versucht zu haben, wo sie doch nur den Versuch gedacht hatte. Der Unterschied war ihr nicht bewußt. Eines Tages würde sie ihn begreifen. Und wer weiß, was dann noch passieren würde?
Endgültig ist schließlich nichts.
Montag, 14. Februar 2011
Herzenslogik
Manche Menschen haben Widerhaken. Sie graben sich wie ein Parasit ins Herz, verletzen es, saugen es aus und bereiten unerträgliche Schmerzen, und je mehr man sich windet und an ihnen reißt, um sie loszuwerden, desto tiefer fleischen sie sich ein. Und wenn man nach Jahren glaubt, sie endlich, wenn auch unter einigen Qualen, herausgeeitert zu haben, kommen sie erneut an, berühren hier und da die wunden Stellen und verschaffen sich instinktsicher Aufmerksamkeit, gerade bevor sie endgültig in Vergessenheit geraten würden.
Das wäre an sich nicht schlimm. Ein geheiltes und abgehärtetes Herz kann solchen Versuchungen widerstehen. Es kennt die Strategie und die Gefahr des Parasiten und weiß sich also aus leidvoller Erfahrung wirksam zu schützen.
Die Frage ist nur, ob es das auch will.
Denn ein abgehärtetes Herz fühlt und spürt nicht mehr viel. Gewiß, es ist gereift, erfahren, geschützt und immun, und so kann ihm an sich nichts Schlimmes mehr widerfahren. Aber es ist auch leer und gefühllos, und dafür ist es nun mal nicht gemacht. Und so beginnt es tatsächlich, sich heimlich nach dem Parasiten zu sehnen, nach dem Schmerz, nach dem Gefühl leidvoller Erfülltheit und dem täglichen Kampf ums Überleben... Denn so quälend dergleichen ist - es IST zumindest.
Und also bemerkt das harte, sehnende Herz zu seinem fassungslosen Erstaunen, daß es ein kleines bißchen enttäuscht ist, wenn der Parasit, die Abhärtung erkennend, aufhört, sich um neuerliches Eindringen zu bemühen... und es wünscht sich, er würde sich noch ein bißchen mehr Mühe geben, einfach nur, um wieder irgendetwas spüren zu können...
Seltsame Sache, so ein Herz. Von Logik keine Spur. Sehnsüchtig nach dem Gefühl, und sei es auch ein schmerzendes. Vielleicht, so denkt es nicht ganz unberechtigt, bewirkt ja die Abhärtung, daß der Parasit, aufs Neue hereingelassen, nicht mehr böse wehtun, sondern nur noch angenehm kribbeln kann... Aber wissen kann es das nicht.
So bleibt das Herz eben immer Herz. Und das ist - gut so?
Mittwoch, 9. Februar 2011
Der Geist der Freiheit
(Ein Versuch in Schillerschem Pathos)
Am schwarzen Himmel der Unterdrückung verkündet ein roter Dämmerstreifen eine neue Zeit, und wenn dereinst die goldene Sonne der Freiheit über der ganzen Welt erstrahlt, werdet Ihr ins Dunkel der Vergessenheit sinken.
Freitag, 4. Februar 2011
Das Böhnchen
Ein Böhnchen sitzt am Strand und sieht
aufs weite Meer hinaus.
Wie schön schaut doch der Lichtertanz
dort auf den Wellen aus.
Ein tausendfaches Glitzerspiel,
ein blendend schöner Traum,
so hell, so frei, so leicht und kühn -
das Böhnchen faßt es kaum.
Eins dieser Lichter will es sein
und schweben so wie sie,
getragen werden, sonnenhell,
und sorgenfrei wie nie.
So springt es auf, dem Wasser zu,
ergibt sich ganz dem Meer,
der Sonne und dem Wellenspiel,
als ob's für immer wär'.
Es schwebt im Glück, in Leichtigkeit,
es blinzelt in das Licht,
es schwimmt ganz oben und bemerkt
noch sein Verhängnis nicht.
Denn durch die zarte Bohnenhaut
dringt langsam Wasser ein.
Es saugt sich voll und wird ganz schwer,
fast wie ein Kieselstein.
So sinkt das Böhnchen bald hinab
ins dunkeltiefe Blau,
entschwindet rasch dem Sonnenlicht,
und seiner Glitzerschau...
Und traurig liegt's am Meeresgrund
und fragt sich, was geschah,
und warum ihm sein kleines Glück
so kurz vergönnt nur war.
Es hat den falschen Traum gelebt,
und das war nicht gesund.
Damit ein Böhnchen lebt und wächst,
gehört's auf festen Grund.
Donnerstag, 3. Februar 2011
Selbstfindung
Allzu gern wird die heutzutage so ungemein populäre Suche nach dem Selbst mit der Suche nach einem Stärkegefühl verwechselt. Die für insuffizient gehaltenen, in Wirklichkeit aber so wichtigen Eigenschaften des eigenen Wesens wie etwa Sensibilität, Verletzlichkeit, Angst und Sehnsucht zu verdrängen und mit kühl lächelndem Hochmut oder einem oberflächlichen Leben zu überspielen, mag verlockend sein, führt jedoch gerade nicht zu einer umfassenden Selbsterkenntnis, zur Erkenntnis also all dessen, was man ist und was man hat, sondern zum genauen Gegenteil. Denn indem man sich seinen zentralen Persönlichkeitsmerkmalen verschließt und sie verdrängt und leugnet, weil man Angst vor ihren Folgen und Auswirkungen im täglichen Leben hat, verliert man sich, anstatt sich zu finden.
Das Durchschnittliche gibt der Welt – und auch dem einzelnen Menschen – den Bestand, das ist wohl wahr, und an sich selbst durchschnittliche, massentaugliche Eigenschaften zu kultivieren, auch wenn sie nicht der eigenen Persönlichkeit entsprechen, ist zuweilen leicht und bequem. Selbsterkenntnis und Identität ergeben sich jedoch nicht aus dem, was man sein WILL, denn dann wären sie lediglich SelbstERfindung. Sie ergeben sich aus dem, was man IST, ob es einem paßt oder nicht.
Und auch das reicht noch nicht aus, ein echtes, lebendiges Selbstgefühl zu entwickeln. Denn solange die Eigenschaften des Charakters nur erkannt, nicht aber auch akzeptiert und gelebt werden, bleiben sie eine unbefriedigende Theorie. Das echte, lebendige Selbst ergibt sich erst daraus, wie diese unsere ureigensten Eigenschaften innerhalb anderer, externer Lebensbereiche wirken und funktionieren, denn erst die Beziehungen, auf die wir uns einlassen, und die Zusammenhänge, in die wir uns stellen, geben ihnen (und also uns) eine Form und eine wahrnehmbare Gestalt. Die Eigenschaften, zu denen wir uns bekennen, unsere von uns selbst akzeptierte und ins Leben hinausgetragene Identität ist Außerordentliche an uns, das der Welt und dem Leben Wert gibt.
Sonntag, 30. Januar 2011
Halber Tod
Namenloser Schmerz. Das Leben erstarrt. Alle Hoffnung zerstört, alle Freude vergangen. Und während kalte Übelkeit das Gedärm durchfriert und das Herz zu eisigen Splittern zerspringt, vernebelt dumpfe Sinnlosigkeit den fassungslosen Blick. Düster, kalt, leer. Ein Versinken in wattigem Nichts.
Schwindlig vor Leid fällt die Seele ins Koma. Nichts fühlen, nichts denken. Längst rollen keine Tränen mehr aus den brennenden Augen. Ein halber Tod. Alle Wege sind gegangen, alle Kämpfe gekämpft. Was bleibt, ist Ohnmacht.
So geht es zu Ende.
Freitag, 28. Januar 2011
In der Schwebe (2)
Das Warten ist das Einfachste. Die Leichtigkeit, mit der man sich Entwicklungen hingibt, die man mit der Kraft seiner Liebe und seines Glaubens zärtlich beeinflußt... wie bei einer Seifenblase, die man in die Luft haucht, und die schillernd und schwerelos umherwabert, immer in der Gefahr, an einem Stein zu zerplatzen oder einem allzu scharfen Gedanken... Und also ist es an uns, sie feinfühlig abzufangen, sie hier und da in eine neue Richtung zu pusten und uns an ihrem Flug zu erfreuen, solange er eben dauert.
Sie schwebt, anmutig, leicht und frei, und wenn die Luft mild ist und wir gut aufpassen, schwebt sie hoch hinauf in ungeahnte Dimensionen... Vielleicht wird sie in einer günstigeren Umgebung, irgendwo auf Wolke sieben, wo kein Gedanke je hingelangt, weich aufgefangen, zugelassen, wird fest und echt wie Kristall, so daß sie glänzt bis ans Ende der Welt. Vielleicht platzt sie auch irgendwann. Diese Gefahr ist nie zu bannen. Aber bis dahin ist sie so schön, so beglückend, daß sich das Warten nicht nur lohnt, sondern eine Freude an sich ist.
Seifenblasen sind fragil. Die meisten vergehen. Wenn wir sie aber absichtlich zum Platzen bringen, bevor ihr Flug beendet ist, weil wir denken, es sei ja doch unvermeidlich, nehmen wir uns selbst die Chance auf glückvolle Momente, wie sie auch und gerade in der Schwebe zu erleben sind.
Freitag, 21. Januar 2011
In der Schwebe (1)
Das Warten ist das Schwerste. Die Ohnmacht, mit der man Entwicklungen ausgesetzt ist, die man nicht mehr beeinflussen kann. Wie bei einem Pfeil, der, einmal abgeschossen, sein Ziel trifft, oder eben nicht - nichts bleibt uns als seinen Flug bangend und hoffend zu verfolgen.
Ruhiger Mut, heitere Gelassenheit - sich darein zu finden ist wohl die Kunst in solchen Lebensphasen. Der Pfeil fliegt, ob wir uns nun grämen, zerfleischen, mit dem Fuß aufstampfen oder eben gleichmütig den Ausgang erwarten. Den eigenen Wunsch nicht zum Maß dessen zu erheben, was geschieht, macht frei.
Leicht gesagt. Viel leichter als gelebt. Denn erstens liegt es nicht in unserer Natur, daran zu glauben, daß wir die Dinge nicht mehr beeinflussen können. Unserem kindisch-trotzigen Willen dichten wir noch während des Fluges eine gestaltende Kraft an und hadern weniger mit dem Schicksal als mit unserer vermeintlichen Schwäche, wenn er sich nicht verwirklicht. Und zweitens mag eine Ungewißheit gelassen-heiter zu ertragen sein. Dutzende hingegen überfordern und verdüstern unser Gemüt.
Wir brauchen einen Halt. Wir brauchen berechtigten Anlaß zur Hoffnung. Wir ersehnen kleine Zeichen, die uns Mut machen, die zumindest eine Tendenz andeuten, ein liebes Wort, einen Spalt in der Tür, ein Zwischenlob. Vielleicht sogar brauchen wir beizeiten Zeichen, die unsere Hoffnung dämpfen, damit wir uns auf eine Enttäuschung einstellen und vorbereiten können. Und es ist menschlich und absolut berechtigt, daß wir solche Zeichen wollen. Der ganz und gar orientierungslose Schwebezustand ist es, den wir nicht ertragen.
Vieles ist in der Schwebe. Immerzu. Und im Moment ganz besonders. Berufliches, Privates. 2011 - ein Schwebejahr. Es fällt mir nicht leicht, damit umzugehen, und meine Sehnsucht nach eindeutigeren Zeichen wächst. Aber ich werde nicht mit dem Fuß aufstampfen. Nein, nein. Ich bin ruhigen Mutes. Heiter und gelassen. Ich blicke den vielen Pfeilen nach, die ich nach bestem Können und mit klaren Zielen abgeschossen habe. Und ich glaube daran, daß sie treffen. Bis ihr Flug beendet ist.
Und auf einen blicke ich ganz besonders gespannt.
Mittwoch, 19. Januar 2011
Winter
Ja, es ist Januar. Winterzeit. Und doch wurde mir gerade unendlich viel Wärme gegeben. Als ich schon glaubte, alles sei erfroren - mein Herz, meine Hoffnung, meine Seele, mein Leben - bestrahlte die Sonne einer herbststurmerprobten Liebe meine vereiste Welt und machte das Erstarrte neuerlich sich regen...
Der Winter währt nicht ewig. Was erstorben scheint, gewinnt neues Leben; was erkaltet wirkt, reckt wohlig sich nach Wärme, und wo die Zuversicht fast eingegangen wäre, wird sie neu genährt. Die Kälte wird vergehen, und das Leben erneut sich seine Bahn brechen, bunter vielleicht und unendlicher in seiner Vielfalt denn je zuvor. Jeder Zweig des Lebensbaumes tropft sich vom Eise frei, drängt zartgrüne Triebe durch die nasse Rinde zum gierigen Verzehr von Licht und Luft, und das Tauwasser versickert entmachtet im Boden. Nicht einmal Glaube ist nötig, um daran festzuhalten, sondern lediglich Geduld, denn der Verlauf, so quälend langsam er sich unserer sehnsuchtsvollen Wahrnehmung darstellen mag, ist unaufhaltsam.
Meine liebe beste Freundin, dies ist die dritte Jahreszeit, die ich Dir widme, und ich tue es in tiefer Dankbarkeit dafür, daß Du mein Eis stets zu schmelzen vermagst, bevor es mich ganz einschließt. Ich möchte Dich nicht missen, zu keiner Zeit des Jahres, und jedem, der zu erfrieren droht, wünsche ich einen Sonnenmenschen wie Dich.
Ljubim te.
Samstag, 15. Januar 2011
Grundsätzlichkeiten
Zuweilen trifft man Menschen, die auf, wenn nicht alle, so doch viele Fragen mit "Grundsätzlich ja!" antworten.
Es verwirrt zunächst ein bißchen, weil man eindeutigere Aussagen erwarten oder doch zumindest vorziehen würde. Beim gebrannten Kind setzt also zunächst die Wirkung der negativen Konnotation ein, die diese Antwort hat - "grundsätzlich ja" kann eben auch bedeuten: "Aber hier und jetzt sicher nicht!"
Schließlich jedoch versöhnt man sich mit dem Grundsatz, denn - soviel begreift man gerade noch rechtzeitig - mehr als ein solcher ist er ja nun mal nicht. "Grundsätzlich" bedeutet, daß im Einzelfall durchaus alle wünschenswerten Möglichkeiten gegeben sind. "Grundsätzlich ja" ist immerhin eine positive Entscheidung im Allgemeinen, ein generelles Ja, das im Besonderen nur dann eine Ausnahme erfährt, wenn gewichtige Gründe dies nahelegen.
"Grundsätzlich ja" ist kein "Hier-und-jetzt-Ja". Aber es ist immerhin weit davon entfernt, ein "Nein" zu sein. Damit kann ich vorderhand sehr gut leben.
Donnerstag, 13. Januar 2011
Schicksal
Warum es Probleme gibt? Weil es echt ist.
Nur die Illusion funktioniert reibungslos. Wer sie wählt, hat - für eine Weile - keine Probleme. Außer der heimlichen Sehnsucht nach dem Echten.
Das Schicksal fällt nicht meteoritengleich vom Himmel. Es bietet sich an und will durch die Überwindung von Schwierigkeiten verdient werden.
Darin allein liegt Kühnheit, und wer sie wagt, gewinnt alles. Für immer.
Dienstag, 11. Januar 2011
Alles auf Anfang
Nur wenige Lebensläufe weisen einen schnurgeraden, schnörkellosen Verlauf ohne Rückschläge, Zweifel, Niederlagen, Abwege und Sackgassen auf. Und mal ehrlich - diese Lebensläufe sind auch denkbar langweilig. Das Leben ist nun mal nicht bis ins Kleinste berechenbar. Wir vertrauen einem Menschen, und er enttäuscht uns. Wir bitten um Geduld und werden verlassen. Wir beginnen zu lieben und werden verletzt. Wir hoffen auf einen Erfolg, und er bleibt aus. Und zuweilen treffen uns Schläge, die uns zu Boden schmettern und fast zerstören. Sie treffen uns an unseren empfindlichsten Stellen, an Stellen vielleicht, die gerade erst wieder verheilt sind, und reißen klaffende Wunden genau dahin, wo wir sie am schmerzhaftesten spüren. Fassungslos, starr vor Entsetzen und gelähmt vor Schmerz stürzen wir ins Nichts. So ist das Leben zuweilen.
Aber das ist in Ordnung. Man kann jederzeit mit allem neu beginnen. Man kann sich Menschen, die einem wehgetan haben, fürderhin vom Leib halten; man kann nach einem Mißerfolg ein paarmal durchatmen und dann anfangen, sich der nächsten Aufgabe zu stellen, vielleicht eine oder zwei Stufen tiefer, aber man kann neu beginnen. Für eine Herausforderung, an der man scheitert, war man eben noch nicht reif genug, und ein Mensch, der einen wissentlich verletzt, war unsere Freundschaft, unsere Liebe niemals wert.
Niemals aufgeben. Zurück ins Rennen. Ein Mantra, das sich zugegebenermaßen leichter aussprechen als umsetzen läßt, aber doch eine unverzichtbare Voraussetzung des Überlebens. Dazu gehört wohl auch, sich nicht vom unabänderlichen Vergangenen lähmen zu lassen, so sehr uns die Niederlage auch schmerzt. Was war, interessiert nicht die Bohne. Überwinden, vergessen, zur Not auch verdrängen, aber keinesfalls sollte Geschehenes mehr Macht über unser Handeln, unseren Mut und unsere Offenheit, kurz: unser Leben haben als das, was an wunderbaren Möglichkeiten noch vor uns liegt.
Dieses Jahr fordert mich heraus, und ich habe meine erste herbe Enttäuschung bereits hinter mir. Aber ich mache weiter. Ich versuche es wieder und wieder.
Alles auf Anfang.
Mittwoch, 5. Januar 2011
Neue Wege
In einem stillen,
tiefen Bach er-
säuft' ich
meine Liebe.
Versuchte es
zumindest.
Doch schwamm sie
obenauf, anstatt
gurgelnd hinab
zu sinken,
ward munter gar vom
tiefen Bach er-
faßt und neuen
Ufern zugespült.
Wohin genau,
das weiß ich nicht.
Ich folge ihr
und warte.
Freitag, 31. Dezember 2010
Jahreswechsel
Wie schön der Rauch einer ausgepusteten Kerze ist. In einer feinen Säule steigt er zunächst ganz gerade nach oben, und man möchte meinen, diese saubere, zarte Linie setzt sich unendlich fort. Dann aber gerät er in die bewegteren Luftschichten; winzige Verwirbelungen, das unsichtbare Spiel kalter und warmer Lüfte, unvorhersehbar und doch unausweichlich...
Und die kleine, machtvolle Atmosphäre um die Kerze herum zerreißt den rauchigen Faden, zerpflückt ihn, treibt ihn in wilden Locken, in duckenden, weichenden, strebenden und scheuen Kringeln und Fasern auseinander und schafft die bizarrsten Formen, die abenteuerlichste Wirrnis, ein silbergraues Spiel aus Gestalten und Wegen, das sich in unendlicher Vielfalt fortsetzen könnte, wenn nicht der Docht irgendwann erkaltete und die letzten Schwaden sich tanzend in der Luft verlören.
So ist das Leben nun einmal. Von der gradlinigen Planung, den einfachen Hoffnungen, Erwartungen, Vorstellungen und Träumen bleibt nicht viel übrig, wenn man in den Wirbel der Lebenswirklichkeit gerät. Und andererseits sind die grotesken Formen, die überraschenden Wendungen, die ungeplanten Verläufe und die vielfältigen Gestalten, die daraus entstehen, viel reizvoller, schöner, stimulierender und bereichernder als eine gerade, fade Rauchsäule...
Natürlich stelle ich mir zu Silvester vor, daß ein simpler Datumswechsel, wie er eigentlich jeden Tag erfolgt, einen Neubeginn, eine Lebenswende und viele grandiose Chancen markiert. Und natürlich plane ich traditionellerweise einen schnurgerade zu all meinen Zielen führenden Verlauf des neuen Jahres. Aber ich weiß doch, daß es Unsinn ist. Und heimlich freue ich mich auf die Verwirbelungen, die Überraschungen und die Neuerungen, die ich jetzt noch nicht erahne... Und ich lasse mich darauf ein, ganz und gar, und mit allen Risiken, weil ich sonst nicht weiterkomme. Denn so ist das Leben. Nicht nur am 31. Dezember, sondern jeden Tag. Und das ist gut so.
Prosit 2011!
Donnerstag, 23. Dezember 2010
Die Weihnachtsnacht
(Mein erstes Weihnachtsgedicht von 1979 (da war ich neun))
liegt so stille Seligkeit;
jeder Mensch des kleinen Dorfes
weiß genau: Es ist soweit!
Vom Himmel leuchten viele Sterne
auf das schneebedeckte Land,
und in Stuben überglücklich
steh'n die Menschen Hand in Hand.
Draußen auf den weißen Feldern
bis zum tiefen Wald hinan
hört man leise Glocken klingen –
glücklich ist heut' jedermann.
Und wenn man's genau beachtet,
horchend mit gespitztem Ohr,
hört man leise aus dem Himmel
singen einen Engelschor.
Er singt so still und auch so leise
hinab auf unsre Erde,
er singt auf wunderbare Weise,
daß es bald Friede werde!
Sonntag, 19. Dezember 2010
Donnerstag, 16. Dezember 2010
Freiheit
Der süße Geschmack der Freiheit. Die unbeschreibliche Leichtigkeit, die sich einstellt, wenn Beklemmendes und Hemmendes von einer Sekunde auf die andere seine Macht verliert. Fassungslos vor Glück, ja ungläubig gar, ob es wirklich wahr sein kann, wenn das, was unser ganzes Dasein bestimmt und bedrückt hat, von jetzt auf gleich völlig bedeutungslos wird durch nur einen einzigen souveränen Akt unseres eigenen, freien Willens... Es ist so unglaublich toll, das Leben zu leben und sich nicht von ihm leben zu lassen.
Mit einemmal reißen alle Himmel auf; die schwersten Tore öffnen sich und lassen einen frischen Wind mitten hineinfahren in die abgestandene, verbrauchte Luft jahrelanger Gefangenschaft... Der Duft aller Möglichkeiten liegt in diesem Wind, der würzige Geruch der neu gewonnenen, ganz und gar freien Entscheidung.
Mit einemmal reißen alle Himmel auf; die schwersten Tore öffnen sich und lassen einen frischen Wind mitten hineinfahren in die abgestandene, verbrauchte Luft jahrelanger Gefangenschaft... Der Duft aller Möglichkeiten liegt in diesem Wind, der würzige Geruch der neu gewonnenen, ganz und gar freien Entscheidung.
Nicht das Versprechen einer vollkommenen Zukunft trägt er herein. Aber die echte Chance, sich eine solche zu schaffen. Es braucht keinen Mut. Nur einen weiten Blick und einen ersten Schritt. Ich bin so frei, ihn zu gehen. Wer kommt mit?
Mittwoch, 15. Dezember 2010
Das Ende der Bescheidenheit
Mein Leben, so stelle ich rückblickend fest, war in den letzten Jahren privat und beruflich geprägt von einem ewigen Fragen und Bitten, Werben und Schmeicheln. Ich habe mich bemüht, gewunden, habe mich zuweilen bis zur Selbstverleugnung der mutmaßlichen Nachfrage angepaßt, nur um ein Stück weiterzukommen oder meine verzweifelte Position wenigstens zu halten.
Der Erfolg war indes mäßig, und wo er sich dennoch einstellte, war sein Beigeschmack höchst unbefriedigend. Selbstmitleidiges Flehen ist erbärmlich und keineswegs geeignet, die Attraktivität zu steigern - auch nicht jene, die man für sich selbst empfinden sollte. Also mache ich es nun anders. Ich zeige Interesse, ich mache eindeutige Angebote. Wer sie nicht annimmt, ist selbst schuld. Wer mich mißverstehen will, möge es tun. Ich werde mich nicht dreimal erklären. Wer mich hassen möchte - nur zu. Man kann nicht allen gefallen.
Ich will die coolen Jobs, die großen Projekte, das Spitzenteam, den aufgeschlossenen Verlag, die wahren Freunde und die Eine, mit der ich bedingungslos mein Leben teile. Und ich will nicht darum bitten. Ich will angenommen werden. Das Angebot liegt auf dem Tisch. Lange genug.
Was habe ich zu verlieren? Was ich jetzt nicht habe, danach greife ich. Wenn es sich meinem Griff entzieht, lasse ich es los, und alles bleibt, wie es sowieso schon ist. Wenn es sich jedoch greifen läßt, haben beide Seiten gewonnen.
Ich will es ganz oder gar nicht, das Leben, den Beruf, die Menschen. Einseitigkeiten, Asymmetrien und höhere Einlagen als Gewinne kommen im neuen Jahr nicht mehr in Frage.
Das wird mein 2011.
Dienstag, 14. Dezember 2010
Nein.
Nein zu Deiner Nachricht.
Nein zu jedem weiteren Kontakt.
Nein dazu, daß Du mich ißt, fallen läßt, wenn Du satt bist, und nur wiederkommst, wenn Du Hunger hast.
Nein dazu, daß Du aus Deinem Kreis nicht heraustrittst, sondern mein Licht absorbierst, um kurzzeitig Dein Dunkel zu erleuchten, anstatt Dich endlich hinausführen zu lassen.
Nein dazu, bei Dir stehenzubleiben und mich verbrauchen zu lassen, anstatt zu wachsen und meinen Weg zu gehen.
Nein dazu, mich wegstoßen und verletzen zu lassen, während Du anderen ostentativ Deine Nähe gewährst.
Nein zu Deinem Hochmut.
Nein zu Deiner Gemeinheit.
Nein zu Deinem unerträglichen Narzissmus.
Nein zu Deiner Schlechtigkeit, Deiner rücksichtslosen Egozentrik und Deiner Unwilligkeit, Dich in die Gefühle, Bedürfnisse und Verletzlichkeiten anderer einzufühlen.
Nein zu einem Herzen, das nur für sich selbst warm schlägt.
Nein zu Deinem Selbstmitleid.
Nein zu Deinen Lügen, Deinen Tatsachenverdrehungen und Deinen Ausreden.
Nein zu Deinem Welt- und Menschenbild.
Nein zu neuen Chancen nach den dutzenden, die ich Dir gab.
Nein zu einer Liebe, die Du nie verdient hast.
Nein zu all dem.
Nein zu Dir.
Donnerstag, 9. Dezember 2010
Die Geburt der Tragödie
Es wird ja Tag für Tag so einiges geboren - Menschen und Tiere, aber auch Ideen, Entwicklungen... und eben Tragödien, die irgendwo ihren Anfang und also ihre Geburtsstunde haben.
Glaubt man Nietzsche, dann wurde die klassische griechische Tragödie aus dem Geiste der Musik geboren, ein apollinisch geordnetes, für die Menschen erträgliches Traumbild, das aus dem dionysischen, also musikalischen Urgrund allen Seins erwächst. Und da scheint mir etwas dran zu sein.
Denn Musik erhebt, beflügelt, lullt die Sinne ein und rührt an die tiefsten, verstecktesten Urgründe unserer Sehnsüchte, unserer empfindsamsten Instinkte... umso mehr, wenn sie gemeinsam erlebt oder gar gemacht wird... und ehe wir's uns versehen, lassen wir uns hinreißen zu Taten und Unterlassungen, die unbedacht, brodelnd und dunkel, leidenschaftlich und in ihrem Kern bereits tragisch sind... Wir erglühen, verbinden uns, verschmelzen ganz und gar, und im dionysischen Rausch der Musik entspinnt und verselbständigt sich eine Handlung, die ihre ganz eigene Macht gewinnt, unwiderstehlich Besitz von uns ergreift und sich alsbald jeder Kontrolle entzieht, ein tragisches, schicksalhaftes Geschehen, das uns beherrscht, willkürlich steuert und in einen heißen Strudel des lustvollen Untergangs zieht...
Das Ende, wenn wir es erleben, ist ein hartes Aufschlagen auf dem Boden entrauschter Wirklichkeit. Die unvereinbaren, ja untragbaren Handlungsstränge unserer irren, wirren Reise haben sich bis zum Wahnsinn ineinander verschlungen und dann plötzlich in einem gewaltigen Knall aufgelöst. Die Musik ist verklungen, und eine schmerzhafte Benommenheit läßt nur in kleinen Portionen die Erkenntnis zu, daß wir uns vollkommen verirrt und im Netz unserer Lust unrettbar verfangen hatten.
Es wird kalt. Still. Man bleibt allein. Der Boden der Realität ist hart und steinig. Die Tragödie hat ihren Lauf genommen. Den Rausch möchte man nicht missen, aber der Preis war zu hoch. Man gedenkt der Geburtsstunde des tragischen Verlaufes und wünscht sich dahin zurück, um alles besser zu machen und die Tragödie in apollinischen Bahnen zu halten. Klassisch. Geordnet. Erträglich. Aber das geht nicht. Geschehen ist geschehen.
Nächstes Mal dann.
Mittwoch, 8. Dezember 2010
Klimawandel
Wenn mitten im Dezember die Maiglöckchen sprießen,
wenn bei Minusgraden die Vöglein in den Bäumen ihre Liebeslieder zwitschern,
wenn durch den Schnee hindurch die buntesten Blumen blühen,
wenn in der kalten Luft ein warmer Windhauch Dein Gesicht küßt,
wenn vom eisgrauen Himmel eine freundliche Sonne scheint,
wenn also im tiefsten Winter plötzlich Mai ist...
...dann stimmt etwas nicht.
Oder es stimmt alles.
Samstag, 4. Dezember 2010
Barbara-Tag
Heute ist Barbara-Tag, der Gedenktag der Heiligen Barbara von Nikomedien, die im 3. Jahrhundert als Märtyrerin gestorben sein soll. Der Überlieferung nach war sie klug, schön und willensstark. So wie fast alle Frauen dieses Namens, die ich kenne.
Ihr Vater, der ein König, ein reicher Kaufmann oder ein einflußreicher Höfling gewesen sein mag, sperrte sie in einen Turm, um sie von der Außenwelt abzuschirmen. Ihre Hinwendung zum Christentum versuchte er durch Peinigungen zu verhindern, aber Barbaras Glaube festigte sich unter der Folter erstrecht. Sie ließ als Symbol der Dreifaltigkeit ein drittes Fenster in den Gefängnisturm brechen und empfing die Taufe. Dem Beschluß des Vaters, sie zu töten, entging sie zunächst durch eine wundersame Flucht, wurde dann aber doch gefaßt und auf die grausamste Art umgebracht.
So berichtet es die Legende. Mich hat die Geschichte immer fasziniert, nicht nur der unbedingten Glaubensstärke wegen, die Barbara bewiesen hat, sondern auch, weil es mir so grotesk erschien, diesen Beweis ausgerechnet gegen die rücksichtslosen Grausamkeiten des eigenen Vaters führen zu müssen. Zudem ist Barbara die Schutzheilige unserer Familie, und seit Jahrhunderten wird in fast jeder Generation ein Mädchen auf den Namen Barbara getauft, zuletzt meine Großmutter und meine Mutter.
Zugegeben, dieser Text hat keine echte Pointe, aber ich wollte den bedeutendsten Namenstag unserer Familie nicht unerwähnt verstreichen lassen. Für einige Barbaras, die mir im Leben begegnet sind, bin ich zutiefst dankbar. Drei von ihnen gehören zu den wunderbarsten Menschen, die ich je traf. Schön, klug und willensstark sind sie und spornen mich damit täglich dazu an, auch meinerseits ein besserer Mensch zu werden.
Alles Gute zum Namenstag und danke für alles.
Donnerstag, 2. Dezember 2010
Advent
Der Advent ist da, jene wenigen Wochen vor Weihnachten mithin, die ich als Kind schon geliebt habe, und die mir, so quälend langsam sie im Hinblick auf das fiebernd erwartete Fest einerseits zu vergehen schienen, andererseits doch nie lang genug sein konnten. Denn diesen Wochen wohnte ein ganz eigener, unvergleichlicher Zauber inne, den zu spüren vielleicht nur Kindern gegeben ist, oder solchen Menschen, die es im Herzen geblieben sind.
Ganz und gar anders als alle Wochen und Monate des Jahres schien mir diese Zeit. Ein Adventus, eine Ankunft war es, die sich spürbar vorbereitete, die Ankunft des Christkindes, des Gottessohnes und Erlösers und damit der Beginn einer besseren Zeit. Ein Hauch des Wunderbaren, des Göttlich-Bedeutsamen lag in der Luft und durchwirkte alles Sein, erhöhte den Alltag und gab jedem Gefühl, jedem Gedanken und jedem Tun etwas durch und durch Festliches. Es war für mich ganz selbstverständlich, daß, was ich so deutlich spürte, auch allen anderen erkennbar sein mußte, und so schien mir die Welt freudig erregt, zugleich milder gestimmt als sonst und erhoben im Geist des göttlichen Geschehens... Das Leben fühlte sich an, als habe es jemand mit feinem Goldstaub gepudert.
Heute ist dieser Zauber nicht mehr ganz so deutlich spürbar, und das nicht nur, weil die Konsummaschinerie heute lauter, greller und amerikanisierter als in meiner Kindheit alles Ahnungsvolle, leise sich Anbahnende überlärmt. Ich habe mir zwar eine sehr sentimentale Wahrnehmung der Advents- und Weihnachtszeit bewahrt, aber das Leben hat auch mich abgeklärt und gewährt nicht immer den Raum, den das freudige Erwarten wundersamer Veränderungen vielleicht erfordert. Gleichwohl, so denke ich oft, warten wir ständig auf irgendetwas, auf den Durchbruch, den richtigen Partner, die Erkenntnis und auf uns selbst... Wir ersehnen Veränderungen, Entwicklungen und den Beginn neuer Lebensabschnitte. Und während wir darauf warten, daß "das Leben" endlich beginnt, findet es längst statt und zieht vorbei.
Vielleicht war und ist die Adventszeit so beglückend, weil diesem Warten tatsächlich eine Ankunft folgt, weil das, worauf wir warten, wirklich geschieht. Ob man nun an die Geburt Christi glauben mag oder nicht, ob man in Jesus eine Allegorie des Höchsten, Besten und Edelsten sieht, zu dem wir Menschen fähig sind, oder ob einem dergleichen per se als abergläubischer Humbug erscheint - man hat zumindest die Gelegenheit, sich ein wenig zu sammeln, zu besinnen und an Weihnachten vielleicht Dinge zu tun, die man übers Jahr vernachlässigt hat. Das alltägliche Warten auf den Beginn des eigentlichen Lebens hingegen bleibt unbefriedigend, solange wir in Passivität verharren.
Der Gedanke des Advent, der Ankunft in unserem eigenen Leben, läßt sich aber dennoch nutzen, wenn man die Vorphase des Ankommens nicht als Wartezeit, sondern als Entwicklung begreift, die man täglich steuern und vorantreiben kann. Das Warten wird zum Tun, und die Vorfreude verschmilzt mit dem unbedingten Willen zur Veränderung. Immer wieder aus eingefahrenen Kreisen, aus Komfortzonen und dem begrenzten Blick auf sich selbst herauszutreten und neue Sphären des eigenen Seins zu erschließen - darin liegt für mich das, was uns der Advent sagen will.
In erster Linie sind wir unsere eigenen Erlöser. Und vielleicht bestäubt irgendwer von irgendwo unser Bemühen mit feinem Goldpuder.
Dienstag, 16. November 2010
Gebet
Lieber Gott,
Du weißt, ich glaube an Dich, so sehr es aller Erkenntnis und allem Verstand widerspricht. Ich glaube daran, daß Du hier und da Dinge fügst, denn die kindliche Hoffnung auf wundersame Wirkmechanismen, die sich jeder Begründung und Erklärbarkeit entziehen, ist stärker als die ganze Nüchternheit des reifen Geistes.
Und so sehe ich denn Deine Zeichen. Sehe sie, und verstehe sie nicht. Denn was als Hinweis, als göttlicher Wink mit dem heiligen Zaunpfahl ohne weiteres zu erkennen ist, erschließt durch sein bloßes Erscheinen noch lange nicht seinen eigenen Sinn. Mag sein, daß das Gemüt des reifen Mannes sich den Instinkt für Höheres bewahrt, ohne sich jedoch die kindlich-naive Fähigkeit zur Deutung zu erhalten.
Und Du weißt das. Du weißt immer alles. Es steht in Deiner Tätigkeitsbeschreibung als einzig wahrer Gott. Und also stellt sich die Frage – warum sendest Du Zeichen, von denen Dir klar sein muß, daß sie mehr Fragen aufwerfen als sie zu lösen vermögen? Macht es Dir Freude, die Ahnungslosigkeit Deiner Menschlein zur Schau zu stellen, indem Du ihnen unlösbare Rätsel aufgibst? Wenn es so ist – ich nehme es Dir nicht übel. Es ist ganz lustig, irgendwie.
Heute hast Du mir ein Zeichen gesandt. Ein solches freilich, dem Du so unendlich viele Deutungsmöglichkeiten beigegeben hast, daß es mir rein gar nichts nützt; daß es, im Gegenteil, erhebliche Verwirrung stiftet in meinem jüngst so geordneten Dasein.
Wie dem auch sei – Du bist Gott. Du darfst das. Ich nehme Dein Zeichen also an. Aber ich bin so frei, daran keine Handlungsfolgen zu knüpfen. Tatsächlich werde ich es einfach ignorieren, so gut es geht. Sei mir nicht böse. Aber das Spiel spiele ich nicht mit.
Danke gleichwohl. Es ist lieb, daß Du an mich denkst. Und an sie. Und an uns. Danke. Aber wenn ich wirklich etwas tun soll, mußt Du schon ein bißchen deutlicher werden.
Verbunden,
Dein Christopher
Donnerstag, 4. November 2010
Leere
Zuweilen ist da diese Leere, eine Leere, die all das hinterlassen hat, was wir verspielt, verloren oder verschwendet haben, und die durch nichts aufzufüllen ist. Sie schmerzt, wie nur ein Nichts schmerzen kann, wo eigentlich etwas sein sollte. Sie zieht und windet sich, gierig nach Ersatz für das, was fehlt, und franst dabei doch nur ihre wunden Ränder aus.
Nach vorne schauen, positiv denken, an einer Zukunft arbeiten und aus der Vergangenheit lernen. Das sagt man dann so leichthin. Und doch vermag keine Zukunft die Leere zu füllen, die Verlorenes in unsere Seelen reißt. Man mag das Loch der Vergangenheit ummanteln mit dem Jetzt; man mag die Fäden der Zukunft so spinnen, daß sie den Hohlraum vernähen, der in uns gähnt... doch ausgefüllt, bereichert und geheilt wird er dadurch nicht. Manche Verluste sind nie, niemals wieder gutzumachen.
Zuweilen ist sie da, die Leere. Zuweilen ist ihre Kraft so groß, daß sie alles Gegenwärtige und alles Zukünftige, allen Sinn und alle Hoffnung wie ein schwarzes Loch anzieht und verschlingt. Das Leben, das vor einem liegen könnte, verschwindet im unwiderstehlichen im Abgrund des Vergangenen.
Zuweilen ist es eben so. Manche Verluste sind nicht zu ertragen.
Dienstag, 26. Oktober 2010
Wirklichkeit
Jemand, den ich nicht als Freundin, ja kaum als Bekannte bezeichnen kann, da wir uns nur über ein soziales Netzwerk und also nicht „persönlich“ kennen, hat mir eine Karte geschrieben. Eine echte Postkarte aus Papier, beschrieben mit echter Tinte in einer individuellen Handschrift. Ich erhielt sie und mußte schlucken.
Es ist süß, wenn Menschen aneinander denken und einander damit Bedeutung geben... Mich rührt es immer wieder zutiefst, daß unter den Milliarden Menschenwesen auf der Welt sich tatsächlich einzelne etwas bedeuten und sich daran freuen, daß genau der Eine, an den sie gerade denken, lebt und existiert...
Diese ergreifende, liebevolle kleine Dimension des Lebens kann ich nicht immer gut wahrnehmen... Zuweilen fühle ich mich so unendlich überflüssig... so verzichtbar in diesem riesigen Ameisenhaufen, in dem ohne mich ebenso unsystematisch herumgewuselt würde wie mit mir...
Und dann kommt sie, jemand, den ich gar nicht kenne, und sie nimmt sich Zeit, sie setzt sich nieder und schreibt mir eine Karte... mir, einfach so, ob der guten Gespräche, die wir in der virtuellen Welt geführt haben über ganz unvirtuelle Themen. Und ich muß ein bißchen weinen... weil es mich tief berührt, ohne daß ich es verstehe.
Da ist diese Sehnsucht nach dem Kleinen, nach dem Echten, Individuellen... Die Sehnsucht danach, sie zu sehen und fest in den Arm zu nehmen, mitten im unbeeindruckten Gewühl des Ameisenhaufens, einfach nur, um zu spüren, daß es sie, daß es überhaupt jemanden wirklich gibt, und daß ich ihr nah sein kann. Und zugleich wirkt diese Vorstellung unsagbar irreal...
Ich weiß nicht, ob es sie gibt, und wenn, ob es irgendeine Relevanz hat... ebenso wenig wie ich es von mir selbst weiß.
Montag, 25. Oktober 2010
Raumzeitgedanken
Die Jahre gehen ins Land, und das Land kommt in die Jahre...
Ein ewiges Spiel von Raum und Zeit, ein Tanzen und Schweben umeinander, unüberwindliche Abhängigkeit ohne eine andere Erlösung als das Vergehen im Nichts...
Ein gegenseitiges Besuchen, bis beide sich nichts mehr zu sagen haben und alles begreifbare Sein endet.
Sonntag, 24. Oktober 2010
Leseprobe...
(...aus meiner neuesten Novelle, die leider noch keinen Titel hat und auch noch nicht lektoriert ist, aber ich stelle sie dennoch mal hier ein und bin gespannt auf Eure Rückmeldungen!)
Zugleich ertappte sich Gabelsdorf immer häufiger dabei, ungeduldig auf Nachricht zu warten, wenn Karin gerade nicht an ihrem Rechner war. Die schriftlichen Dialoge mit ihr wurden zum Hauptgegenstand seiner Aufmerksamkeit, und je mehr er sich auf den Austausch mit Karin Abild einließ, desto schwieriger wurde es, seine Frau nichts davon merken zu lassen, welch großen Raum die ferne Sängerin in seinem Denken und Fühlen mittlerweile einnahm. Nicht, daß er sich verliebt hätte. Aber Karin erschloß ihm Lebensbereiche, von denen er sich hochgradig angezogen fühlte, die jedoch in seinem Alltag so gut wie nicht vorkamen – Kunst und Impulsivität, Sex und Lust, Freiheit, Ungebundenheit, Ausdruck und Leidenschaft... Sie erlebte, erfuhr und erlitt alles, was Gabelsdorfs eigenem gleichförmigen Dasein abging.
Donnerstag, 21. Oktober 2010
Experiment 2 - Die gescheidlichen riter
(Auszug aus einem mittelhochdeutschen Versepos, verfaßt von mir im Jahre 2000)
Do kam ein riter nach der stat
Do kam ein riter nach der stat
der sunder ruom und ritertat
die schuolaere wolde leren
an in iren sin ze keren
und Fridericus vliehen -
so dahte er sich ze ziehen.
Sin lip was groz und grobelich
sin lere und kunde tobelich
sin kleit was groezer dann sin muot
an sinem ruom was lützel guot
wan er truoc in sich alsolhen wan
daz er im wane wande han
durch truge und ruor der werlde pris
und niht durch guottat unde vliz.
Do Friderici stolzecheit
was dises riters staetes leit
und er den ruom vergunde
begunde er bi der stunde
ze harren uf diu rehte zit
do er kunde stillen sinen nit
und rechen sine smaehe groz
als erz in sinem sin besloz.
Beide Fridericus unde er
die stouweten ire vientschaft mer
unz an ein maz do ez wart vol
sus daz ez einest überquol.
Ez qual daz mer der vientschaft
do niht durch rehte riterschaft
der strit wart geschieden under beiden
dar muosten beide under leiden.
Wan swer der tjoste niht enmac
der blibet gellic manegen tac.
Montag, 18. Oktober 2010
Ein vollkommenes Bild
Inmitten des Trubels aus eiligen Menschen, die dem U-Bahnschacht entquellen und den unter heiserem Klingeln grob heranpolternden Straßenbahnen zustreben, steht sie und liest in einer Zeitung, völlig entrückt der Welt, die sie umgibt, und ganz und gar ihrer Innerlichkeit zugekehrt, die von außen zu berühren sie in diesem Moment keinem anderen Reiz als dem Artikel gestattet, den sie liest.
Auf ihren Lippen liegt ein versonnenes Lächeln. Ihr schwarzes Haar fällt in großen weichen Locken um ihr leicht nach vorn geneigtes Gesicht, und ihre schönen Hände halten das Blatt auf die denkbar anmutigste Weise.
Sie ist hübsch, auffallend hübsch sogar, eine fast vollkommene Erscheinung. Ihre lesenden Augen sind groß und dunkel, glänzen interessiert in die Zeitung hinein und wandern lebhaft darin herum. Das kurze schwarze Mäntelchen, eng gegürtet und weit ausgestellt, flüstert subtil von den Verlockungen ihres schlanken, feinen Körpers, der doch unerreichbar bleibt... Ihre Füße hat sie mädchenhaft über Kreuz gestellt, und obwohl diese Haltung äußerst instabil wirkt, steht sie ganz ruhig und fest da, unerschütterlich und durch nichts von sich selbst abzulenken.
Es ist faszinierend - ohne den geringsten Anteil an der Außenwelt zu nehmen, beeinflußt sie sie dennoch, erregt in ihrem Umfeld eine Aufmerksamkeit, ein Hinschauen und Kontaktsuchen, das ins Leere gehen muß, weil es in der Gedankenverlorenheit, der Abgeschiedenheit dieses ganz in sich ruhenden, beseelten Seins nicht wahrgenommen wird und an dieser Ignoranz leise und belanglos zerstäubt...
Wie unsagbar schön dieses zeitungslesende Mädchen ist, das ich nur für ein paar Sekunden sehe... Wie zauberhaft, berauschend ihr wunderbarer Stilbruch des hektischen Lebens. Ein vollkommenes Bild, das ich dankbar und still beglückt durch den Rest des Tages trage.
Donnerstag, 14. Oktober 2010
The Importance of Not Being A Lemon
It will always remain a mystery to me why some women come close just to back off the very next second and treat you like you have tried to violate them. They cross your way, they trust you immediately... they pour their heart out and come very close, mentally, and, in some cases, even physically...
A relationship like that is bound to become very emotional - and therein lies the trap. Because everything is fine as long as you do not show any emotions except deep sympathy and sweet understanding. But go and use one wrong word, make one comment that is not one hundred per cent affirmative, and you will raise hell. Neither a wholehearted apology nor a thousand good deeds will make up for one little, inconsiderate mistake.
All the affection they might have felt before turns into disdain. Suddenly they dispise what they were about to love, and every attempt to talk it over and calm down some of the emotion involved in order to keep the whole thing in perspective is rejected with an attitude so cool it might freeze your soul. I never really got that, because I stronlgy believe that a single bad moment is not worth letting pass by what might have been a great chance for both parties.
The only explanation I can think of is that the moment you show the slightest sign of a critical perception they feel deceived and lose their faith and immediately start to feel embarrassed about all the weak spots they revealed to you and the secrets they let you in on. So, in a belated (and as much irrational as incomprehensable) attempt to arm and to protect themselves by hindsight, they start acting cool, like nothing you learned about their delicate, vulnerable souls had ever been true... and they love to leave you with the impression that you were the worst thing that ever happened to them.
Well, poor things. Being in pain, or suffering from some bad experiences in the past does not humiliate anyone. It is absolutely natural, and after all it is what makes us human. And lovable. Nobody has to be ashamed of their wounds and weaknesses... But denyal will not ease the pain, and to push away people who have seen "too much" of one's soul will not make you stronger. The answer is talking it over, and I am good and ready to do so.
Dienstag, 12. Oktober 2010
Wiener Wahlwunderlichkeiten
Nun ist er ausgekämpft, der "Kampf um Wien", wie es auf einem der unzähligen (und zum Teil unerträglich geistlosen) Plakate hieß, mit denen die Stadt seit Monaten gespickt ist. Die Wahl ist vorbei, und so wenig überraschend das Ergebnis ist, so bitter bleibt der Nachgeschmack.
27% des Wiener Wahlvolkes haben ihre Stimme einem Mann gegeben, der außer bösen Parolen nichts anzubieten hat. Keine Lösungen, keine Konzepte, keine Ideen. Das unsägliche Wahlmotto der FPÖ "Mehr Mut für unser Wiener Blut - zu viel Fremdes tut niemandem gut" ist, von seiner literarischen Letztklassigkeit abgesehen, auch inhaltlich bodenlos und übertrifft an ungehemmter Dreistigkeit sogar die biologistischen Entgleisungen Thilo Sarrazins um Längen. Schamlos und ohne rhetorischen Filter wird hier der Wert von Menschen für das Gemeinwesen an die blutsmäßige Zugehörigkeit gekoppelt, während die bestehenden Probleme pauschal den Ausländern angelastet werden.
Natürlich läßt sich der Wahlausgang erklären, und natürlich ist der Gesamtsituation zu entnehmen, daß nicht jeder FPÖ-Wähler automatisch ein überzeugter Ausländerfeind und Strache-Fan ist. Es galt, die absolute Mehrheit der SPÖ zu brechen, und dafür wäre ein Kreuzchen bei der ÖVP nur bedingt geeignet gewesen, weil diese ja schon vor der Wahl beiderseits erklärtermaßen der Lieblingskoalitionspartner einer in die Minderheit geratenen SPÖ war. Also läuft der enttäuschte Protestwähler zu den Blauen über, wohl wissend und hoffend, daß sich mit Herrn Strache ohnehin niemand ins Bett legen und die FPÖ also auch mit ihrem Zugewinn keinen echten politischen Einfluß bekommen wird. Alles erklärbar.
Aber dieses Spiel mit dem Feuer bleibt gefährlich, und ein aus welchen Gründen auch immer erstarkter rechter Rand hat, wenn schon keinen politischen, so doch einen atmosphärischen Einfluß auf das Leben in dieser Stadt. Stimme ist Stimme - der demokratische Prozeß differenziert nun einmal nicht zwischen Überzeugungstätern und Protestwählern, und die FPÖ wird, auch wenn das niemand wirklich will, ein Stückchen hoffähiger.
Wehret den Anfängen. Um der SPÖ einen Denkzettel zu verpassen, hätte man auch grün wählen können. Wer sein Mitbestimmungsrecht als Bürger nutzt, um seine Stimme einem Mann zu geben, der sich mit unsäglicher Hetze gegen "das Fremde" profiliert, macht sich am sukzessiven Einsickern solchen Denkens in die Gesellschaft mitschuldig, gleich, welche strategischen Erwägungen ihn dazu gebracht haben, sein Kreuz bei der FPÖ zu machen.
Als Deutscher gehöre ich gewiß nicht zu der Art Ausländer, die nun verstärkt Diffamierungen zu befürchten hat. Gleichwohl fühle ich mich in meinem geliebten Wien seit Sonntag ein kleines bißchen unwohler.
Samstag, 9. Oktober 2010
Streitkultur
Haben Sie mal versucht, mit einem Menschen zu diskutieren, der auf jede Aussage ausschließlich emotional und ohne einen Hauch rationaler Überlegung reagiert, in jedem Wort nicht ansatzweise den Kern dessen, was gemeint ist, sondern nur die Kränkung seiner Person sucht und in jeder noch so sanften Kritik, ja in jeder abweichenden Meinung nichts als eine Beleidigung sieht, die ihn sofort berechtigt, alles Gesagte abzuwehren und als unzulässig zu denunzieren?
Mir sind in meinem Leben drei Menschen begegnet, die auf diese Weise gesprächsunfähig waren und mit denen ich gleichwohl eine Verständigung gesucht habe - zuerst mein Vater, dann ein Borderline-Syndrom in Menschengestalt, an das ich drei Jahre meines Lebens (und meiner Liebe) verschwendet habe, und schließlich jemand, mit dem ich gestern in eine solche Situation geraten bin.
Es ist schon recht anstrengend, wenn jemand so überemotionalisiert ist, daß man keinen Satz zu Ende sprechen, keinen Gedankengang vollenden und kein Argument platzieren kann, weil der Gesprächs"partner" immer wieder unterbricht, sich empört auf einzelne Wörter stürzt, die ihm nicht passen, anstatt erst mal einen Gesamtzusammenhang entstehen zu lassen, sich gar selbst im Gespräch versichert, völlig in Ordnung zu sein und damit über alle (Selbst)Kritik erhebt, zugleich aber unfähig ist, zuzuhören, Gesagtes auf sich wirken zu lassen und sich wenigstens ansatzweise mit den Gefühlen, Bedürfnissen, Gedanken und Verletzlichkeiten seines Gegenübers auseinanderzusetzen, kurz: wenn jemand sich sofort und mit allem nur angegriffen und abgewertet fühlt, anstatt zu begreifen, daß mit dem Diskurs nur ein spezifisches Phänomen, ein Einzelfall, nicht aber er als Mensch problematisiert wird.
Grundsätzlich versuche ich mir abzugewöhnen, mit derart überemotionalisierten, kritikunfähigen, irrationalen und labilen Menschen überhaupt einen sinnvollen Diskurs zu suchen, da er schlechterdings nicht zu finden ist. Mit meinem Vater zum Beispiel werde ich gewiß nicht mehr reden, und auch die Borderline-Frau ist mir keinerlei Bemühen mehr wert. Wenn ich es aber trotzdem tue, weil mir an dem Menschen liegt, kommt es vor, daß ich bei aller Anstrengung auf das Fehlen jeder Logik und ein ausschließlich emotionales und oft sehr heftiges Verhalten nicht unbegrenzt ruhig und überlegt reagieren kann. Recht lange zwar, aber irgendwann bringt es mich doch auf die Palme, und dann, in ganz seltenen Fällen, schlage ich auf die gleiche Weise zurück - leider bin ich ziemlich gut darin, und wenn ich das scharfe Schwert des Wortes erst mal emotional zu führen beginne, ist der Schaden oft fürchterlich.
Das tut mir dann leid, und ich suche nach einer Abkühlungsphase die Klärung und Versöhnung. Zuweilen funktioniert das. Finde ich diese Bereitschaft aber bei meinem Gegenüber nicht mehr, ist es freilich ganz und gar vorbei. Dergleichen muß man einsehen und akzeptieren.
Mittwoch, 29. September 2010
Nachtgedanken
Vor 38 Jahren ging meine Sonne auf. Vor 18 Jahren erreichten mich erstmals ihre Strahlen. Ich buck einen Marmorkuchen, um sie zu begrüßen. Seither beschien sie mein Leben... wunderbar warm und hell...
So hell irgendwann, daß es mich blendete. So warm, daß ich mich nicht mehr regen konnte. Gleißend und heiß brannte sie auf mich herab, hoch, unerreichbar, ihre ganze Kraft darauf verwendend, ja sich ausbrennend geradezu dafür, daß ich es gut haben möge. Und ich hatte ihr nichts entgegenzuhalten. Kein kleiner Glanz, den ich erwarb, vermochte, in ihrem Licht zu bestehen.
Also floh ich in die Nacht, die mich kühl und lockend umfing, mich verführte zu verschwiegenen, verantwortungslosen Wonnen im wohligen Schutz entfremdender Dunkelheit... und ich fiel darein, immer tiefer, wurde aufgesogen von einer Sphäre, in der nichts sichtbar war und also auch nicht erklärt werden mußte. Nur Nacht, Stille, Kühle...
Nun ist mir kalt. Meine Augen sehnen sich nach Licht. Ich renne dem Horizont zu, sehnsuchtsvoll hoffend zu finden, aufs neue zu gewinnen, was ich einst floh. Doch meine Sonne scheint nicht mehr. Um mich bleibt nur die Nacht.
Donnerstag, 23. September 2010
Bewegung
Suchende, irrende und scheiternde Menschen faszinieren mich. Es zieht mich an, wenn jemand mit sich selbst im Unreinen ist, dies jedoch erkennt und strebend sich bemüht, ganz zum eigenen Selbst und damit zu seinem Platz in dieser Welt zu finden. Die Entwicklung, die Vorwärtsbewegung, die Selbstzweifel der leidenden Seele und ihre unbedingte Bereitschaft, sich um der Selbsterkenntnis willen auch unangenehmen Einsichten auszusetzen - all das fasziniert mich an einem Menschen.
Viele derart veranlagte Menschen neigen zum künstlerischen Ausdruck. Im gestaltenden Schöpfungsakt konkretisiert sich der Wille zur Ausformung eines Gefühls, einer Erkenntnis, einer Meinung und letztlich vielleicht einer Identität.
Dieses Bedürfnis nach Ausdruck kann jedoch zur Falle werden. Das aus Intelligenz, Talent und mangelndem Selbstwertgefühl geborene Werk wird oft zum Selbstzweck, übertönt das Wesen des Schaffenden, anstatt seiner Auffindung zu dienen, und wird euphemistisch "Selbstverwirklichung" genannt, um den Umstand zu verschleiern, daß das tatsächliche Selbst ja eigentlich schon immer wirklich war, nur leider nicht entdeckt werden konnte und also durch ein neues, im Werk erfundenes Selbst ersetzt wurde.
Natürlich schafft dergleichen keine echte Befriedigung. Ein kurzer, aus der Anerkennung der Mitmenschen gespeister Rausch mag den Schmerz lindern, aber im tiefsten Grunde weiß die Seele doch, daß sie ihr Glück in einer allgemein beklatschten Fassade allein nicht finden kann. In der Hoffnung, irgendwann doch zur völligen Übereinstimmung von Tun und Sein zu gelangen, wird also weitergeschaffen, und die im Werk manifestierte Ersatzidentität wächst und gewinnt immer mehr Macht. Jedem Gefühl, jeder Laune, jeder kurzzeitigen Idee wird Ausdruck gegeben in der Hoffnung, irgendwann füge sich daraus ein die Seele spiegelndes und also erkennbar machendes Gesamtbild.
Dem ist aber nicht so. Stattdessen beginnt sich derjenige, der in der Kunst sein Heil sucht, um sich selbst zu drehen und jede Regung seines Herzens oder seines Kopfes nur noch werkzentriert zu verstehen. Er entfernt sich von den Menschen, obwohl er vielleicht immer mehr Bewunderung erfährt, verliert sich selbst und sieht sein Leiden nicht mehr als Motivation seiner Suche, sondern nur noch als Rechtfertigung seiner rücksichtslosen Egozentrik.
Sich um sich selbst zu drehen, ist keine Vorwärtsbewegung, und rastlos in den eigenen Launen herumzuwühlen und seine Mitwelt damit zu penetrieren, schafft keinen echten Außenbezug. Selbstfindung kann nur glücken, wenn man sich selbst und anderen als Mensch unmittelbar erkennbar bleibt. Niemand wird in seinem Werk, sondern bestenfalls um seines Werkes willen geliebt. Dies jedoch bleibt unbefriedigend, weil es an menschlicher Nähe fehlt.
P.S.: Der gleiche Mechanismus gilt natürlich für bürgerliche Berufe, die zur Identitätsstiftung herangezogen werden, sowie für alle anderen Ersatzbefriedigungen. Die Kunst war hier nur das wohl intensivste Beispiel.
Donnerstag, 16. September 2010
Routinebruch
Professionell, cool, glatt und makellos, im Londoner Maßanzug, der ebenso perfekt sitzt wie die Maske des Geschäftsmanns, die ich zu solchen Gelegenheiten trage. 500 Menschen, die trinken, reden, essen, Erfolge feiern. Ich mittendrin, das Weinglas lässig in der siegelberingten Hand, gewandt plaudernd, charmant und witzig. Das Übliche eben - netzwerken, Karten verteilen. Geschickte Selbstdarstellung, während man überzeugend so tut als interessiere man sich noch viel mehr für die Selbstdarstellung des Gegenübers. Ein Routinetermin.
Das war der Plan.
Aber da bist Du. Und ich kann meinen Blick nicht von Dir wenden. Ich kann mich mit niemandem unterhalten, nichts mehr interessiert mich. Mein Herz rast, meine Zunge ist trocken, mein ganzer Leib gelähmt in stummer Anbetung. Du plauderst, mit wem eigentlich?, leuchtest, lächelst, bist schön... und ich möchte vergehen vor Wonne. Ich klebe an Dir, starre Dich an voller Ungläubigkeit, daß es so etwas Wundervolles geben kann...
...und trinke zuviel Wein.
Ich versuche, mich möglichst normal zu geben und falle dadurch erstrecht auf, rede Unsinn, stammele vor mich hin, ernte fragende Blicke... bis ich es nicht mehr aushalte und fliehe, fliehe auf die Bühne, wo irritierte Musiker mich gewähren lassen, als ich das Mikro nehme und ein Lied singe, ja ernsthaft, vor allen Leuten, aber nur für Dich...
Du hast den Teil, der einst mein Herz war. Warum nimmst Du mich nicht ganz?
Montag, 13. September 2010
Herbst
Wer dachte, der Frühling bliebe für immer? Er zog heran, ganz leise, zart und neu, die wundervollsten Verheißungen eingestickt in sein buntes Flatterband... Er wuchs, gedieh... schwoll an, ergriff mein liebend' Herz und sprach uns warm von Ewigkeit.
Voll erblüht entlud er sich in sommerlicher Pracht. Sonnenglut, Windrausch. Leben. Ein Augenblick schönen Scheins.
Und dann schwand seine Kraft. Das Leben wich. Es wurde ruhig. Nun ist er fort, verweht in totem Laub. Der Herbst ist da, und in ihm kein Warten mehr, kein Hoffen.
Kein Frühling bleibt für immer. Kein Augenblick währt ewig. Ich ziehe mich zurück, ich richte mich ein auf ein Dasein ohne Blütenträume. Ich gedenke der schönen Stunden...
...und lasse die Liebe sterben.
Donnerstag, 9. September 2010
Gedanken zur Integration
"In the first place, we should insist that the immigrant who comes here in good faith becomes an American (…). There can be no divided allegiance here. Any man that says he is an American, but something else also, isn't an American at all. We have but room for one flag, and that is the American flag. We have but room for one language here, and that is English. And we have but room for one sole loyalty, and that is loyalty to the American people. For a citizen to vote as a German-American, an Irish-American, or an English-American is to be a traitor to American institutions (…)."
Immigration und Integration sind derzeit in aller Munde, und so sehr ich mich auch bemühe, diesen Elfenbeinblog von politischen Fragstellungen freizuhalten, so wenig kann ich mich der Allgegenwart des Themas entziehen. Und wie ich mich also recherchierend und lesend mit der Sache beschäftige, stolpere ich über das obige Zitat von Theodore Roosevelt, seines Zeichens ein glühender Verfechter der Immigration, und ja, es regt mich zum Nachdenken an.
Daß sich Roosevelts Aussage in dieser Härte und Absolutheit nicht halten läßt, ist unbestritten. Die Wortwahl ist martialisch, der Inhalt undifferenziert. Aber ist der Grundgedanke, daß eine Gesellschaft eine gemeinsame Identität, eine gemeinsame Vision und eine gemeinsame Sprache braucht, nicht vollkommen berechtigt? Darf eine Gesellschaft, die massenweise neue Mitglieder aufnimmt, von diesen nicht durchaus Loyalität und das redliche Bemühen um Integration und Mitarbeit verlangen, so wie es jeder Schrebergartenverein tut? Und ist das Erlernen der Sprache und das Bekenntnis zu den Werten und Zielen unseres Landes nicht eine unbedingte Voraussetzung dafür, daß unsere pluralistische Gesellschaft dauerhaft funktioniert? Warum wird in Deutschland etwas, das völlig normal sein sollte, um einer verlogenen „politischen Korrektheit“ willen als „Zwangsgermanisierung“ denunziert? Warum erregt jeder Verweis auf eine deutsche Identität den Verdacht reaktionärer, faschistoider Realitätsverweigerung, obwohl „deutsch“ ja mittlerweile längst kein ethnisch-völkischer Begriff mehr sein sollte? Wenn wir selbst uns schon nicht mit unserem Land identifizieren, wie könnten wir es dann von Einwanderern verlangen?
Diese Fragen kommen mir in den Sinn. Ich selbst sehe keinen Widerspruch im Verhältnis von gemeinsamer Identität und pluralistischer Vielfalt. Es geht ja nicht darum, die Menschen verschiedener kultureller Herkunft systematisch zu vereinheitlichen – Gott bewahre, das wäre ja unerträglich fad! Nein, es geht darum, dem bunten Haufen von Menschen einen Integrationspunkt zu geben, einen gemeinsamen Nenner, zu dem alle sich bekennen können, weil er jedem entgegenkommt, jedem gerecht wird und niemanden ausgrenzt, und auf dem Vielfalt, Toleranz und Gleichberechtigung erst gedeihen können.
Wie das gehen soll? Ich habe nur ein paar Fragen gestellt. Meine Meinung zu dem Thema ist längst nicht ausgereift, und ich bin offen für eine Diskussion.
Mittwoch, 8. September 2010
Sprachgedanken
Kürzlich fiel einer aufmerksamen Leserin auf, daß ich mich hartnäckig der alten Rechtschreibung bediene, und ich erklärte ihr, diese Entscheidung beruhe auf linguistischen, ästhetischen und politischen Gründen. "Wieso auf politischen Gründen?", wurde ich gefragt, und ich finde, diese Frage verdient ein paar Gedanken, sei es nur als Diskussionsgrundlage, denn umfassend und eingedenk aller möglichen Argumente läßt sich ein so komplexes Thema in ein paar Blog-Zeilen natürlich nicht behandeln.
In aller Kürze (und ich bin mir der Ironie wohl bewußt, die darin liegt, ausgerechnet dieses Thema zu "vereinfachen"...) wäre also dies meine Antwort: Politische Gründe deshalb, weil die Simplifizierung der Sprache und die Auslöschung und Unkenntlichmachung ihrer historischen und ethymologischen Wurzeln die Breite ihrer Wissens- und Bildungsinhalte ebenso wie die Vielfalt ihrer Ausdrucksmöglichkeiten beschneidet und damit letztlich auch ein tiefgreifendes, kritisches Denken beschränkt. Denn Sprache ist nun mal der wichtigste Bewußtseinsträger und das unverzichtbarste Mittel zur Entwicklung und Formulierung von Ideen und Gedanken. Nicht umsonst hat Big Brother in Orwells "1984" als erstes die Sprache radikal vereinfacht, alle Synonyme abgeschafft und die Fähigkeit seines Volkes zum pluralistischen Ausdruck auch linguistisch beschnitten. Wer den Menschen eine komplexe, differenzierungsfähige Sprache nimmt, vereinfacht auf lange Sicht ihr Denken und macht sie manipulierbarer, weil sie sukzessive einfachen Antworten zugänglich werden.
In aller Kürze (und ich bin mir der Ironie wohl bewußt, die darin liegt, ausgerechnet dieses Thema zu "vereinfachen"...) wäre also dies meine Antwort: Politische Gründe deshalb, weil die Simplifizierung der Sprache und die Auslöschung und Unkenntlichmachung ihrer historischen und ethymologischen Wurzeln die Breite ihrer Wissens- und Bildungsinhalte ebenso wie die Vielfalt ihrer Ausdrucksmöglichkeiten beschneidet und damit letztlich auch ein tiefgreifendes, kritisches Denken beschränkt. Denn Sprache ist nun mal der wichtigste Bewußtseinsträger und das unverzichtbarste Mittel zur Entwicklung und Formulierung von Ideen und Gedanken. Nicht umsonst hat Big Brother in Orwells "1984" als erstes die Sprache radikal vereinfacht, alle Synonyme abgeschafft und die Fähigkeit seines Volkes zum pluralistischen Ausdruck auch linguistisch beschnitten. Wer den Menschen eine komplexe, differenzierungsfähige Sprache nimmt, vereinfacht auf lange Sicht ihr Denken und macht sie manipulierbarer, weil sie sukzessive einfachen Antworten zugänglich werden.
Natürlich geht es bei all diesen Befürchtungen nicht darum, ob man Delphin mit f oder ph schreibt - diese Veränderung allein öffnet keiner Gedankenkontrolle Tür und Tor, das ist mir auch klar. Und natürlich hat sich Sprache, gerade die deutsche, immer entwickelt. Aber hier geht es nicht um den organischen Wandel einer lebendigen Sprache, sondern um eine staatlich verordnete Nivellierung. Es geht um eine in vielen Lebensbereichen unserer Gesellschaft erkennbare Tendenz, den Horizont der Dümmsten zum Maßstab des Zumutbaren macht, und dagegen wehre ich mich eben schon in den Anfängen.
Dienstag, 7. September 2010
Rückblende
Es ist unglaublich, wie sich manche Daten, Erlebnisse und Stimmungen bestimmter Lebensabschnitte im Kopf, im Herzen festsetzen und angelegentlich unmerklicher Schlüsselreize aus tiefster, jahrzehntelanger Versenkung wieder auftauchen. Heute zum Beispiel mußte ich unwillkürlich an meine allererste Freundin denken, Stefanie, ein zauberhaft hübsches 16-jähriges Mädchen mit blonden Locken und blauen Augen. Von ihr bekam ich den ersten richtigen Kuß meines Lebens.
Und so umhüllte mich den ganzen Tag genau jene Stimmung, jene Atmosphäre, in der ich damals, 1988, lebte. Alles schien so zu riechen, zu klingen und auszusehen wie damals, unzählige Erinnerungen an Menschen, Ereignisse und Gefühle jener Zeit durchzuckten mich wie ein Film, der blitzartig abläuft, und vorhin ertappte ich mich sogar dabei, die Kassette zu hören, zu der wir damals oft geschmust haben - eine recht bunte Mischung aus Grönemeyers "Ö", George Michaels Debüt-Album (ja, sein Debüt!), BAP, Falco, ein paar zeitlosen Klassikern von Dean Martin und Glenn Miller, die ich immer schon mochte, und schließlich Dooley Wilsons "As Time Goes By", das sozusagen "unser Lied" war.
Na gut, es ist längst keine Kassette mehr - ich habe vor ein paar Jahren alle Lieder, die ich damals wild aus dem Radio aufgenommen hatte, als mp3 heruntergeladen und in der originalen Reihenfolge in einem eigenen iTunes-Ordner abgelegt. Die Kassette hatte ich 1988 mit "Steffi-Kassette" beschriftet, und genau so heißt bis heute der Ordner.
Und eben fiel mir ein, warum diese schöne, jugendliche Erinnerung heute so außerordentlich präsent war - es ist ihr Geburtstag! Die süße 16-Jährige wird heute 38. As time goes by... Alles Liebe und Gute, Steffi!
Montag, 6. September 2010
Baut es.
Robin Gibb, der ehemalige Sänger der Bee Gees, bekommt endlich, was er wollte - ein Ehrenmal für die Bomberpiloten der Royal Air Force, die im Zweiten Weltkrieg deutsche Städte bombardierten und zuletzt Dresden in Schutt und Asche legten. Mitten im Londoner Green Park wird ihr Einsatz nun gewürdigt.
Warum ausgerechnet Gibb sich so sehr dafür eingesetzt hat, die britische Luftwaffe zu ehren, mag dahinstehen. Viel offensichtlicher drängt sich die Frage auf, ob nicht die Ehrung von Männern, die in einer Nacht 25.000 Zivilisten und eine der schönsten Städte Deutschlands auslöschten, als - gelinde gesagt - Geschmacklosigkeit gesehen werden muß.
Wollte man sich auf eine Diskussion deutscher und britischer Standpunkte einlassen, so kämen von beiden Seiten gut vertretbare Argumente. Gibb selbst bringt zum Beispiel vor, die Piloten seien Helden gewesen, die Deutschland letztlich Frieden und Freiheit gebracht hätten. Dagegen ließe sich einwenden, daß die Vernichtung Dresdens im Februar 1945 mitnichten kriegsentscheidend gewesen ist. Dennoch, so könnte die britische Argumentation weitergehen, war es doch wohl Deutschland, das den Krieg begonnen und ihn später sogar "total" geführt habe. Wer sich so verhalte, müsse damit rechnen, daß die angegriffenen Völker ihre Freiheit mit denselben Mitteln verteidigten. Auch richtig. Gleichwohl widerspricht die planmäßige Tötung von Zivilisten der Genfer Konvention und wird bis heute auch im Fall Dresden von vielen Experten als Kriegsverbrechen gewertet.
Und so könnte man ewig fortfahren. Der kleinste gemeinsame Nenner ist, daß Krieg an sich blöd ist, aber er hat nun einmal stattgefunden. Alle weiteren Konflikte entspringen dem allzu menschlichen Phänomen der unterschiedlichen, historischer Perspektive und Prägung geschuldeten subjektiven Wahrnehmung und sind daher nicht vollständig auflösbar.
Ja Himmel, dann baut halt Euer dämliches Ehrenmal, wenn Ihr Euch dann besser fühlt! Alle britischen Waffengattungen außer der RAF haben eins, sogar die Spürhunde, die in den Londoner Trümmern eingesetzt wurden, und das Königreich braucht Helden, denn der Komplex, daß eine abtrünnige Kolonie dem einst mächtigen Empire auf gut Amerikanisch gesagt "den Arsch retten" mußte, wiegt ebenso schwer wie die Erkenntnis, daß Deutschland seither in vielerlei Hinsicht sehr viel besser dasteht als Großbritannien. "Who won the war, anyway?" Tja...
Natürlich erscheint es einem aufgeklärten, zeitgemäß denkenden Menschen befremdlich bis lachhaft, in bronzenem Kitsch verstaubtes Heldentum zu zelebrieren. Indes - belassen wir es doch dabei. Mag im Green Park nun ein Bomberdenkmal stehen oder nicht - meinen vielen Freundschaften im Vereinigten Königreich und meiner glühenden Liebe zu London wird das nicht den geringsten Schaden zufügen. Heute ist heut'.
P.S.: Das vom britischen Volk gestiftete und vom Sohn eines Bomberpiloten gefertigte Turmkreuz auf der wiederaufgebauten Dresdener Frauenkirche spricht eine andere Sprache als die dumpfe Heldenverehrung. Solche Gesten gibt es heutzutage gottlob auch.
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